Robert Lewan­dowski
Wir lehnen uns wahr­schein­lich nicht zu weit aus dem Redak­ti­ons­fenster, wenn wir behaupten, dass Robert Lewan­dowski sicher­lich noch einige Male Gast in dieser Liste sein wird. Das liegt zum einen daran, dass der Pole geschätzte 30 Sai­son­tore schießen wird, zum anderen an der Art und Weise, wie Lewan­dowski netzt. Seinen ersten Treffer gegen die Frei­burger erzielte der Stürmer mit einem sahnig-wei­chen Lupfer aus dem Fuß­ge­lenk. Der Mann hat so viel Gefühl im Fuß, er könnte neben­be­ruf­lich als Uhr­ma­cher arbeiten und win­zige Schrauben in win­zige gol­dene Uhren­ge­häuse lupfen. Aber auch die gute alte Stür­mer­schule hat Lewan­dowski im Reper­toire. Eine Her­ein­gabe des ein­ge­wech­selten Hof­mann ver­wer­tete Lewan­dowski zum 4:0, indem er sein Bein um circa 160 Grad nach oben streckte und abstaubte. Eine Bewe­gung, bei der uns mit jeder Zeit­lupe ein wei­teres Band im Knie riss. Wer sein Bein derart stre­cken und dann auch noch treffen kann, der könnte wahr­schein­lich auch am New York City Bal­lett die Haupt­rolle tanzen oder sich mor­gens die Kaf­fee­tasse mit dem großen Zeh aus dem oberen Küchen­regal fischen. Ohnehin sind Technik und Beweg­lich­keit Lewan­dow­skis aller Ehren wert, bedenkt man, dass der Mann ja eigent­lich in einem bul­ligen Carsten-Jancker-Körper unter­wegs ist. 

Pierre-Eme­rick Aub­ameyang
Mit Pierre-Eme­rick Aub­ameyang findet sich direkt ein wei­terer Borusse in unserer Elf des Spiel­tags. Aller­dings nicht, weil Dort­munds Usain Bolt gegen Frei­burg mit Toren geglänzt hätte; tat­säch­lich ließ er einige gute Chancen liegen. Wir nehmen ihn auf, weil ihm das bunte Gru­sel­ka­bi­nett der Fuß­bal­ler­fri­suren eine wei­tere Attrak­tion ver­dankt. Gegen den Sport­club lief Aub­ameyang näm­lich mit einem seit­lich an den Schädel rasierten Batman-Zei­chen auf, die andere Kopf­seite zierte die 17, seine Rücken­nummer. Eine Frisur, so exzen­trisch, dass irgendwo in Bar­ce­lona Ney­mars Hah­nen­kamm erschlaffte und sich in trau­rigen Strähnen resi­gnie­rend zur Seite legte. Die Frage, die wir uns stellen ist aber: Warum Batman? Fei­erte Aub­ameyang seine Tore nicht einst mit Spider-Man-Maske? Und was kommt als nächstes? Rasiert er sich ein Superman‑S in die Brust­haare? Lässt er sich eine wall­hal­lende, blonde Mähne stehen, um sein Thor (*kicher­ki­cher*) zu beju­beln? Oder malt er sich grün an und feiert seine Treffer als der unglaub­liche Aub­ameyulk?

Ronny
Gut, dass es unter all den Mini-Chris­tiano-Ney­ma­rios noch ker­nige, boden­stän­dige Kicker gibt, die Back­steine barfuß aufs Sta­di­on­dach bolzen können und sich die Haare mit der Käse­reibe schneiden. Wie etwa Her­thas Ronny. Den wir aller­dings nicht aus fri­sur­li­chen oder gar sport­li­chen Gründen nomi­nieren, son­dern weil er uns am Samstag zeigte, dass selbst wenn man ein gut bezahlter, erfolg­rei­cher Pro­fi­sportler ist, irgendwo dar­unter noch das kickende Kind ver­steckt liegt, das belei­digt ist, wenn man ihm das Spiel­zeug weg­nimmt. Im Spiel gegen Mainz wollte Ronny so derart nicht aus­ge­wech­selt werden, dass man meinen konnte, er sei auf einer Wal­dorf­schule gewesen und würde nun spontan den Begriff belei­digte Leber­wurst“ tanzen: Er motzte, trabte lustlos zur Bank, motzte, warf seine Was­ser­fla­sche auf den Boden, motze noch ein wenig und schmollte schließ­lich. Auch dass seine Mann­schaft das Spiel anschlie­ßend noch drehte, konnte Ronny nicht beschwich­tigen, der beim kol­lek­tiven Tor­jubel nach dem 3:1 belei­digt auf der Bank sitzen blieb und dabei in etwa so fröh­lich aussah wie Thomas Strunz am Hoch­zeitstag der Effen­bergs. Aber immerhin: Ronny ver­zich­tete darauf, sich auf den Boden zu werfen und schreiend mit den Fäusten auf die Tar­tan­bahn zu trom­meln und beließ es beim Schmollen. 

