Fin Bar­tels, am Samstag treffen Sie mit Hol­stein Kiel im DFB-Pokal-Halb­fi­nale auf Borussia Dort­mund. Welche Erin­ne­rungen haben Sie ans West­fa­len­sta­dion?
Es ist ein geiler Verein. Die Spiele in Dort­mund waren immer abso­lute High­lights. Gerade mit Werder hatte ich gegen den BVB sogar einige Erfolgs­er­leb­nisse. Von daher ist es eine Mann­schaft, gegen die ich sehr gerne spiele – auch wenn die Kulisse am Samstag natür­lich nicht so beein­dru­ckend sein wird wie sonst.

Erwarten Sie ein ähn­li­ches Spiel wie in der zweiten Runde gegen Bayern Mün­chen?
Sind wir ehr­lich: Um so etwas wie gegen die Bayern zu wie­der­holen, muss wieder alles zusam­men­kommen: Wir müssen absolut ans Limit gehen und Dort­mund einen viel­leicht nicht ganz so guten Tag erwi­schen. Dann ist etwas mög­lich. Aber wir glauben daran.

Wie wollen Sie die Partie angehen?
Mutig. Wir dürfen uns nicht ein­igeln, son­dern müssen Dort­mund auch selbst vor Pro­bleme stellen. Ich habe schon einige Spiele erlebt, in denen wir gegen Dort­mund oder Bayern hinten drin standen und uns am Ende dann doch sechs Stück gefangen haben. Es geht darum, sie zu beschäf­tigen. Auch Dort­mund spielt gerne nach vorne. Jeden­falls viel lieber, als dass sie hin­ter­her­laufen. Wenn sich Räume bieten, wollen wir die nutzen. Das geht nur, wenn wir mutig spielen und den Ball nicht jedes Mal nur hinten raus schlagen. Wir werden ins Risiko gehen müssen, viel­leicht sogar in Bereiche, in die wir in der Liga manchmal nicht gehen. Da wit­tern wir unsere Chance

Gegen die Bayern und Darm­stadt haben Sie sich im Elf­me­ter­schießen durch­ge­setzt. Spe­ku­lieren Sie auch gegen Dort­mund darauf?
Wenn man das Pokal­spiel iso­liert betrachtet, würde ich sagen: Wir machen es wieder so. Aller­dings haben wir ja noch ein paar andere Spiele vor der Brust. Da wären 120 Minuten natür­lich elend lang. Aber wir nehmen es, wie es kommt. Wenn es ein geiler Fight wird und wir im DFB-Pokal-Halb­fi­nale in Dort­mund über 120 Minuten gehen müssen, dann würde ich das auch sofort unter­schreiben – um dann im Elf­me­ter­schießen zu sehen, was pas­siert.

Vor dem Spiel gegen die Bayern hat Ihr Tor­wart­trainer Patrik Borger für Ihre Tor­hüter ein Dos­sier über jeden Münchner Schützen vor­be­reitet. Haben Sie sich schon mit Marwin Hitz beschäf­tigt?
Nö. Ich habe mich aber auch mit den anderen Kee­pern nicht beschäf­tigt. Ich schieße ja auch gar nicht so häufig Elf­meter. Gegen Bayern und Darm­stadt musste ich jeweils als sechster Schütze ran. Mal sehen wie es dieses Mal wird.

„Die zweite Qua­ran­täne hat uns noch enger zusam­men­wachsen lassen“

Beson­ders viel Zeit, sich vor­zu­be­reiten hatten Sie nicht. Erst am ver­gan­genen Wochen­ende endete die fast drei­wö­chiger Qua­ran­täne-Pause für Sie mit einem 3:1‑Sieg gegen Osna­brück. Wie lief der Restart aus Ihrer Sicht?
Erstaun­lich gut. Ich denke, man hat gemerkt, dass wir wieder große Lust auf Fuß­ball hatten. Die Freude, wieder kicken zu dürfen, war riesig.

Für Hol­stein Kiel war es bereits die zweite Qua­ran­täne binnen weniger Wochen. Wie frus­triert waren Sie, als Sie erfahren haben, dass Sie sich wieder iso­lieren müssen?
Natür­lich haben wir damit geha­dert, das zweite Mal binnen weniger Wochen nur zuhause sitzen zu können. In so einer Phase gibt es dann auch mal ein Tief, wenn man schon wieder alleine zuhause vor dem Fern­seher trai­nieren muss. Da gab es schon Momente, in denen ich mich gefragt habe: Wofür mache ich den Kram hier eigent­lich? Umso glück­li­cher sind wir, jetzt wieder draußen sein zu dürfen. Und dann gibt so ein posi­tiver Start, wie wir ihn hatten, natür­lich nochmal einen Schub für das Selbst­ver­trauen.

Nach der letzten Zwangs­pause gab es direkt zwei Nie­der­lagen. Was läuft dieses Mal anders?
Die zweite Qua­ran­täne hat uns noch enger zusam­men­wachsen lassen. Wenn man vier von sechs Wochen nur zuhause trai­nieren kann, gibt es natür­lich Defi­zite in man­chen Berei­chen. Des­halb müssen wir nun noch mehr über den Willen kommen. Wir wollen uns hin­terher nicht vor­werfen lassen, die Flinte ins Korn geworfen zu haben.

Wie schafft man es denn, in der Qua­ran­täne zusam­men­zu­wachsen, wenn man sich höchs­tens in ein paar Video­schalten sieht?
Das ist vor allem pas­siert, als wir wieder zusammen auf dem Platz standen. Da hat man wirk­lich jedem ein­zelnen die Freude dar­über ange­sehen. Wir sind ein guter Haufen, der gerade auch so eine Situa­tion meis­tern kann.

Wäh­rend Sie in der Qua­ran­täne waren, konnten die anderen Mann­schaften in der Liga teil­weise davon­ziehen. Sie haben nun ein paar Spiele in der Hin­ter­hand, um den Vor­sprung wieder auf­zu­holen. Ein Vor­teil?
Zusehen zu müssen, wie die anderen davon­ziehen, wäh­rend man selbst nur auf der Couch sitzen kann, war schon eklig. Aber jetzt macht der Blick auf die Tabelle Mut, weil wir sehen: Es gibt noch ein paar Spiele, die wir auf einige Mann­schaften in der Hin­ter­hand haben. Und zu wissen, wo wir stehen können, wenn wir die gewinnen, spornt natür­lich enorm an.