Mode­er­schei­nungen sind lästig, aber unum­gäng­lich. Jeans­mäntel, Glu­ten­un­ver­träg­lich­keiten, das Arsch­ge­weih – man muss damit leben. Im 19. Jahr­hun­dert schnürten sich die Frauen ihre Taille wes­pen­gleich ab, dass Medi­ziner als Folgen Ohn­machts­fälle und Ver­let­zungen der inneren Organe notierten. Ganz so nega­tive Aus­wir­kungen hat der gras­sie­rende Trend inter­na­tio­naler Ball­jungen nicht – noch nicht.

Denn: Die Ball­jungen kommen ein­fach ihrer Arbeit nicht nach.

Am gest­rigen Abend war wieder ein beson­ders arbeits­scheues Exem­plar in Rom beim Dienst zu beob­achten. Der AS Rom führte im Cham­pions-League-Ach­tel­fi­nale mit 1:0 und wäre auf­grund der Aus­wärts­tor­regel weiter, solange Schachtjor Donezk kein Tor schießen würde. Als der Ball kurz vor Schluss die Sei­ten­linie über­querte, tat aber der Junge am Rand ganz so, als wüsste er gar nicht, was um ihn herum pas­siere. Dass der Ball seinen Fuß berührte und er ein zweites Spiel­gerät in der Hand hielt, störten ihn des­halb nicht seinen Spa­zier­gang Rich­tung Eck­fahne fort­zu­setzen.

Zei­chen ans Ehrenamt

Als Schacht­jors Facundo Fer­reyra auf den frei­wil­ligen (Nicht-)Helfer zulief, den Ball aus der Hand riss und den Ball­jungen mit einem Ell­bo­gen­schlag über die Bande wuch­tete, war der Auf­schrei gleich groß. Unglaub­lich und nur die Gelbe Karte. Fal­sches Zei­chen ans Ehrenamt. Und über­haupt.

Dabei muss man doch mal, abseits aller Ver­ur­tei­lung kör­per­li­cher Gewalt, sagen wie es ist: Ball­jungen sollen den Ball ein­werfen. Dass das – dem Heim­vor­teil sei Dank – auch mal ein Atemzug länger dauern darf, ist unbe­stritten. Den Gegner aber kom­plett zu igno­rieren, den Ball weg­zu­werfen und sich anschlie­ßend zu beschweren, dass es rup­piger wurde, ist nicht die feine Art. Und kommt mitt­ler­weile viel zu oft vor.

Berufs­ge­nos­sen­schaft der Ball­jungen

Denn Liste der Aus­ein­an­der­set­zungen zwi­schen Spie­lern und Ball­jungen ist in den letzten Jahren enorm ange­wachsen. Eden Hazard, der den auf den Boden und Ball lie­genden Helfer trat. Oder Han­no­vers Ball­junge, der den Ball über Stutt­garts Jens Leh­mann warf, als ihm dieser ent­ge­gen­sprin­tete. Leh­mann beklagte anschlie­ßend einen Kul­tur­ver­fall in der Bun­des­liga. Da machte es Cris­tiano Ronaldo ein­fa­cher, als der eine miese Aktion am Sei­ten­rand nur noch mit einem ungläu­bigen Lächeln quit­tierte.

Viel­leicht hilft es ja, wenn bald eine inter­na­tio­nale Berufs­ge­nos­sen­schaft der Ball­jungen auf die sach­kun­dige Aus­füh­rung der Tätig­keit achtet. Viel­leicht muss der Video­be­weis erwei­tert werden. Sperren. Kün­di­gungen. Oder Aus­wärts­tore zählen bald vier­fach.

Wer würde das schon wollen?