Seite 2: „Spring-heel Jack“ im Tor des Weltmeisters

Die erste Vier­tel­stunde ist nicht gerade geeignet, den eng­li­schen Hochmut ent­schei­dend ein­zu­dämpfen – nach nur 12 Minuten führt der Gast­geber durch zwei Treffer von Eric Brook und ein Tor von Ted Drake, beides natür­lich Spieler des FC Arsenal, mit 3:0. Nur eine fan­tas­ti­sche Parade des ita­lie­ni­schen Tor­hü­ters Carlo Cere­soli (der Guar­dian“ wird ihn später als a Spring-heel Jack with a splendid sense of anti­ci­pa­tion“ beschreiben) hat ver­hin­dert, das Brooke seinen Tor­reigen schon der in der ersten Minute eröffnen konnte – seinen Straf­stoß hatte Cere­soli meis­ter­haft über die Latte gelenkt.

Der Welt­meister schlid­dert einer rie­sigen Bla­mage ent­gegen und die zuvor wild jubelnden Tifosi auf den Rängen haben nicht wirk­lich Grund zu Annahme, dass ihre Mann­schaft das Spiel noch drehen kann. Zumal die Gäste seit der 10. Spiel­mi­nute mit nur 10 Mann wei­ter­spielen müssen – Mit­tel­feld­mann Luis Monti hat sich bei einem Zwei­kampf mit Tor­schütze Ted Drake den Fuß gebro­chen. 0:3, ein Spieler weniger, Weck­rufe genug für Ita­liens Fuß­baller, die dem Spiel nun aller­dings zu einer Wende ver­helfen sollen, die nicht überall auf Gegen­liebe stoßen wird. 

Beine in Fetzen

Jeden­falls nicht bei Eng­lands Kapitän Eddie Hap­good, dem sein Gegen­spieler die Nase bricht. Nicht bei Ray Bowden, dem der Knö­chel zer­treten wird. Nicht bei Ted Drake, dem ein Ita­liener so brutal in die Beine springt, dass der Mann­schafts­arzt beim abschlie­ßend Dinner gegen­über Jour­na­listen zur For­mu­lie­rung greifen wird, Drakes linkes Bein hinge quasi in Fetzen“. Und ganz sicher nicht bei dem Dop­pel­tor­schützen Eric Brooke, der sich bei einem Sturz den linken Arm rui­niert, vor allem auch des­halb, weil ein ita­lie­ni­schen Gegen­spieler dem ohnehin zer­schunde Gliedmaß noch einen saf­tigen Tritt ver­passt.

Zwar kommt der amtie­rende Welt­meister durch zwei Tore von Gui­seppe Meazza noch auf 2:3 heran und kann so auch mit sport­li­chen High­lights dienen, doch zweit­weise gleicht das Spiel mehr einer Mas­sen­kei­lerei denn einem Fuß­ball­spiel. Als Schieds­richter Olsen aus Schweden die Partie end­lich beendet, hat Eng­land den Ver­gleich gewonnen, doch fast die kom­plette Mann­schaft ist von der bru­talen Spiel­weise der Gäste geschä­digt. Abends, beim tra­di­tio­nellen Dinner der FA, gleicht der eng­li­sche Tisch einem Laza­rett. Die eng­li­sche Presse schäumt vor Wut, als Erster wird Kapitän Hap­good, der vor lauter dicken Pflas­tern auf der gebro­chenen Nase kaum spre­chen kann, befragt. Doch der Gen­tleman weiß seinen Ruf als fairer Sports­mann zu ver­tei­digen, erst seine Mit­spieler dik­tieren den Repor­tern die gewünschten Zeilen in die Blöcke: It was not a game of foot­ball, it was a battle.“ Der Battle of High­bury“ ist geboren.