Seite 2: Beängstigend wie Mopsgebell

Dass der Schafs­kopf in einem exakten Winkel von 54 Grad zum Sta­dion am Zoo aus­ge­richtet ist, lässt auf den Per­fek­tio­nismus schließen, mit dem die Ultras Wup­pertal zu Werke gehen. Pfusch, das sind immer die anderen. Es folgt der rüt­telnde Slo­mo­tion-Schwenk-Zoom, eine Film­technik, die im Zeit­alter der Sel­fiesticks und Bild­sta­bi­li­sa­toren eigent­lich als aus­ge­storben galt, roman­ti­schen Kame­ra­männer jedoch Tränen der Freude in die Augen treibt. 

Wim­pel­klau? Das ist selbst Mess­die­nern zu doof

Dann über­schlagen sich plötz­lich die Ereig­nisse. Grab­lichter werden dra­piert, dunkle Gestalten huschen durch das Bild, mit prä­zisen Schnitten werden nicht ohne Stolz die über die Jahre ergat­terten Fan­de­vo­tio­na­lien riva­li­sie­renden Gruppen aus dem gesamten Repu­blik (und Braun­schweig) prä­sen­tiert. Stille Zeugen, die beweisen sollen, dass die Ultras Wup­pertal nicht nur schwei­gend Schafs­köpfe durch die Gegend tragen oder schnau­fend durch ver­reg­nete Nächte laufen, son­dern immer wachsam und aktiv sind. Jeder­zeit zu allem bereit.

Auf der Suche nach Men­schen, die pro­vo­kant, falsch gefärbte Strick­ware durch die Gegend tragen und die sze­ne­ty­pisch abge­zogen werden müssen. Dieser Wim­pel­klau ist heut­zu­tage zwar selbst bibel­treuen Elf­jäh­rigen 
bei Mess­diener­zelt­la­gern zu doof, aber darum schert sich die Szene nicht. Stay rude, stay rebel. 

Sta­bile Jungs

Das ganze Sze­nario mündet in der ulti­ma­tiven Demü­ti­gung: der Prä­sen­ta­tion eines Graf­fiti, für das man aus jeder halb­wegs erst­zu­nehmden Spray­er­szene auf Jahren hin ver­stoßen werden würde. Zukunftslos“ steht da offenbar über den Rängen der Kre­felder Gro­ten­burg. Ein Brand­zei­chen auf der Seele des Erz­feindes. Dazu wird dem bemit­lei­dens­werten Schafs­kopf das St.Pauli-Mützchen ent­rissen. Schwarz­blende. Knall­harte Jungs rufen Fünfter Spieltag, ihr F**tzen“. Und schließ­lich erklingen die sanften Klänge von Ramm­steins Engel“, rot-blauer Rauch steigt auf und eine Horde von Sturm­hauben tritt auf einen Tram­pel­pfad am Sta­dion am Zoo. 

Ramm­stein in der Grün­an­lage

Wuuuuu-Paaaaaa-Taaaaaal“ hallt es durch die städ­ti­sche Grün­an­lage. Ein Schlachtruf so beängs­ti­gend wie Mops­ge­bell. Aber einer, der gleich­zeitig den Beweis dar­stellt, dass der Mensch eben doch vom Pri­maten abstammt und über Jahr­tau­sende ledig­lich das läs­sige Han­geln an Ästen ver­lernt, in seinem sons­tigen Gebaren offenbar in einigen Fällen keine grö­ßeren Evo­lu­ti­ons­sprünge mehr gemacht hat. Ja, die Jungs von den Ultras Wup­pertal sind fraglos bereit für das Duell am Sonntag gegen den KFC Uer­dingen. 

Dass die Ultras Kre­feld jedoch auf das nette Angebot der Kol­legen aus Wup­pertal ein­gehen, ist frag­lich. Wahr­schein­lich werden sie nicht einmal vor Ort sein. Denn für diese Saison haben die Ultras Kre­feld zum Sup­port-Boy­kott in der hei­mi­schen Gro­ten­burg auf­ge­rufen und bleiben wohl auch diesem Spiel fern.

Das glaubt ihr alles nicht? Hier ist das Video: