Wenn in einer Pres­se­er­klä­rung von einer ein­ver­nehm­li­chen Tren­nung“ die Rede ist, kann man getrost davon aus­gehen, dass etwas im Argen liegt. Martin Bader und der Auf­sichtsrat des 1. FC Nürn­berg sind zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Tren­nung die beste Lösung ist“, teilte der 1. FC Nürn­berg am Don­nerstag Abend mit, wenige Tage nach dem ersten Spiel der neuen Saison, das mit 3:6 in Frei­burg ver­geigt wurde.

Nun könnte eine Tren­nung so früh in der Saison ver­wun­dern – kein Auf­takt­match kann so schlecht sein, dass man sich spontan vom Sport­vor­stand trennen muss. Jedoch nicht beim Club. Seit Monaten schwelt eine Unzu­frie­den­heit am Valz­ner­weiher, die sich zuletzt mit Händen greifen ließ. Der unnö­tige Abstieg 2014, die ver­patzte letzte Saison, als deren Ziel Martin Bader den sofor­tigen Wie­der­auf­stieg“ aus­ge­rufen hatte, zuletzt die offen­sicht­lich man­gel­hafte Kader­zu­sam­men­stel­lung, die eine erneut schwie­rige Saison ahnen lässt – trotz der sport­li­chen Pro­bleme hätte Bader das 3:6 beim SCF wahr­schein­lich über­standen, wäre da nicht seine Nähe zu den Ultras.

Bader hat die Mann­schaft an die Ultras ver­kauft“

Denn was im Anschluss an das Spiel pas­sierte, dürfte ein Novum im deut­schen Fuß­ball sein. Auf Initia­tive der Fan-Betreuung und auf Baders Geheiß machte der Mann­schaftsbus auf der Heim­fahrt spät­abends noch an einer Rast­stätte halt. Dort war­teten bereits 250 Ultras, die die Mann­schaft zur Rede stellen wollten. Rund 40 Minuten mussten Kapitän Jan Polak, Guido Burg­staller und Thorsten Kirsch­baum mit den frus­trierten Fans dis­ku­tieren, bis der Mann­schaftsbus erst nach Mit­ter­nacht wei­ter­fuhr.

Eine unge­wöhn­liche Maß­nahme, zumal nach dem ersten Spiel. Dass Bader, der seit 12 Jahren beim FCN ist und mit dem Klub 2007 den DFB-Pokal gewann, mit dem Treffen der Auf­for­de­rung der Ultras nachkam, illus­triert die von vielen rund um den Club als pro­ble­ma­tisch ein­ge­schätzten Nähe Baders zu den Ultras. Bader hat die Mann­schaft an die Ultras ver­kauft“, schrieb ein erboster Fan im FCN-Forum, mit der ange­schlos­senen Frage, wer eigent­lich die wahren Herr­scher im Verein seien, wenn der Sport­vor­stand auf Geheiß der Fans springt.

Das Treffen sei laut Augen­zeugen zwar fried­lich gewesen, was der Dar­stel­lung der Fan-Betreuung ent­spricht, die betont, dass die Atmo­sphäre absolut fried­lich und kon­struktiv“ war. Den­noch dürfte das Sze­nario gerade auf die jün­geren Profis nicht eben ermun­ternd gewirkt haben. Gerade für die jungen Spieler war dieses Treffen schon sehr emo­tional, einige wirken noch immer ein­ge­schüch­tert“, sagte ein Spieler, der anonym bleiben wollte, der Bild“. Wir haben das über uns ergehen lassen“, biss sich Trainer Rene Weiler am Tag danach auf die Zunge.

In der Füh­rungs­riege des FCN hat Baders Ultra-Treffen das Fass wohl zum Über­laufen gebracht. Schon im Herbst 2014 hatte Bader keine glück­liche Figur abge­geben, als die Fans des FCN nach einer 0:3‑Niederlage die Spieler dazu zwangen, ihnen die Tri­kots aus­zu­hän­digen. So etwas darf nicht oft vor­kommen“, hatte der Sport­vor­stand damals beschwich­ti­gend gesagt. Der Kom­mentar der Ultras las sich ungleich deut­li­cher: Die Mann­schaft wurde nach dem Spiel auf­ge­for­dert ihre Tri­kots aus­zu­ziehen, denn die Spieler waren es heute nicht wert, den Verein zu ver­treten… Des­wegen kam es wohl auch zu keinen grö­ßeren Tur­bu­lenzen nach dem Spiel.“

Bereits nach der Trikot-Aktion im Herbst hatte Bader übri­gens über einen Rück­tritt nach­ge­dacht. Ja, ich mache mir auch über einen mög­li­chen Rück­tritt Gedanken. Die Ent­schei­dung über mein Schicksal treffe ich aber ganz allein und nie­mand anderes“, sagte er im Sep­tember 2014. Kein Jahr später muss er erkennen, dass er damit viel­leicht nicht ganz richtig lag.