1.
Der FC Bayern wird nicht Deut­scher Meister.

Ein Haufen Fuß­ball­profis macht noch keine Schwar­min­tel­li­genz. So ist nicht von grö­ßerer Bedeu­tung, dass 85,2 Pro­zent der Bun­des­li­ga­spieler laut einer Umfrage des Kicker“ an die Bayern als Meister glauben. Auch der Umstand, dass es sich um ein Jahr vor einem großen Tur­nier und keines nach einem han­delt, hat nur sta­tis­ti­sche Bedeu­tung. Es ist zu ruhig in Mün­chen, das Theater, nachdem Dort­mund vor­bei­ge­zogen sein wird, wird zu spät kommen. Der BVB behält sicher die Nerven. Außer Schalke kommt. (klapp)

2.
Han­nover 96 gewinnt die Europa League.

Diese Mann­schaft hat ein bemer­kens­wert erfolg­rei­ches Faible dafür, alle wich­tigen Spiele zu gewinnen (Sevilla, Bayern, Kopen­hagen). Da in der Bun­des­liga nicht mehr viel gehen wird, bleiben als wich­tige Spiele nur noch die in der Europa League. Zudem unter­schätzen Gegner gern die Zähig­keit und Stand­haf­tig­keit derer aus Han­nover. Nähere Aus­künfte erteilt gern der Bun­des­prä­si­dent. (gol)

3.
Holger Sta­nis­lawski löst seinen Ver­trag in Hof­fen­heim auf.

Im Grunde braucht Holger Sta­nis­lawski nicht viel zum Glück. Eine funk­ti­ons­tüch­tige Kaf­fee­ma­schine, dazu viel­leicht noch eine funk­ti­ons­tüch­tige Mann­schaft – das reicht. Das mit der Kaf­fee­ma­schine dürfte im High-End-Trai­nings­zen­trum der TSG Hof­fen­heim kein Pro­blem sein; wenn man den neu­rei­chen Klub richtig ein­schätzt, hat er seinem Trainer, dem beken­nenden Kaffee-Junkie, die beste Kaf­fee­ma­schine der Welt ins Trai­ner­zimmer gestellt. Min­des­tens. Nur das mit der Mann­schaft will nicht so richtig fluppen. Im Grunde erleben wir in Hof­fen­heim gerade einen Kampf der Kul­turen: zwi­schen einem hoch moti­vierten Trainer und einer weit­ge­hend sedierten Mann­schaft, die längst gegen alle äußeren Reize immun ist. Sta­nis­lawski müsste seinen Kaf­fee­konsum schon auf null redu­zieren, statt­dessen auf Hop­fen­blü­tentee umsteigen, um einen ähn­li­chen Grad der Gleich­gül­tig­keit zu errei­chen wie seine Spieler. Da dies mit Sicher­heit nicht pas­sieren wird, bleibt Sta­nis­lawski nur das Ein­ge­ständnis, dass das mit Hof­fen­heim ein­fach nicht gepasst hat. (sth)

4.
Auf den Tri­bünen wird es weiter brennen.

Dreimal hatte sich eine Fan­kam­pagne mit Ver­tre­tern von DFL und DFB getroffen, ehe der Dialog über eine Lega­li­sie­rung von Pyro­technik gran­dios schei­terte. Auch der Fan­kon­gress in Berlin konnte den Ver­trau­ens­schaden nicht beheben, der durch diverse Miss­ver­ständ­nisse ent­standen ist. Was das für die Liga heißt? Fans werden zün­deln, Klub­chefs werden flu­chen, das DFB-Sport­ge­richt wird Strafen ver­hängen. Kurz: Alles bleibt beim Alten. (lsp)

5.
Marco Reus wird auch Spieler der Rück­runde.

Marco Reus besitzt als Fuß­baller viele Qua­li­täten, die viel­leicht wich­tigste und am wenigsten offen­kun­dige ist die, dass er sich aus­schließ­lich auf den Fuß­ball kon­zen­triert. Im letzten Spiel des Jahres 2011 hat er das auf beein­dru­ckende Weise demons­triert, nachdem ihm der Schalker Jer­maine Jones mit dem Vor­satz der Kör­per­ver­let­zung auf den gebro­chenen Zeh gestiegen war. Bei vielen anderen hätte das gereicht, um sie nach­haltig aus dem Kon­zept zu bringen. Reus spielte ein­fach weiter – und rächte sich auf seine Weise: Er schoss zwei Tore zum 3:1‑Sieg für Borussia Mön­chen­glad­bach. Die Kon­zen­tra­tion des Marco Reus aufs Wesent­liche wird auch in der Rück­runde so man­cher Prü­fung unter­zogen werden: Er ist nicht mehr nur einer von vielen jungen deut­schen Talenten, der künf­tige Dort­munder ist jetzt der 17-Mil­lionen-Reus. Was das für seine Leis­tung auf dem Platz bedeutet? Nichts! Seine Gegen­spieler haben ihn bisher nicht stoppen können. Warum sollte ihnen das in der Rück­runde gelingen? (sth)

6.
Her­thas Traum vom Pokal­sieg bleibt uner­füllt.

Neu­lich hat jemand die Frage gestellt, was eigent­lich die Fans von Hertha BSC singen, wenn ihre Mann­schaft sich dem Pokal­fi­nale nähert. Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, wie es alle anderen tun, geht ja irgendwie nicht. Die Frage lässt sich leider nicht beant­worten, weil Hertha sich meis­tens viel zu früh aus dem Wett­be­werb ver­ab­schiedet. In diesem Jahr aber steht die Mann­schaft im Vier­tel­fi­nale des DFB-Pokals, hat sogar ein Heim­spiel. Dass der Gegner Borussia Mön­chen­glad­bach die beste Saison seit Jahr­zehnten spielt, in der Bun­des­liga Platz vier belegt, ist in der all­ge­meinen Euphorie ein biss­chen unter­ge­gangen. Genauso wie die Tat­sache, dass selbst beim Wei­ter­kommen die poten­zi­ellen Gegner für Hertha eine Nummer zu groß sein dürften. Die Bayern sind noch im Wett­be­werb, und Dort­mund hat mit Hol­stein Kiel sogar eine Art Freilos. Die Wahr­schein­lich­keit, dass die Ber­liner noch einmal einen leichten Gegner erwi­schen, ist dem­entspre­chend gering. Es ist daher vor allem eine Frage der Mathe­matik, dass Her­thas Traum vom Pokal­sieg uner­füllt bleibt. (sth)

7.
Felix Magath hat noch lange nicht genug.

Acht Neue hat der Wolfs­burger Tau­send­sassa mit dem tau­send­sei­tigen Scheck­buch in der kurzen Win­ter­pause ver­pflichtet, aber an seinen wich­tigsten drei Trans­fers feilt er noch. Es sollen kommen: ein Trainer, ein Sport­di­rektor und ein Geschäfts­führer. Muss ja am Ende der Saison irgend­einer da sein, den Felix Magath dafür ver­ant­wort­lich machen kann, wenn der Wolfs­burger Mann­schaftsbus dem­nächst nach Pader­born, Aue und Ingol­stadt fährt. (gol)

8.
Der HSV schafft es noch in den Euro­pacup.

Die Gründe sind ein­fach: Thorsten Fink, Thorsten Fink, Thorsten Fink. Und der Kader. Der neue Trainer hat es geschafft, sein Selbst­be­wusst­sein auf die Spieler zu über­tragen und den HSV ins Mit­tel­feld zu führen. Die Mann­schaft hat die Qua­lität für noch mehr. Bis auf den rich­tigen Trainer und eine pas­sende Spiel­kultur war in Ham­burg schon alles da, was man für das obere Drittel der Bun­des­liga braucht, der große HSV wird auch auf neu­esten Digi­tal­ka­meras und nicht nur auf alten Super-8-Filmen zu finden sein. Neue Spieler wurden in der Win­ter­pause dann auch nicht geholt. Nicht nötig, Thorsten Fink ist ja da. (klapp)

9.
Die Tage von Robin Dutt in Lever­kusen sind gezählt.

Mit seinem Frei­burger Migra­ti­ons­hin­ter­grund stand Bayers neuer Trainer ers­tens für einen läs­sigen Zugang zum kickenden Per­sonal und zwei­tens für Erfolg unter schwie­rigen Bedin­gungen. Mitt­ler­weile aber weiß auch der super­loyale Rudi Völler, dass Robin Dutt in etwa so lässig ist wie Hartmut Meh­dorn. Und das biss­chen Erfolg außer­halb des erfolg­losen Kern­ge­schäft Bun­des­liga wird sich auch bald erle­digt haben, mit dem Cham­pions-League-Aus gegen den FC Bar­ce­lona. Erin­nert alles an einen frü­heren Bayer-Trainer namens Berti Vogts, der zuge­geben noch erfolg­loser war. (gol)

10.
Der FC Augs­burg steigt nicht ab.

In der Zweiten Liga lauten die Syn­onyme für Fuß­ball­pro­vinz seit ewigen Zeiten Meppen und Pader­born, doch mit den Jahren ändern sich die Dinge. Meppen ist in der Ver­sen­kung ver­schwunden, Pader­born spielt oben mit. Und Augs­burg gehört in ein paar Jahren so zur Ersten Liga wie jetzt Frei­burg, das ebenso wie Kai­sers­lau­tern und Mainz noch schlechter ist als der Auf­steiger. Bis zum ersten Bun­des­li­ga­sieg hat es neun Spiele gedauert, ange­kommen waren die Augs­burger mit dem Aus­schöpfen der vor­han­denen Mittel schon vorher. Es gibt schlim­meres, als das Meppen der Bun­des­liga zu sein. (klapp)

11.
Greu­ther Fürth schafft diesmal den Auf­stieg.

Dieser Weg wird kein leichter sein – der Gang in die Kabine künftig auch nicht. Denn die SpVgg Greu­ther Fürth hat Gerald Asa­moah samt seiner musi­ka­li­schen Vor­liebe für Xavier Naidoo ver­pflichtet. Wie einst bei der Natio­nal­mann­schaft akzep­tiert der Ex-Schalker beim Zweit­li­ga­zweiten und ewigen Auf­stiegs­ver­passer seine Rolle als Gute-Laune-Onkel und Kabinen-DJ. Das reicht der Erfah­rung nach für Platz drei. In der Rele­ga­tion wird dann wie im Pokal Nürn­berg im Franken-Derby geschlagen – was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir spiel­ver­eint. (dob)