Seite 2: „Was gibt es Schöneres, als alle drei Tage zu spielen?"

Aller­dings müssen Sie die Spiele in sehr kurzer Zeit absol­vieren.
Wir müssen es so sehen: Spiele machen immer mehr Spaß als Trai­ning. Was gibt es also Schö­neres, als alle drei Tage zu spielen?

Sehen Ihre Kno­chen das genauso? Sie sind mitt­ler­weile immerhin 34 Jahre alt.
Wie mein Körper es mit­macht, werde ich sehen. Die eng­li­schen Wochen haben ja gerade erst begonnen. Ich glaube aber nicht, dass ich alle Spiele über 90 Minuten machen werde. Das wird selbst bei den jün­geren Spie­lern nicht so sein. In dieser Phase wird jeder gebraucht. Um dieses Pensum absol­vieren zu können, werden wir viel rotieren müssen.

Bleibt zwi­schen den Spielen über­haupt noch Zeit für Trai­ning oder geht es nur noch um Rege­ne­ra­tion?
Ich denke, das Trai­ning wird sehr dosiert statt­finden. Und die wenigen Ein­heiten, die wir absol­vieren, werden ver­mut­lich recht tak­tisch, um sich auf den nächsten Gegner vor­zu­be­reiten. Richtig inten­sive Trai­nings­ein­heiten wird es in dieser Saison wohl nicht mehr geben.

Den Zeit­punkt, drü­ber­zu­färben, habe ich ver­passt“

Fin Bartels über seine grauen Haare

Ihr Trainer Ole Werner ist zwei Jahre jünger als Sie. Spielt das für Sie eine Rolle?
Über­haupt nicht. Es gibt mitt­ler­weile so viele junge, hung­rige Trainer, die tak­tisch unheim­lich viel drauf­haben. Die strahlen allein schon durch ihre Kom­pe­tenz eine natür­liche Auto­rität aus. Das ist bei Ole Werner genauso.

Liegt es viel­leicht auch an seiner Frisur, die ihn etwas älter erscheinen lässt?
Für die anderen wirkt er damit viel­leicht etwas älter. Aller­dings lassen mich meine grauen Haare nun auch nicht unbe­dingt jünger aus­sehen.

Wann ist Ihnen eigent­lich auf­ge­fallen, dass Sie ergrauen?
Das ging bei mir schon relativ früh los, mit Anfang, Mitte 20. So richtig fällt es mir aber immer erst auf, wenn ich dann mal beim Fri­seur bin. Was ja in letzter Zeit auch nicht allzu häufig der Fall war. Wenn da die hellen Haare auf den schwarzen Umhang fallen, wird mir bewusst, wie viel das tat­säch­lich geworden ist. Aber ich bin froh, dass ich über­haupt noch Haare habe. Vater gar keine mehr, Mutter grau – da bin ich froh, dass ich nach meiner Mutter komme.

Müssen Sie sich in der Mann­schaft häufig Sprüche des­wegen anhören?
Klar. Da habe ich mitt­ler­weile alles gehört. Aber da stehe ich drüber. Außerdem habe ich den Zeit­punkt, drü­ber­zu­färben, irgend­wann ver­passt. Das wäre jetzt ja nur noch pein­lich.

Fotostrecke: Die Karriere von Fin Bartels

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Obwohl er noch für die A‑Jugend auf­laufen dürfte, debü­tiert Fin Bar­tels im November 2005 für Hol­stein Kiel in der damals dritt­klas­sigen Regio­nal­liga Nord.

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Als die Störche in die Viert­klas­sig­keit absteigen, wech­selt Bar­tels im Sommer 2007 zum Bun­des­liga-Auf­steiger Hansa Ros­tock.

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Sein erstes Bun­des­li­gator erzielt er per Fall­rück­zieher gegen Arminia Bie­le­feld. Den­noch steigt er mit Hansa gleich zweimal ab.

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Im Sommer 2011 geht es für Bar­tels zum FC St. Pauli – und damit auch zurück in die erste Liga.

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Nächste Sta­tion im Norden: Nach Aus­laufen seines Ver­trags bei St. Pauli wech­selt Bar­tels zu Werder Bremen.

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Im Sommer 2020 kehrt er dann zu seinem Hei­mat­verein Hol­stein Kiel zurück.

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Und sorgt dort im Pokal für mächtig Furore. In der zweiten Runde müssen sogar die Bayern dran glauben. Bar­tels erzielt ein Tor in der regu­lären Spiel­zeit und ver­wan­delt den ent­schei­denden Elf­meter.

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Als wir Sie ein­gangs nach Ihren Erin­ne­rungen an Borussia Dort­mund gefragt haben, dachten wir übri­gens nicht, dass Sie aus­schließ­lich mit posi­tiven Dingen ant­worten würden. Immerhin haben Sie sich im Dezember 2017 dort die Achil­les­sehne gerissen.
Ich habe ver­sucht, das mit den posi­tiven Erin­ne­rungen zu ver­drängen. Aber das ist natür­lich auch ein Moment, der zu meiner Kar­riere gehört. Auch wenn es der wahr­schein­lich schwär­zeste war. Trotzdem wird das in meinem Kopf keine große Rolle spielen, wenn wir nach Dort­mund fahren.

Haben Sie in dieser Phase in Ihrer Kar­riere daran geglaubt, dass Sie noch einmal so zurück­kommen würden?
Geglaubt habe ich daran immer. Aber es gab leider viele Rück­schläge, die mich auch haben zwei­feln lassen. Es war ja nicht die ein­zige Ver­let­zung in dieser Zeit. Hinzu kamen eine Knie-OP und Mus­kel­ver­let­zungen, die mich immer wieder zurück­ge­worfen haben. Gerade als ich mich zurück­ge­kämpft hatte, kam der nächste Rück­schlag. Das war frus­trie­rend. Gleich­zeitig habe ich gemerkt: Wenn ich denn fit bin, ist kör­per­lich auf jeden Fall noch genug im Tank. Des­halb musste ich es nur schaffen, gesund zu bleiben und in einen ver­nünf­tigen kör­per­li­chen Zustand zu kommen. Den habe ich jetzt. Ich konnte die kom­plette Vor­be­rei­tung absol­vieren, regel­mäßig trai­nieren und spielen. Jetzt bin ich froh, dass ich fit und gesund bin – und dadurch wieder ver­nünftig kicken kann.

Wie haben Sie es geschafft wieder voll­ständig fit zu werden? Haben Sie etwas geän­dert? Die Ernäh­rung umge­stellt?
(Lacht.) An der Ernäh­rung wird es jeden­falls nicht gelegen haben. Die war schon immer ein Schwach­punkt bei mir. Ich esse gerne mal etwas Süßes. Cola, Chips, Scho­ko­lade. Da kann ich nur schwer wider­stehen.

Machen Sie sonst etwas anders?
Früher bin ich ein­fach aufs Feld, habe ein paar Mal aufs Tor geknallt und bin dann anschlie­ßend runter, als wäre nichts gewesen. Das funk­tio­niert heute nicht mehr. Beim Trai­ning mache ich jetzt deut­lich mehr: Ich bereite mich besser auf die Ein­heiten vor, bereite sie auch nach. Wenn die Hüfte mal wieder etwas hakt, absol­viere ich zusätz­liche Übungen mit dem Ath­le­tik­trainer. Aber das mache ich eben alles, weil ich wei­terhin Bock habe, Fuß­ball zu spielen.

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Schock­mo­ment: Im Dezember 2017 reißt sich Bar­tels gegen Borussia Dort­mund die Achil­les­sehne.

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