Ein 3:0‑Erfolg im Halb­fi­nale der Cham­pions League: Eigent­lich müssten die Bayern nach dem Sieg über Olym­pique Lyon auf Wolke sieben schweben. Erst­mals seit dem Triple-Sieg 2013 haben die Bayern wieder das Finale der Cham­pions League erreicht. Also alles Friede, Freude, Bre­zel­knödel? Nicht ganz. Lyon legte die Schwä­chen von Hansi Flicks offen­siver Taktik offen. Fünf Beob­ach­tungen zum Halb­fi­nale.

1. Die Bayern sind ver­wundbar

25 Pflicht­spiele haben die Bayern im Kalen­der­jahr 2020 bestritten, 24 davon haben sie gewonnen. Es scheint, als könne kein Gegner die Münchner stoppen. Und doch bewies Lyon im Halb­fi­nale, dass die Bayern durchaus Schwä­chen besitzen.

Lyon kon­zen­trierte sich auf die Defen­sive: Mit einer 5 – 3‑2-For­ma­tion wollten sie das Mit­tel­feld sichern. Nach Ball­ge­winnen wollten sie schnell umschalten, um hinter die weit auf­ge­rückte Bayern-Abwehr zu gelangen. Trainer Rudi Garcia hatte sich dazu einen beson­deren Kniff ein­fallen lassen: Karl Toko Ekambi agierte als zweiter Stürmer weit auf der rechten Seite. Hatten die Bayern den Ball, sollte er Pässe auf Alp­honso Davies ver­hin­dern. Sobald Lyon den Ball bekam, sollte er hinter dem offen­siven Davies für Konter bereit­stehen.

Die Taktik ging in der Anfangs­phase auf: Die Bayern schwammen in der ersten Vier­tel­stunde. Ihre Rest­ver­tei­di­gung wusste nie, wen sie abde­cken soll. Den weit Außen ste­henden Ekambi? Oder den direkt nach vorne star­tenden Mem­phis Depay? In den ersten 15 Minuten hatte Lyon gleich zwei große Chancen.

2. Die Bayern sind fle­xibel

Es dau­erte einige Minuten, ehe die Bayern ins Spiel fanden. In der Folge stellten sie ihre Fle­xi­bi­lität unter Beweis. Thiago ließ sich nach einiger Zeit ver­mehrt fallen. Er suchte den freien Raum auf der halb­linken Seite; hier fehlte der weit nach Außen gerückte Ekambi.

Die Bayern begannen, den Gegner auf die halb­linke Seite zu locken – nur um dann mit langen Dia­go­nal­bällen das Spiel zu ver­la­gern. Schon beim ersten Treffer funk­tio­nierte diese Spiel­idee.