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DFB Pokal

Mamadou Dia­bang, erin­nern Sie sich noch an den 15. März 2003?
Natür­lich, an dem Tag haben wir gegen Borussia Mön­chen­glad­bach 4:1 gewonnen, und ich schoss drei Tore.
 
Das Spiel Ihres Lebens?
Auf jeden Fall. Drei Tore in der Bun­des­liga gegen so eine Top­mann­schaft – das ver­gesse ich nie.
 
Es war bis heute der letzte Arminia-Sieg gegen Borussia Mön­chen­glad­bach.
Dazu kam, dass ich bis dahin manchmal belä­chelt wurde. Ich spielte ja zu dem Zeit­punkt bereits zwei Jahre bei Arminia Bie­le­feld, hatte mich aber nicht wirk­lich durch­setzen können. In der Saison 2002/03 platzte end­lich der Knoten. Ich spielte so gut wie nie mehr danach, und machte zehn Tore. Sogar der FC Bayern wollte mich ver­pflichten.
 
Sie scherzen.
Nein, nein. Wenige Tage nach meinem Drei­er­pack gegen Glad­bach nahm mich der ehe­ma­lige Bayern-Spieler Michael Stern­kopf zur Seite. Das hatte was Kon­spi­ra­tives. Er fragte: Hast du einen Berater?“ Ich fragte zurück: Warum willst du das wissen?“ Und dann wurde es inter­es­sant.

Inwie­fern?
Sterni spielte ja früher beim FC Bayern und hatte noch gute Kon­takte. An jenem Tag erzählte er, dass Uli Hoeneß sich bei ihm über mich erkun­digt hatte.
 
So ein­fach ging das?
Es klingt simpel, aber das war die Zeit. Irgend­je­mand kennt jemanden, der die Tele­fon­nummer von einem hat, der sich einen Wechsel vor­stellen kann. Dumm war nur, dass ich keinen echten Berater in Deutsch­land, son­dern nur einen in Frank­reich hatte.
 
Kam der Wechsel des­wegen nicht zustande?
Ver­mut­lich. Mein Berater war jeden­falls nicht so recht mit den Gepflo­gen­heiten des deut­schen Trans­fer­ge­schäfts ver­traut. Als ich ihn wenige Tage später fragte, wie das Gespräch mit Uli Hoeneß ver­laufen war, wim­melte er mich ab. Danach habe ich nie wieder was von diesem Inter­esse gehört. Ver­mut­lich wurden da astro­no­mi­sche Summen gefor­dert.
 
Sie sollen auch hohe Summen von Ihrem Verein Arminia Bie­le­feld gefor­dert haben, bevor Sie den Verein zum VfL Bochum ver­ließen.
Moment. Die Geschichte muss ich rich­tig­stellen. Arminia war­tete unend­lich lange mit einer Ver­trags­ver­län­ge­rung, sodass ich mich nach anderen Ver­einen umhörte. Der VfL Bochum legte mir schließ­lich ein sehr attrak­tives Angebot vor, bei Arminia ant­wor­teten sie mit einem Betrag, zu dem sie sagten: Momo, das ist in Afrika viel Geld.“ Ich sagte: Das mag sein, ich bin aber nicht in Afrika.“ Kurzum: Ich fand das respektlos.
 
Die Fans waren nach dieser Wech­sel­posse nicht mehr gut auf Sie zu spre­chen. Sind die Wunden ver­heilt?
Nein. Ich gehe bis heute nicht auf die Alm, weil die Leute mir den Weg­gang immer noch krumm­nehmen. Nachdem die Arminia 2003 meinen Wechsel zum VfL ver­kündet hatte, ließ Trainer Benno Möhl­mann mich im fol­genden Spiel zunächst auf der Bank. Als er mich zum Ein­laufen schickte, star­tete ein rie­siges Pfeif­kon­zert, die Fans beschimpften mich mit Wör­tern, die ich hier nicht wie­der­geben kann. Ich war den Tränen nah, schließ­lich war ich in den Monaten zuvor noch Publi­kums­lieb­ling gewesen.

Also drü­cken Sie Glad­bach heute die Daumen?
Nein, so ist es auch nicht. Ich habe bei Arminia Bie­le­feld die beste Zeit meines Lebens gehabt. Ich hoffe, sie gewinnen. Mein Tipp: 2:1 für Arminia.
 
Und dann lädt Ansgar Brink­mann zur großen Arminia-Revival-Party?
Viel­leicht. Ein lus­tiger Typ und groß­ar­tiger Fuß­baller. Man nannte ihn nicht umsonst den weißen Bra­si­lianer. Aller­dings hatte ich mit ihm nicht so viel zu tun. Ich hing eher mit Mas­si­mi­lian Por­cello ab. Tolle Erin­ne­rungen…
 
Was meinen Sie?
Diese ganzen Namen, diese ganzen Spieler von damals: Thomas Stratos, Rüdiger Kauf, Artur Wich­niarek, Torjus Hansén, Fatmir Vata – wir hatten schon eine tolle Truppe. Einige haben ich sogar mal in meine Traumelf gewählt. Schade, dass es am Ende nicht zum Klas­sen­er­halt reichte. Zu Benno Möhl­mann habe ich übri­gens noch manchmal Kon­takt.


 
Herr Dia­bang, was machen Sie eigent­lich heute?
Ich habe meine Kar­riere eigent­lich beendet. Meine letzten Sta­tionen waren der SC Lüstringen…
 
Für den Sie ziem­lich erfolg­reich waren.
Stimmt, ich schoss dort 17 Tore in 15 Spielen. Aller­dings war das nur Bezirks­liga. Dann gab es noch einmal ein Angebot aus der Regio­nal­liga vom VfB Lübeck, also wech­selte ich dorthin. Danach spielte ich drei­ein­halb Jahre keinen Fuß­ball.
 
Bis Sie in der Kreis­liga lan­deten. Wie kam es dazu?
Vor kurzen hat mich mein alter Freund Güven Aydin ange­rufen. Er ist Trainer beim Bie­le­felder Klub Tus Brake und fragte, ob ich noch mal Lust auf Fuß­ball hätte. Ich sagte ja.
 
Alles ganz ohne Berater?
(Lacht.) Das ist Kreis­liga, ganz unten. Aber es macht Spaß. Und wissen Sie was: Wenn ich etwas in meiner Kar­riere ändern könnte, wäre das diese Berater-Sache aus dem Früh­jahr 2003. Ich hätte Sterni ein­fach gesagt: Ich habe keinen Berater, Uli Hoeneß kann mich gerne direkt anrufen.“