Her­bert Fandel, glaubt man der Sta­tistik, war Jens Nowotny der unfairste Spieler, den es je in der Bun­des­liga gab …

Her­bert Fandel: Moment! Laut Sta­tistik hat er die meisten Platz­ver­weise aller Bun­des­li­ga­spieler, das stimmt. Doch Jens Nowotny des­wegen als unfairen Treter zu bezeichnen, ist der fal­sche Schluss. Zumal er durchaus auch tech­ni­sche Fähig­keiten hatte. Im Spiel hat er eben oft seine Grenzen aus­ge­lotet, und auch, wenn es hoch her­ging, seinen Spiel­stil selten geän­dert.

Jens Nowotny:
Vor einigen Monaten wurde ich in eine Fern­seh­sen­dung ein­ge­laden, wo man mit mir meine acht Platz­ver­weise ana­ly­sierte. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass ich viermal berech­tigt und viermal unbe­rech­tigt vom Platz gestellt wurde. In dieser Sen­dung wurde aller­dings auch das Dilemma deut­lich, denn jeder, der sich die Situa­tionen in den Wie­der­ho­lungen ansah, hatte eine andere Mei­nung – trotz Super­zeit­lupe.



Auf Ihre Platz­ver­weise reagierten Sie zumeist sehr besonnen. Das Lamen­tieren über­ließen Sie anderen. Wieso?

Nowotny: Wurde jemals eine Ent­schei­dung auf­ge­hoben, weil sich ein Spieler laut­stark beklagte?

Viele Spieler glauben jeden­falls daran. In dem Film Profi“ sieht man Paul Breitner unun­ter­bro­chen mit den Schieds­rich­tern reden.

Fandel: Und das ist keine Aus­nahme. Es gibt immer noch viele Spieler, die sind …

Nowotny: … sehr kon­takt­freudig.

Fandel: (lacht) Genau. Als junger Schieds­richter konnte ich damit nicht umgehen. Ich hatte wohl noch zu wenig Per­sön­lich­keit, zu wenig Auto­rität. Die Akzep­tanz bei den Spie­lern fehlte, viel­leicht weil ich zu uner­fahren war. Damals hatte ich nur eine Chance: Knall­hart die Regeln aus­legen.

Jens Nowotny, gab es zu Ihrer Lever­ku­sener Zeit Spieler, die im steten Wort­ge­fecht mit dem Schieds­richter standen?

Nowotny: Ich weiß nicht, ob Michael Bal­lack so einer war …

Fandel: Aber selbst­ver­ständ­lich! (lacht) Bal­lack ist ein großer Spieler, zwei­fels­ohne. Aber er war immer einer, der von der ersten Minute an Kon­takt zu mir suchte. Der ist stets sofort an die Schieds­richter ran und hat sie voll gequatscht. Viel­leicht fühlen sich die Spieler damit besser. Den Schieds­rich­tern macht es die Spiel­lei­tung indes nicht leichter.

Nowotny: Jetzt, da Sie es sagen: Im Cham­pions-League-Hin­spiel Chelsea gegen Bar­ce­lona hat man das auch deut­lich gesehen. Viel­leicht fühlte Bal­lack eine beson­dere Ver­bin­dung zum Schieds­richter Wolf­gang Stark, weil dieser auch Deut­scher ist.

Herr Fandel, erleben Sie es oft, dass sich Spieler oder Trainer bei Ihnen ent­schul­digen, weil sie in bestimmten Situa­tionen die Con­ten­ance ver­loren?

Fandel: Ja. Und ich finde es beson­ders schön, wenn sich Spieler nach Nie­der­lagen für das Spiel bedanken – oder gar für den einen oder anderen Aus­raster ent­schul­digen. Beim letzten Bayern-Spiel unter Jürgen Klins­mann habe ich eine solche Erfah­rung gemacht.

Nowotny:
Mit wem?

Fandel: Mit einem Spieler, von dem man es nicht erwartet – mit Mark van Bommel. Kennen Sie ihn per­sön­lich?

Nowotny:
Nein.

Fandel: Sen­sa­tio­nell. Ich kenne ihn ja von früher, von inter­na­tio­nalen Spielen. Wir hatten bis dahin keine Berüh­rungs­punkte außer­halb des Platzes. Nach dem Spiel gegen Schalke, in dem er sehr aggressiv spielte und von mir ver­warnt wurde, kam er zu mir in die Kabine …


Das ganze Inter­view findet Ihr in 11 FREUNDE #91, ab 28. Mai im Handel.


gewinnen
5 x 2 Ein­tritts­karten zur Preview/​Premiere von Spiel­ver­derber“
Georg Non­nen­ma­cher ist immer mit­ten­drin: Ob bei der Schiedsrichterprüfung für Neu­ling Kevin oder beim Spit­zen­spiel vor 80 000 im West­fa­len­sta­dion. Selbst als Her­bert Fandel seine Kol­legen vor dem BVB­Schwal­ben­könig Gam­bino warnt („Der fällt gerne“), schalten die Kameras nicht ab. Eine tiefgründige Doku­men­ta­tion. Und zu Recht preis­ge­krönt. Auf­ge­passt! Wir ver­losen 5 x 2 Ein­tritts­karten für die Pre­view in Berlin, Kino Babylon Mitte, am 5. Juni um 20 Uhr und 5 x 2 Ein­tritts­karten für die offi­zi­elle Pre­miere (in Anwe­sen­heit der Regis­seure Georg Non­nen­ma­cher und Hen­ning Drechsler, sowie Haupt­dar­steller) in Köln, Kino Rex am Ring Licht­spiele, am 11. Juni um 19.30 Uhr. For­dert euer Glück heraus mit einer Email an spielverderber@​11freunde.​de.