Seite 2: „Dreieinhalb Stunden Schlaf? Mir hat das gereicht“

Aber Sie hatten auch eine Schul­mann­schaft. Und mit der wurden Sie 2011 Deut­scher Meister. Der Spieler, der damals das Siegtor machte, Sebas­tiano Nappo, spielt seit diesem Sommer in der Zweiten des FCA. Es war ver­mut­lich kein Wechsel aus sen­ti­men­talen Gründen?
Nein, Sebas­tiano hat im letzten Jahr in Heim­stetten viele Tore erzielt und ist ein richtig guter Spieler. Er ist ja auch nicht der ein­zige ehe­ma­lige Schüler von mir, der inzwi­schen bei uns in Augs­burg auf­ge­schlagen ist.

Der bekann­teste dürfte Philipp Max sein, der mal gesagt hat, Sie hätten ihn immer beim Spi­cken erwischt.
Tim Rieder, den wir jetzt nach Darm­stadt aus­ge­liehen haben, war in meiner Klasse. Moritz Leitner war auch mein Schüler.

Ver­folgen Sie die Lebens­wege Ihrer ehe­ma­ligen Schütz­linge? Nur die wenigsten werden ja Profi geworden sein. 
Ja, absolut. Ich schaue mir ja regel­mäßig die Ama­teur­klassen an, und da begegnet man schon einigen von ihnen.

Sie meinen, Sie schauen sich die Ergeb­nisse an. Oder tat­säch­lich die Spiele?
Die Spiele. Ges­tern war ich bei einem Pokal­spiel zwi­schen einem Bay­ern­li­gisten und einem Regio­nal­li­gisten. In einer Mann­schaft waren fünf Spieler, die ich mal begleitet habe – zwei als Schüler, drei als Fuß­baller. Manchmal sind die Ver­eine über­rascht, dass ein Bun­des­li­ga­trainer bei ihnen vor­bei­schaut, aber ich möchte den Bezug zur Regio­na­lität und zu den Leuten nicht ver­lieren, die ich in den klei­neren Klubs kenne. Außerdem sieht man auch in den unteren Klassen das eine oder andere, was inter­es­sant ist.

Eigent­lich über­rascht es nicht, dass Sie sich in Ihrer Frei­zeit Ama­teur­spiele anschauen. Sie gelten als jemand, der enorm viel arbeitet. So waren Sie schon wäh­rend Ihrer Tätig­keit als Lehrer nebenbei Trainer in Unter­ha­ching.
Der Höhe­punkt war eigent­lich vor Unter­ha­ching. So um 2009 herum hatte ich ein volles Deputat an der Schule, habe Starn­berg in der Bezirks­ober­liga trai­niert und war auch noch Tor­wart­trainer bei Sechzig. Bei Haching hatte ich dann nur noch zwei Jobs, aber das hat auch gereicht.

Wir ersparen uns an dieser Stelle jeden Witz über die Frei­zeit von Leh­rern – aber wie geht das rein zeit­lich? Neben der nor­malen Prä­senz muss man ja Dinge auch noch vor- und nach­be­reiten. 
Vieles hat sich zwi­schen zehn Uhr mor­gens und drei in der Früh abge­spielt. Vor allem, was die Fuß­ball­vor­be­rei­tung betrifft. Im Lehr­be­reich kriegt man schnell eine Rou­tine. Nehmen wir die Sport­bio­logie und den Aufbau des Her­zens. Das Organ ver­än­dert sich nicht, wenn du also einmal die Stunde gut vor­be­reitet hast, kannst du darauf immer zurück­greifen.

Wann beginnt denn in Bayern die Schule?
7.50 Uhr war Schul­be­ginn. Um 6.30 Uhr bin ich auf­ge­standen.

Macht drei­ein­halb Stunden Schlaf. Pro Tag.
Damals hat mir das gereicht. (Lacht.)

Die zwei Jobs zur Ihrer Hachinger Zeit scheinen dann doch nicht genügt zu haben, denn seit damals sind Sie auch Tak­tik­ex­perte bei den Cham­pions-League-Über­tra­gungen von Sky.
Heute aber etwas abge­speckter als 2014, als ich dort anfing. Ich betrachte es als Fort­bil­dung, weil ich mich mit inter­na­tio­nalen Mann­schaften beschäf­tigen muss. In der letzten Saison war es so, dass ich ein oder zwei Sachen, die mir bei der Ana­lyse auf­ge­fallen sind, tat­säch­lich hier beim FCA ein­bauen konnte.

Wie kam es zu diesem Nebenjob?
Einmal im Jahr gibt es eine Fort­bil­dung für die Sky-Mit­ar­beiter. Frank Wormuth, damals Chef­aus­bilder beim DFB, refe­rierte 2014 über Taktik. Im Nach­gang haben sie ihm gesagt, dass sie ihr Ana­ly­se­team um Erik Meijer aus­bauen möchten und jemanden suchen, der gut im tak­ti­schen Bereich ist. Ich machte gerade meinen Fuß­ball­lehrer bei Wormuth, da hat er mich emp­fohlen.