Das ist neu:
Bekannt­lich ver­danken wir Bayer mit dem Aspirin nicht nur eines der bekann­testen Medi­ka­mente der Welt, son­dern auch um die Ver­brei­tung eine der bekann­testen Drogen hat sich das Unter­nehmen ver­dient gemacht. Schon 1896 sicherte sich Bayer das Patent für Heroin. Leider tat es sich jedoch mit einer anderen popu­lären Droge etwas schwerer, die von einem rumä­ni­schen Che­miker in Berlin erfunden und später in Japan syn­the­ti­siert wurde: Amphet­amin. Die ganze Speed-Geschichte lief an Bayer weit­ge­hend vorbei, wor­unter bis zum heu­tigen Tag auch die Werkself leidet. Den Vor­wurf, zu über­dreht zu sein, konnte man ihr näm­lich nur in der Ära Chris­toph Daum machen. Zumeist war Lever­kusen ansonsten die Heimat einer leicht ent­schleu­nigten Unter­span­nung und die Heimat grum­melig geführter Kom­fort­zone-Dis­kus­sionen. Doch Ach­tung: Das könnte jetzt anders werden. Und zwar ganz anders! Wer in der ver­gan­genen Saison zufällig das Spiel der Europa League zwi­schen Ajax Ams­terdam und RB Salz­burg gesehen hat, der muss eigent­lich davon aus­gehen, dass aus Lever­kusen ab sofort die Speed­freaks der Liga kommen. Der Trainer von Salz­burg damals hieß näm­lich Roger Schmidt, und seine Mann­schaft schoss Ajax nach bra­chialem Schaum-vor-dem-Mund-Power-Pres­sing mit 3:0 aus dem eigenen Sta­dion. Schmidt ist nun Coach bei Bayer.

Das fehlt:
Ent­gegen gehäs­siger und weit ver­brei­teter Behaup­tung ist der Tro­phä­en­schrank von Bayer Lever­kusen nicht ganz leer. Man mag das behaup­tete Nichts man­chem Spötter aber nicht ver­denken, denn der letzte Titel­ge­winn liegt bereits 21 Jahre zurück, der DFB-Pokal­sieg 1993. Der andere ist sogar schon 26 Jahre her, der Gewinn des UEFA-Cups. Danach hat Bayer Zweite Plätze zu einer eigenen Kunst­form gemacht, fünf Mal in der Bun­des­liga, zweimal im DFB-Pokal und 2002 in der Cham­pions League, aber längst zündet der Witz ein­fach nicht mehr. Ehr­lich gesagt: Da muss mal ein Titel her! Das sehen sie bei Bayer auch selbst so. Vize­kusen darf nicht der Deckel alles Den­kens sein. Wir müssen alles dafür tun, einen Titel, einen Pokal zu holen“, hat Geschäfts­führer Michael Schade dieser Tage gesagt.

Das fehlt nicht:
Echtes Geld! Nach Jahren aus­ge­gli­chener Trans­fer­bi­lanzen hat Bayer Lever­kusen vor dieser Saison inves­tiert. Der Wechsel von Hakan Cal­ha­no­glou aus Ham­burg kos­tete 14,5 Mil­lionen Euro, der von Stürmer Josip Drmic aus Nürn­berg fast sieben Mil­lionen und der des bra­si­lia­ni­schen Links­ver­tei­di­gers Wen­dell 6,5 Mil­lionen. Dazu wurden noch je eine Mil­lion Euro in die Aus­leih­ge­bühren des Meister-Propper-artigen Innen­ver­tei­di­gers Kyriakos Papado­poulos von Schalke und Tim Jedvaj vom AS Rom aus­ge­geben. Den 32 Mil­lionen Euro Aus­gaben stehen 18 Mil­lionen für die Abgänge Emre Can, Sidney Sam, Jens Hegeler und Junior Fer­nandez ent­gegen. Mit den neuen Leuten soll auf dem Platz vor allem mehr agiert als reagiert werden, wie Bernd Leno im Inter­view mit 11FREUNDE ankün­digte: Wir wollen den Gegner mehr über­ra­schen, nach einem Tor auch mal nach­legen und nicht direkt auf Defen­sive schalten. Wir wollen höher stehen, früher pressen, kom­pakt und kol­lektiv ver­schieben.“ In der Qua­li­fi­ka­tion zur Cham­pions League sah das beim 3:2‑Sieg in Kopen­hagen so aus, als ob man bei Bayer-Spielen in dieser Saison viele Tore sehen könnte – an beiden Enden des Spiel­felds.

Wenn diese Mann­schaft ein Liede wäre, dann dieses:
Slayer – War ensemble

Klar, Bayer ist jetzt Speed­metal. Am besten Slayer´s War ensemble“, aller­dings in der Rocks­mith-Hero-Echt­gi­tarren-Vari­ante mit der zehn­jäh­rige Audrey und ihrer kleinen Schwester, die besser schreien kann als Tom Araya. Dafür ersparen wir euch den weit­ge­hend hirn­kranken Text. Mit Aus­nahme dieser Zeile:

Flo­wing veins run on through
Deep in the Rhine“

Das 11FREUNDE-Orakel:
Bayer Lever­kusen holt den Titel, wel­chen auch immer.