1.
Er ist ein alter Her­thaner!

Richtig gehört, vor fast 50 Jahren (!), pünkt­lich zum Start der 1963 ein­ge­führten Bun­des­liga, machte sich das Abwehr­ta­lent von Rot-Weiss Essen auf in die große Stadt. RWE kas­sierte satte 10.000 DM Ablöse, Hertha BSC freute sich über einen ker­nigen Malo­cher. Wir zitieren aus der Otto-Reh­hagel-Bio­grafie von Nor­bert Kuntze: Bis dahin habe ich mit meiner Mutter zusammen in kleinen Ver­hält­nissen in Essen gelebt. Jetzt ging´s hinaus in die große weite Welt. Ich sehe mich noch heute mit meinem VW am Theodor-Heuss-Platz stehen, die Straße hin­un­ter­schauen zur Sie­ges­säule und höre mich zu mir selbst sagen: ´Otto, jetzt geht´s los!´“ Wenn sich der König auch nur ein Fünk­chen Vor­freude bewahrt hat, dann wird Hertha Deut­scher Meister 2013!

2.
Seine Frau Beate!

Kein Scherz: Beate Reh­hagel ist die viel­leicht mäch­tigste Trai­ner­frau in der deut­schen Fuß­ball­ge­schichte. Sie war es, die ihrem Mann nach einem Kaf­fee­kränz­chen mit Mario Basler die Ver­pflich­tung des schlam­pigen Genies emp­fahl („Der ist in Ord­nung“), sie war es, die sich bei bis­lang jeder Trai­ner­sta­tion ihres Gatten um die Spie­ler­frauen küm­merte (und damit für Frieden, Freude und manchmal auch für Eier­ku­chen sorgte), sie ist es, die der König einst als seine Haus- und Hof­be­ra­terin bezeich­nete (Zitat Beate Reh­hagel: Ist das nicht eine wun­der­schöne Lie­bes­er­klä­rung?“). Und sie ist es auch, die Otto immer wieder daran erin­nert, welch schöne Beru­fung er doch besitzt. Auf die Frage der Bild“-Zeitung an Hei­lig­abend 2003 (!), wie sich das Paar denn wohl privat anspre­chen würde, ant­wor­tete Beate doch tat­säch­lich: Ich ihn mit ´Trainer´. Das ist ein­fach mein Respekt vor seiner Arbeit.“ Wie das wohl im Alltag klingen mag? Trainer, du hast schon wieder die Zahn­pas­ta­tube nicht zuge­schraubt!“

3.
Sein Sohn Jens!

Papa, das soll­test Du machen. In ein oder zwei Jahren macht dir nie­mand mehr ein Angebot.“ Es sollen die klaren Worte von Soh­ne­mann Jens gewesen sein, die den König zur Rück­kehr nach Berlin bewegt haben sollen. Guter Mann, dieser Jens. Spielte einst ganz pas­sabel Fuß­ball (u.a. zu Zeiten Reh­ha­gels an der Weser in der zweiten Mann­schaft von Werder Bremen), arbeitet heute als Nach­wuchs­leiter bei Han­nover 96. Übri­gens als Dr. Reh­hagel“. Für alle Freunde am unnützen Fuß­ball­wissen – so lautet der Titel seiner Dis­ser­ta­tion an der Sport­hoch­schule Köln: Ent­wick­lung einer Test­bat­terie zur Dia­gnostik und Steue­rung der Schnel­lig­keit im Sport­spiel Fuß­ball“. 134 Pro­banden aus der Bun­des­liga mussten dafür her­halten, ob David Odonkor dabei war, wissen wir leider nicht. Kleiner Zusatz­schwank am Rande: Der Welt“ erzählte Sohn Jens im Dezember 2011, wie die Familie mit der stö­renden Popu­la­rität von Papa Otto umging: Als wir mal auf die Kirmes gehen wollten, hat sich mein Vater von einer Mas­ken­bild­nerin am Theater eine Maske machen lassen – mit Voll­bart und streng nach hinten gegelten Haaren. So konnten wir unge­stört Karus­sell fahren.“ Kacke, hätten wir auch eigent­lich unter Punkt 4: Seine Phan­tasie!“ bringen können…

4.
Er hat schon vor 40 Jahren einen Tra­di­ti­ons­verein vor dem Abstieg gerettet!

Saar­brü­cken? Offen­bach? Bremen? Dort­mund? Bie­le­feld? Düs­sel­dorf? Mün­chen? Kai­sers­lau­tern? Grie­chen­land? Alles falsch. Seine ersten Sporen als Retter ver­diente sich der 73-Jäh­rige bereits 1972, als er, noch für den 1. FC Kai­sers­lau­tern aktiv, den abstiegs­be­drohten FV Rocken­hausen über­nahm und hel­den­haft vor dem Abstieg ret­tete. Das war ein wun­der­barer Augen­blick für mich“, erin­nerte sich der König einst selig im Inter­view mit der Ber­liner Zei­tung“. Auf­atmen, Hertha! Muss man unbe­dingt erwähnen, dass dieses Rocken­hausen 1972 in der A‑Liga spielte? Eher nicht.

5.
Seine Men­schen­kenntnis!

Otto Reh­hagel“, sagt 11FREUNDE-Kolum­nist und Reh­hagel-Schüler Uli Borowka, hat für seine Mit­men­schen einen sechsten Sinn.“ Stimmt schon, König Otto ist noch mit jedem Spie­ler­typen zurecht gekommen. Mario Basler war ein Wun­der­knabe, hasste es aber zu trai­nieren? Kein Pro­blem. Otto schickte Mario mehr­mals in der Woche zum Arzt, Basler dankte es, fuhr zwar mit Kippe im Mund­winkel einen Schlenker am Trai­nings­platz vorbei, um die Kol­legen zu ärgern, schoss dann am Wochen­ende aber auch die ent­schei­denden Buden. Aus dem gemüt­li­chen Olaf Mar­schall formte Reh­hagel einen der besten Tor­jäger der späten Neun­ziger. Aus Grie­chen­land machte er einen Euro­pa­meister. Und aus Bücher­wurm Marco Bode einen recht pas­sa­blen Fuß­baller. Zitat: Marco, nun lassen Sie mal Ihre Bücher. Legen Sie sich lieber einen Fuß­ball ins Auto – und wenn Sie an eine rote Ampel kommen, steigen Sie aus und halten den Ball zehnmal hoch.“ Bei Bode hat´s gewirkt, da dürfte Hertha doch wohl kein Pro­blem sein. Oder?