Seite 3: Nie wieder gegen ein Team vom Kontinent!

Die Schlacht“ zwi­schen Eng­land und Ita­lien heizt anschlie­ßend tage­lang die eng­li­schen Gemüter an. Wäh­rend Ita­liens Fuß­baller für ihre uner­gie­bige, aber tap­fere Auf­hol­jagd in der Heimat als die Löwen von London“ gefeiert werden (ob die Spieler trotz der Nie­der­lage den angeb­lich von Mus­so­lini im Falle eines Sieges ver­spro­chenen Alfa Romeo bekamen, ist nie ganz geklärt worden), ent­brennt auf der Insel eine hef­tige Debatte dar­über, ob eine eng­li­sche Fuß­ball-Mann­schaft je wieder gegen ein Team vom Kon­ti­nent antreten soll. Zu grau­en­voll sei den Hütern von Fair­play und Erfin­dern des modernen Fuß­balls vor Augen geführt worden, wie ein natio­na­lis­tisch auf­ge­heiztes Team den schönen Sport mit wilden Tre­te­reien und ver­steckten Bos­haf­tig­keiten zer­störte. Dass Ita­liens Kicker nach dem Schluss­pfiff zudem den faschis­ti­schen Gruß in Rich­tung Tri­büne ent­sandt haben, macht die Sache natür­lich nicht besser. 

Die natio­nale Fuß­ball-Pro­mi­nenz schaltet sich ein. Clem Ste­phenson, ein ehe­ma­liger Aus­wahl­stürmer und 1934 Manager von Hud­ders­field Town, for­dert: Nie wieder soll Eng­land gegen ein Team vom Kon­ti­nent antreten!“ Der Guar­dian“ ana­ly­siert: That opi­nion, coming from a man of his renown as a player und manager, is not be dis­missed lightly, wha­tever may be said by those who feel that Eng­land should not renounce ist ´mis­sio­nary´ work in sprea­ding kow­legde of the game abroad.“ Und in der Tat wird es noch viele Jahre dauern, ehe auch die letzten Kri­tiker davon über­zeugt sind, Eng­lands Fuß­ball nicht nur in Eng­land spielen zu lassen.

Schon damals gibt es Ärger zwi­schen Ver­band und Ver­einen

Der Battle of High­bury“ hat aber auch eine ganz andere Dis­kus­sion zur Folge, in ihrer Ähn­lich­keit zu gegen­wär­tigen Strei­te­reien zwi­schen Ver­band und Ver­einen ver­blüf­fend. Weil näm­lich nicht wenige Natio­nal­spieler mit hart­nä­ckigen Ver­let­zungen zu ihren Klubs zurück­kehren (und teil­weise lange Zeit nicht spielen können), regt sich Wider­stand bei den besorgten Mana­gern der dezi­mierten Klubs. Die Zei­tungen zitieren a well-known club offi­cial“, dessen Name dann aber doch unge­nannt bleibt, mit den Worten: Wir stellen der Natio­nal­mann­schaft Spieler ab, die 6000 oder 7000 Pfund kosten, in sol­chen an sich unwich­tigen Par­tien aber nach wenigen Sekunden so schwer ver­letzt werden können, dass sie ein Leben lang dar­unter leiden.“ 

Es bleibt auch 1934 bei Dis­kus­sionen und klei­neren Strei­te­reien. Vor­erst hat der inter­na­tio­nale Fuß­ball sein wohl bru­talstes Län­der­spiel über­standen, die Schlacht von High­bury“ ist aller­dings ein böser Vor­bote der nahenden Kriegs­ge­fahr. Bevor Adolf Hitler 1939 den 2. Welt­krieg ent­facht, findet 1938 aber zunächst die dritte Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft statt. Sieger wird Ita­lien mit einem 4:2‑Endspielerfolg über Ungarn. Aus der 34er-Mann­schaft sind nur noch zwei Spieler im Kader. Eng­land nimmt auch an dieser WM nicht teil.