Bereits am Freitag konnte sich der 1.FC Köln mit dem 2:1‑Sieg gegen Han­nover 96 zwi­schen­zeit­lich auf den sechsten Tabel­len­platz schieben. Für Blogger Samba-Köln Grund genug, sich in die Cham­pions League zu träumen. Weniger eupho­risch sieht das Geiss­blog, der das Zustan­de­kommen des Heim­siegs genau ana­ly­siert. Sein Fazit: »Wer so Spiele gewinnt, der steigt nicht ab. Andere Ver­eine werden mit sol­chen Siegen sogar Meister.«

Am Rhein herrscht also eitel Son­nen­schein, wäh­rend in Chile Han­no­ver­fans die Ein­hei­mi­schen in die Ver­zweif­lung treiben. Berichtet zumin­dest Fuß­ball von unten: »Wäh­rend nun 96 erneut einen Auf­tritt ver­patzt, sitzen die beiden in einer Sportbar in Bella Vista und trinken sich die Begeg­nung schön. Trotz Alko­hol­kon­sums ist Lucho ent­setzt: ›Pedro! Da hat dieser Deut­sche tage­lang Skan­dale wegen seiner Lieb­lings­mann­schaft ver­an­staltet und dann stellt sich heraus, dass sie eine Gur­ken­truppe ist.‹« Ob mit dem Blog­titel übri­gens die Posi­tion auf der Erd­kugel oder die der 96er in der Tabelle gemeint ist, wissen wir nicht genau.

Nach dem 2:1‑Sieg der Ham­burger gegen Dort­mund berich­teten die meisten Medien vom Füh­rungs­treffer durch den Ex-Dort­munder Mladen Petric. Voll­kommen falsch, wenn man dem Bericht bei Plei­te­geiger Glauben schenkt: »Es wird natür­lich anders in die Geschichts­bü­cher ein­gehen, war aber in Wirk­lich­keit so: Das 1:0 des HSV schoß Kirsten, das 2:0 ich. Jeweils durch eine SMS.« Wenn die ange­spro­chene Kirsten nicht gerade SMS ver­schickt, deckt sie im Übrigen unge­heu­er­liche Unsport­lich­keiten der Han­seaten auf.

»Aber kein Wunder – der HSV hat im Vor­feld mit unfairen Mit­teln gekämpft: Ich hatte näm­lich ursprüng­lich eine Karte für Block 13b. Und als ich da zuletzt gesessen hab, fuhr der BVB einen Aus­wärts­sieg ein. Doch als hätte der Gast­geber das geahnt, wurden 299 wei­tere Fans und ich kur­zer­hand in Block 14b ver­frachtet. Das konnte ja nichts werden.« Eine Ent­schei­dung am grünen Tisch droht am Hori­zont.

»Früher hätten alle Dort­munder beim Rempler ›Coole Sau‹ gerufen«


In dem gewohnt aus­führ­li­chen Spiel­be­richt auf Schwatz­gelb findet sich zu besagtem Spiel eine außer­ge­wöhn­lich faire Bewer­tung des Zustan­de­kom­mens der Dort­munder Nie­der­lage. Den Rempler von Petric vor dem 1:0 bewertet man dort so: »Jeden­falls hätten alle Dort­munder nach diesem Rempler noch vor Jah­res­frist ›Coole Sau‹ gerufen – heute for­dern sie vehe­ment den (berech­tigten) Frei­stoß. So schnell ändern sich die Zeiten.«

Ja, so schnell ändern sich die Zeiten. Das bewies am Wochen­ende auch Borussia Mön­chen­glad­bach mit dem 2:0‑Sieg bei Arminia Bie­le­feld. Die ehe­ma­ligen »Aus­wärts­deppen« ent­führten drei Punkte aus Ost­west­falen. Wie es dazu kommen konnte, weiß Ent­schei­dend is auf’m Platz: »Man nehme das Glück aus dem Karls­ruhe-Spiel, einen Titan“ namens Gos­po­darek, einen Marin wie aus der Diego-Ribéry GmbH & Co. KG und zu guter Letzt einen Gegner, der an allen drei anderen Zutaten ver­zwei­felt – schon ist er fertig: Der elfte Aus­wärts­sieg im Ober­haus in den letzten 108 Par­tien seit dem Wie­der­auf­stieg 2001.«

Trotz der Nie­der­lage zeigen sich Bie­le­felder Fans wie im Blog Die Blauen nicht allzu unzu­frieden. »Arminia hat ein ordent­li­ches Spiel abge­lie­fert, finde ich. In der ersten Halb­zeit gut und in der zweiten Halb­zeit lange nicht so schlecht oder lei­den­schaftslos, als dass die ›Wir-sind-Arminen-und-Ihr-nicht-Rufe‹ von der Süd­tri­büne ange­bracht waren.«

Die beein­dru­ckendste Aktion des Spiels zwi­schen dem VfL Bochum und Werder Bremen fand nach dem Schluss­pfiff und abseits des Rasens statt. Als einige ver­mut­lich rechts­ra­di­kale Fans eine Fahne ent­rollen wollten, skan­dierten die Bremer und Bochumer Fans gemeinsam »Nazis raus« und pro­vo­zierten damit ein Ein­greifen der Polizei.


Grund genug für Wer­derblog den Mantel des Schwei­gens über das magere 0:0 zu legen: »Ich bin stolz auf unsere Fans. Und viel­leicht ja auch bald wieder auf unsere Mann­schaft.«

In Bochum dagegen ärgert man sich über zu wenig Mut im Spiel nach vorne. »Der VfL muss drin­gend damit anfangen, irgendwo drei Punkte ein­zu­fahren. Und das sollte dann bitte auch der Trainer end­lich ver­in­ner­li­chen. Man erzählt sich von Eich­hörn­chen, die bei dem Ver­such sich zu langsam (und vor­sichtig) zu ernähren, letzt­lich auf der Strecke geblieben sind«, schreibt Zum blauen Blog.

Auf der Strecke geblieben ist auch die 3:0‑Führung von Bayer Lever­kusen im Spiel gegen den Karls­ruher SC. Sym­pto­ma­tisch für die gesamte Saison der Lever­ku­sener meint Catenaccio, schränkt aber ein: »Gene­rell kann man trotzdem zufrieden sein mit einem Punkt in Karls­ruhe. Unge­achtet vom Ver­lauf des Spiels am Samstag ist es ein wich­tiger Zähler, der immerhin heute zur Tabel­len­füh­rung reichte. […] Schalke ist der nächste Prüf­stein für die Werkself. Zuhause wäre ein Dreier gegen den direkten Kon­kur­renten um den inter­na­tio­nalen Wett­be­werb äußerst wichtig.«

Im Rennen um den inter­na­tio­nalen Wett­be­werb musste auch der VfB Stutt­gart am Sonntag einen Dämpfer hin­nehmen. Gegen Frank­furt reichte es nach 0:2‑Rückstand nur zu einem 2:2‑Unentschieden. Für Blogger Hirn­gabel wird die Situa­tion langsam bedenk­lich: »Noch ist es nicht zu dra­ma­tisch, aber es sind der­zeit ein­fach zu viele Teams im Rennen um die UEFA-Cup-Ränge, als dass man sich eine ernst­hafte, lange Schwä­che­phase erlauben könnte. Gegen Bie­le­feld muss nächste Woche zwin­gend ein Sieg her!«

Auf Frank­furter Seite dagegen wun­dert man sich im Blog‑G über die merk­wür­dige Meta­mor­phose des Teams. »Ein­tracht Frank­furt ist Mitte November eine ganz andere Mann­schaft als noch vor drei oder vier Wochen. Woran es liegt, vermag der Außen­ste­hende kaum zu beur­teilen. Die Prot­ago­nisten sind wei­test­ge­hend die­selben nur die Art des Auf­tre­tens hat sich geän­dert. Man kann als Anhänger nicht gerade traurig dar­über sein.«

»Keine Ahnung, welche Qual das in den ver­gan­genen Jahren oft war«

Wenig traurig ist man auch bei Herthabsc.blogspot über den 1:0‑Sieg gegen den ehe­ma­ligen Tabel­len­führer aus Hof­fen­heim. Doch wie es oft im Moment des Tri­um­phes ist, erin­nert man sich hier auch an die ver­gan­genen Leiden: »Wer ges­tern nur eben mal vor­bei­schaute, hat ja keine Ahnung, welche Qual das in den ver­gan­genen Jahren oft war.«

Für die Hof­fen­heimer Fans sind die »Qualen« eines Punkt­ver­lustes aller­dings neu. »Der ver­wöhnte Fan hatte so seine Schwie­rig­keiten mit der Akzep­tanz der Nor­ma­lität. Kaum Tor­raum­szenen, kaum Ein­zel­ak­tionen, ein Spiel, bei dem Kom­men­ta­toren ihre Syn­onym­schatz­kiste her­aus­holen durften«, hält der Aka­de­mi­sche Fan­club Hof­fen­heim fest.

Aber Hof­fen­heim wäre nicht Hof­fen­heim, wenn eine solche Fest­stel­lung nicht in ein opti­mis­ti­sches Fazit münden würde: »Schreiben wir halt nächste Woche ein wei­teres Kapitel Fuß­ball­ge­schichte und kon­zen­trieren uns dabei wieder auf das Ergebnis. Der 15. November ist dafür auch ein gutes Datum, denn an diesem Tag vor exakt fünf Jahren fei­erte die Deut­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft der Frauen den höchsten Sieg seit ihrem Bestehen: ein 13:0 gegen Por­tugal. Nehmen wir das ein­fach mal als gutes Omen …« Angeb­lich soll an diesem Tag auch Frau Ute K. aus Frei­burg ein Wasch­lappen aus der Hand geglitten sein. Sie hat ihn wieder auf­ge­hängt. Bestimmt auch ein gutes Omen für Hof­fen­heim.

Im letzten Sonn­tags­spiel kam es zum Klas­siker Schalke 04 gegen Bayern Mün­chen. Obwohl Schalke zwi­schen­zeit­lich so über­legen wie ein Por­sche gegen­über einem Dreirad war, gewannen die Münchner mit 2:1. Den Grund weiß Königs­blog: »In der zweiten Hälfte ließ der große Stra­tege Jürgen Klins­mann seine Mann­schaft dann wie Energie Cottbus spielen, mit dem Unter­schied, dass Cottbus zur Halb­zeit selten mir 2:1 führt. Aber es reichte, Schalke 04 spielte zwar auch die zweiten 45 Minuten nach vorne, brachte aber nicht genug Krea­ti­vität auf, um das Boll­werk der ein­gei­gelten Bayern zu durch­bre­chen.«

Oder um es mit Fern­glasfcb zu sagen: »Schön haben die Bayern ges­tern zumin­dest eher selten gespielt, aber dafür stimmte die Defen­siv­ar­beit – und das ist ne ganze Menge Ver­bes­se­rung, wenn man die letzten Wochen rück­be­trachtet. Die gute, alte Bayern-Schule eben.« Von wegen »gute, alte Zeit«, werden sich die Schalker denken.