Es gibt Trainer, die für ihre laute Art bekannt sind. Steffen Baum­gart zum Bei­spiel. Häufig sieht man ihn mit auf­ge­setzter Schie­ber­mütze an der Sei­ten­linie, schreiend und wild mit seinen Armen rudernd. Selbst, wenn er mal nicht auf der Trai­ner­bank sitzen kann, ver­folgt der Trainer des 1. FC Köln auf diese Weise die Spiele seiner Mann­schaft. So wie Anfang Februar, als Baum­gart wegen einer Corona-Infek­tion in häus­li­cher Qua­ran­täne bleiben musste, wäh­rend seine Spieler gegen den SC Frei­burg (1:0) spielten. Der vor dem hei­mi­schen Sofa brül­lende und umher­ti­gernde Baum­gart wurde dar­aufhin zum Internet-Hit.

Daniel Scher­ning ist eher das Gegen­teil von Steffen Baum­gart. Ruhig und sach­lich erklärt der Ost­west­fale nach Spielen oder auf Pres­se­kon­fe­renzen, wie er die Dinge sieht – näm­lich meist ziem­lich ent­spannt. Als Co-Trainer arbei­tete er vier Jahre mit Baum­gart beim SC Pader­born zusammen. Wir pflegen ein enges Ver­hältnis, führen inten­sive Gespräche, streiten auch mal, arbeiten aber immer ziel­ori­en­tiert“, sagte Baum­gart 2020 über Scher­ning. Er ist nicht mein Assis­tent, er ist mein Partner“, fügte der heu­tige Kölner an. Aus dem Partner von Baum­gart ist mitt­ler­weile ein Zweit­liga-Chef­trainer geworden. Am Don­nerstag ver­kün­dete Arminia Bie­le­feld, dass Scher­ning ab sofort Trainer des Bun­des­liga-Abstei­gers ist. Nach einem Fehl­start mit vier Nie­der­lagen zu Beginn der Saison hatten die Bie­le­felder zuvor Uli Forte ent­lassen. Mit Scher­ning kommt ein ver­trautes Gesicht nach Ost­west­falen. Kann er den schlin­gernden Absteiger wieder in die Erfolgs­spur bringen?

Über Bie­le­feld nach Bie­le­feld

Eines hat Daniel Scher­ning schon jetzt mit den ganz Großen unter seinen Kol­legen gemein. Wie etwa Jürgen Klopp oder José Mour­inho war auch Scher­ning keine große Kar­riere als Spieler ver­gönnt. Der heute 38-Jäh­rige ver­diente sein Geld über­wie­gend in der Regio­nal­liga, zunächst beim SC Pader­born. Anschlie­ßend war er beim SC Pful­len­dorf, bei der Zweit­ver­tre­tung von Arminia, in der Nach­bar­schaft beim SC Verl oder bei Schalke 04 II aktiv. In der Saison 2009/10 zwang ihn eine schwere Ver­let­zung im linken Knie zum Ende der Kar­riere. Er ging wieder zurück in seine Heimat, nach Ost­west­falen, wo der gebür­tige Pader­borner zunächst als Scout und Co-Trainer der zweiten Mann­schaft von Arminia Bie­le­feld unter Armin Perrey arbei­tete.

Im Sommer vor zehn Jahren dann wurde Scher­ning zum ersten Mal Chef­trainer, er über­nahm Arminia II von Perrey, der Sport­li­cher Leiter des Nach­wuchs­be­reichs wurde. Bis Ende 2016 trai­nierte Scher­ning Bie­le­felds U23 in der Ober­liga West­falen, ab Früh­jahr 2015 zusätz­lich die U19. Kurz vor dem Jah­res­wechsel 2016/17 folgte er schließ­lich dem Lockruf aus Pader­born. Im Kampf um den Klas­sen­er­halt in der 3. Liga hatte der Lokal­ri­vale gerade Stefan Emmer­ling ver­pflichtet – und der brachte Scher­ning als Co-Trainer mit zum Sport-Club. Ich wusste immer, dass Daniel höhere Ambi­tionen hat, und ich halte ihn auch absolut geeignet dafür“, sagte Scher­nings frü­herer Mentor Perrey damals zu dem Wechsel. Er hat hier einen guten Job gemacht.“

„Ich bin nicht wegen des Biers in Köln!“ Steffen Baumgart im Interview

Mit rus­ti­kalem Charme und einer atem­be­rau­benden Offen­siv­taktik befreit Steffen Baum­gart den 1. FC Köln aus seiner ewigen Lethargie. Und auch für den Trainer endet in der Dom­stadt eine lang­jäh­rige Durst­strecke.

Einen guten Job machte zu Beginn auch das Trai­ner­team um Stefan Emmer­ling. Doch den drei Siegen aus den ersten vier Par­tien folgten ins­ge­samt 11 Spiele ohne Sieg. Emmer­ling musste wieder gehen, Scher­ning blieb. Und Steffen Baum­gart über­nahm. Die Ost­west­falen lagen auf einem Abstiegs­platz, was hatte der Sport-Club noch zu ver­lieren?