Sami Allagui
Match­winner im Spiel gegen Mainz war also nicht Prinz Eisenfuß Ronny, son­dern der ein­ge­wech­selte Sami Allagui. Mit seinen zwei Toren ver­schärfte der Tune­sier die Krise der Mainzer, die ja unter der Woche bereits aus dem Pokal geflogen waren. Aus­ge­rechnet“, hieß es dann auch reflex­artig in der Bericht­erstat­tung, denn Allagui stand vor nicht allzu langer Zeit ja noch in Mainz unter Ver­trag. Pas­send dazu war schon das Pokal­spiel des FSV durch einen Treffer des Ex-Main­zers Marcel Risse ver­loren worden. Viel­leicht sollte man sich am Bruchweg mal Gedanken machen, auf welche Art und Weise man Bezie­hungen beendet und ob man das mit ein wenig mehr Fin­ger­spit­zen­ge­fühl hin­be­kommt, denn mehr Nega­tiv­erleb­nisse mit seinen Ver­flos­senen hatte in der Ver­gan­gen­heit höchs­tens noch Lothar Mat­thäus. 

David Abraham
Manchmal ist dieser Sport in der Tat sehr über­ra­schend und man merkt, wie falsch man den ein oder anderen Prot­ago­nisten bis­lang ein­ge­schätzt hat. Hof­fen­heims David Abraham kannten wir bisher nur als relativ hau­de­gigen Innen­ver­tei­diger, dessen vor­ran­giges Allein­stel­lungs­merkmal war, dass er der ein­zige aus dem bunten Blu­men­strauß Andreas-Mül­ler­scher Panik­käufe war, der sich tat­säch­lich irgendwie als taug­lich erwies. Am Samstag nun über­raschte uns Abraham, als er zum Frei­stoß schritt und den Ball nicht, wie wir gedacht hätten, wütend in die Kraich­gauer Misch­wälder drosch, son­dern ihn jun­in­hoesk über die Mauer hinweg ins Eck hob. Das war nicht unbe­dingt zu erwarten gewesen. Wenn Abraham im Anschluss noch einen dop­pelten Flick-Flack mit abschlie­ßendem Rück­wärts­salto als Jubel aus­ge­packt hätte, hätten wir uns wohl die Kinn­läden am Redak­ti­ons­boden blutig geschlagen. Aber auch so waren wir kurz davor.

Sven Schipp­lock
Herz­lich Will­kommen in jedem ein­zelnen Sai­son­rück­blick, der nächstes Jahr pro­du­ziert wird, Sven Schipp­lock. Dem Hof­fen­heimer Stürmer gelang gegen Schalke näm­lich das Kunst­stück, beim Stande von 3:3 in der Schluss­phase zunächst allein auf Keeper Hil­de­brand zuzu­laufen, ihn zu umkurven und anschlie­ßend wenige Zen­ti­meter vor der Linie den Ball noch zu ver­dödeln. Ein Fehl­schuss, so ekla­tant, dass Frank Mill zuhause vorm TV wahr­schein­lich gleich­zeitig einen Lach- und einen Wein­krampf bekam. Dumm gelaufen, denn wenn Schipp­lock den Ball nicht mit der Hacke am Ver­tei­diger hätte vor­bei­spit­zeln wollen, son­dern ihn ein­fach kom­pro­misslos über die Linie geprü­gelt hätte, wäre das wohl der Sieg gewesen, so blieb es beim Remis. Schon wenige Minuten zuvor war Roberto Fir­mino alleine auf das Schalker Gehäuse zuge­laufen und hätte den Sieg ein­tüten könen, er traf aber nur die Latte. Grö­ßere Chancen auf einen Dreier hat man höchs­tens noch auf einer von Hugh Hef­ners Playboy-Man­sion-Partys.

Marco Höger
Auch das Tor von Schalkes Marco Höger gehört in die Kate­gorie Über­ra­schung, denn Höger ist eher ein unauf­fäl­liger Spieler, der nur selten mal ein Tor schießt. Ande­rer­seits: Um im Schalker Mit­tel­feld zwi­schen all den Boa­tengs, Meyers und Drax­lers noch irgendwie auf­zu­fallen, müsste sich Höger wahr­schein­lich eine Clowns­maske auf­setzen und bei Anpfiff den Jay-Jay-Trick machen. Sein Tor zum 3:1 gegen Hof­fen­heim ver­dient des­halb beson­dere Erwäh­nung, denn es zeigte, dass Acker­gaul Höger auch richtig fein kicken kann. Getreu dem Motto: Wenn du nicht weißt, wohin mit dem Ball, dann hau ihn rein“, schnappte sich Höger die Kugel, wirkte ein wenig unent­schlossen, umkurvte ein paar Hof­fen­heimer und als sich ihm immer noch kein Mit­spieler bot, den er hätte anspielen können, holte er eben aus und hufte den Ball ins lange Eck. Auch hier folgte leider kein Jubel-Salto aber auch hier war das wahr­schein­lich besser so. 

