Seite 3: „Ich bin bewusst bei Familie und Freunden geblieben"

Fin Bar­tels, Sie haben Sie in Ihrer Kar­riere bis­lang keinen Titel geholt, sind mehr­fach ab‑, aber nie auf­ge­stiegen. Wie viel zusätz­li­cher Ansporn ist die Aus­sicht auf den Pokal für Sie?
Ich würde auch den Auf­stieg nehmen. Der ist mir bis­lang nicht ver­gönnt gewesen, da haben Sie schon recht. Aber sind wir ehr­lich: Wer träumt nicht von einem Pokal­sieg? Aller­dings stehen uns da noch zwei rie­sen­große Hürden bevor. Und wenn es am Ende eines von beiden würde, ist es immer noch eine extrem erfolg­reiche Saison für uns.

Was würde Ihnen denn mehr bedeuten? Der Auf­stieg oder der Pokal­sieg?
Der Pokal­sieg wäre natür­lich ein­malig.

Welche Rolle spielen Titel in Ihrer Kar­riere?
Jeder Fuß­baller träumt von Titeln. Aber man muss sich und seine Fähig­keiten ja auch rea­lis­tisch ein­schätzen. Und da weiß ich eben, dass es bei mir nicht für Bayern oder Dort­mund gereicht hat. So ehr­lich sollte man schon zu sich sein. Den­noch hatte ich auch mit Werder zwei, drei Jahre, in denen wir von Europa geträumt haben. Das waren dann Ziele, die ich gerne erreicht hätte. Und jetzt ist mein Ziel eben nicht die Deut­sche Meis­ter­schaft, son­dern der Auf­stieg und das Pokal­fi­nale.

Wenn man Ihre Kar­riere ver­folgt, könnte man den Ein­druck gewinnen, dass Ihnen Dinge wie Hei­mat­ver­bun­den­heit wich­tiger sind als Titel. Schließ­lich haben Sie Ihr gesamtes Fuß­bal­ler­leben in Nord­deutsch­land ver­bracht.
In der B‑Jugend hieß es: Wenn du etwas errei­chen willst, musst du weg aus Kiel. Es gab damals Ange­bote von anderen Ver­einen. Ich habe mich aber bewusst dafür ent­schieden, zuhause bei meinen Freunden und meiner Familie zu bleiben. Dass ich dann auch im Pro­fi­be­reich immer im Norden geblieben bin, war tat­säch­lich eher Zufall. Da kann man sich schließ­lich nicht immer alles aus­su­chen. Das Angebot von Ros­tock kam, als wir mit Kiel in die vierte Liga abge­stiegen sind, wäh­rend Hansa gerade in die Bun­des­liga auf­ge­stiegen war. Da habe ich natür­lich sofort zuge­sagt. Die Ange­bote meiner nach­fol­genden Ver­eine kamen dann immer so früh­zeitig und waren so pas­send, dass ich rechts und links davon gar nicht weiter geguckt habe. St. Pauli und Werder sind schließ­lich geile Ver­eine. Da musste ich nicht lange über­legen. Und jetzt eben wieder zurück in der Heimat. Es war immer der pas­sende Schritt in dem jewei­ligen Moment.

Ich hatte immer im Hin­ter­kopf, dass sich mit einer Rück­kehr nach Kiel der Kreis schließen würde. Hier hat alles begonnen, hier ist meine Heimat“

Ihr Co-Trainer Fabian Boll sagte kürz­lich bei uns im Inter­view, dass der Verein Glück gehabt hätte, dass Kiel Ihre Hei­mat­stadt ist. Sonst wäre es schwierig geworden, Sie zu bekommen.
Für mich war klar: Wenn die Signale in Bremen so sein sollten, dass man dort nicht mehr mit mir plant, möchte ich zurück nach Kiel. Ich hatte immer im Hin­ter­kopf, dass sich damit der Kreis schließen würde. Hier hat alles begonnen, hier ist meine Heimat. Hier noch einmal ver­nünftig Fuß­ball zu spielen, das ist für mich etwas Roman­ti­sches. Ich denke, bis­lang hat sich dieser Gedanke für beide Seiten aus­ge­zahlt.

Haben Sie als Nord­licht eigent­lich Schwie­rig­keiten, wenn Sie in anderen Regionen von Deutsch­land unter­wegs sind?
Nein, gar nicht. Aber ich bin nach jedem Aus­wärts­spiel oder Urlaub schon jedes Mal froh, wenn ich wieder zuhause bin, bei meiner Familie und meinen Freunden.

Was ver­binden Sie mit dem Norden?
Den Strand und das Meer, die Förde. Ich glaube, es gibt im Sommer nicht viel schö­nere Orte. Im Winter könnte es manchmal etwas heller und weniger windig und reg­ne­risch sein. Es ist aber auch die boden­stän­dige, ruhige und beson­nene Art der Men­schen, die mir sehr gefällt. Und die ich, glaube ich, auch inne­habe. Des­wegen fühle ich mich hier sehr gut auf­ge­hoben.

Fin Bar­tels, zum Abschluss: Nach Ihrem Traum-Pokal­fi­nale müssen wir Sie wahr­schein­lich nicht fragen, oder?
Ne, das ist tat­säch­lich mehr als klar. Wenn ich ehr­lich bin, habe ich es mir in jeder Runde gewünscht. Ein Finale gegen Werder wäre natür­lich das ganz große Los. Aber dafür steht uns beiden noch eine rie­sige Hürde bevor.