Eljero Elia
Man kennt das noch aus der Schule: Man hat zwei Pro­blem­kinder in der Klasse, nennen wir sie mal exem­pla­risch Marko und Eljero, die nur Faxen im Sinn haben und den Unter­richt stören. Übli­cher­weise dauert es nicht lange und der Lehrer setzt die beiden aus­ein­ander, bald darauf herrscht Ruhe und siehe da: Wenn dem kleinen Eljero nicht ständig Flausen in den Kopf gesetzt werden, ist er ein ganz pas­sa­bler Schüler. Nun ist eine Fuß­ball­mann­schaft keine Schul­klasse aber mit Eljero Elia scheint es beim SV Werder ganz ähn­lich zu laufen. Dessen Buddy Marko Arn­au­tovic wurde unlängst nach Stoke trans­fe­riert, und da Elia nun nie­manden mehr hat, mit dem er nachts über die Auto­bahnen bret­tern und Poli­zisten anpö­beln kann, kon­zen­triert er sich eben auf seinen Job und spielt Fuß­ball. Und das sogar ziem­lich gut, wie am Sonntag zu sehen war, als Elia gegen Nürn­berg zwei Tore schoss. Eines davon sogar aus sage und schreibe 29 Metern. Na bitte, es geht doch!

Bas­tian Schwein­s­teiger
Die Bilanz der Wiesn liest sich Jahr für Jahr erschre­ckend. Zahl­lose Ver­letzte, Poli­zei­ein­sätze im Minu­ten­takt, Maß­krug­schlä­ge­reien – und nur die wenigsten Ver­gehen werden geahndet. Am Samstag nun wurde wieder einmal ein Übel­täter laufen gelassen. Ein 29 Jahre alter Münchner geriet in der Allianz-Arena in ein Gerangel mit einem bra­si­lia­ni­schen Tou­risten aus Wolfs­burg, im Ver­lauf der Aus­ein­an­der­set­zung schlug der etwa 1,80 große, im Wiesn-Trikot geklei­dete Münchner dem Opfer mit beiden Händen in den Nacken, wurde vom anwe­senden Ord­nungs­hüter aller­dings nur mit einer Ver­war­nung bedacht. Beob­achter sind sich sicher, dass diese Tät­lich­keit in anderen Regionen der Repu­blik härter geahndet worden wäre. Der Täter durfte aller­dings wei­ter­spielen, sein Team gewann mit 1:0. Bezeich­nend. 

Ibrahima Traoré
Stutt­garter sind in unserer Liste in dieser Saison Dau­er­gäste. Weil sie gefeuert werden, dop­pel­pa­cken, Elf­meter ver­schießen, sieb­zehn­jährig ihre Debüt­tore erzielen oder, wie im Falle von Ibrahima Traoré, 90 Minuten lang wie auf­ge­zogen über den Platz rennen. Beim 4:0 seiner Stutt­garter war der Mit­tel­feld­spieler der mit Abstand beste Mann auf dem Platz, machte ein Tor selber, berei­tete zwei wei­tere vor und zer­sä­belte die Ein­tracht-Abwehr so gna­denlos und so gekonnt wie Uma Thurman die Wilden 88 in Kill Bill. Wenn er jetzt noch ein wenig Kon­stanz in sein Spiel bekommt, gibt es nächste Woche viel­leicht ja eine Fort­set­zung. 

Hiroshi Kyotake
Als in der Som­mer­pause eng­li­sche Pre­mier-League-Klubs Inter­esse an Nürn­bergs Hiroshi Kiyotake hatten und bereit waren, tief in die öligen Porte­mon­naies ihrer Besitzer zu greifen, unkten wir im Trans­fer­ti­cker, ob der Japaner die vielen Kyot­a­cken denn wert sei. Im Spiel gegen Bremen nun zeigte der Regis­seur, was er alles kann und dass es durchaus markt­ge­recht wäre, seine Fahig­keiten gegen sehr viel Geld ein­zu­tau­schen. Zunächst zim­merte er eine Flanke unter das Tor­dach, mit einer Wucht, dass Sebas­tian Mie­litz wahr­schein­lich immer noch ein Pfeifton im rechten Ohr hört. Das dritte Nürn­berger Tor, zugleich das hoch­ver­diente 3:3, berei­tete Kyotake mit einem Schnitt­stel­len­pass ein, den er so non­cha­lant aus dem Fuß­ge­lenk schman­kerlte, dass dem Japaner nun ein Rechts­streit mit Uwe Bein droht. Wir möchten uns also für unser Geunke ent­schul­digen und sagen demütig: Wir würden die Kyot­a­cken sofort bezahlen. Wenn wir sie nur hätten.