Nach­barn – egal ob im Vil­len­viertel oder im Wohn­block – können tie­risch nerven. Sie sind viel zu spät viel zu laut, sie kochen Dinge, die mehr stinken als rie­chen und sie lassen ihre häss­li­chen Bäume erbar­mungslos in den geg­ne­ri­schen Vor­garten wuchern. Oder, noch viel schlimmer und im fran­zö­si­schen Teil der Pyre­näen offenbar ein schwer­wie­gendes Pro­blem: Sie schießen andau­ernd Bälle über den Zaun.

So geschehen auch am Wochen­ende, als die dritte Mann­schaft von Juillan am ersten Spieltag der Pre­mière Divi­sion auf Tarbes FC traf. Eigent­lich ein gewöhn­li­ches Spiel, Tarbes, mit neuem Trainer und voller Hoff­nung ange­reist, führte Mitte der zweiten Hälfte mit 2:1. Aber, wie das im Ama­teur­fuß­ball nun mal üblich ist: Nicht jeder Schuss fand seinen Weg ins Glück. Bezie­hungs­weise ins Tor.

Abbruch in der 65. Minute

Manche Ver­suche lan­deten im Sei­tenaus, andere gleich auf dem Nach­bar­grund­stück. Was wie­derum die Nach­barin – sowieso schon gefrustet von all den Bällen, die ihr übli­cher­weise beim Trai­ning und anderen Spielen um die Ohren fliegen – auf den Plan rief. Und ihr ganz per­sön­li­ches, men­tales Fass end­gültig zum Über­laufen brachte. Wes­wegen sie sich ihren Cam­ping­stuhl griff, auf den Sport­platz stapfte – und sich ent­schlossen in den Mit­tel­kreis setzte. So dass der Schieds­richter die Partie in der 65. Minute unter­bre­chen musste.

Dann wurde ver­han­delt. Es gab Kri­sen­ge­spräche, deren genaue Wort­laute uns leider nicht bekannt sind, jedoch liegt nahe, dass zwi­schen Beschwich­tigen, ans Gewissen appel­lieren und ordent­li­chen Schimpf­ti­raden auf die gesamte Palette der Ver­hand­lungs­kunst zurück­ge­griffen wurde. Ein­ziges Pro­blem: Die Frau ver­fügt über einen eisernen Willen. Und blieb ein­fach sitzen.

Was will die Frau?

Nach 45 Minuten Spiel­un­ter­bre­chung – so das offi­zi­elle Regle­ment in Frank­reich – ist der Schieds­richter dazu gezwungen, das Spiel abzu­bre­chen. Und so saß die Nach­barin diese 45 Minuten ohne Pro­bleme ab, immerhin hatte sie ein Buch und ihr Telefon dabei. Auch die geru­fene Polizei konnte sie nicht davon über­zeugen, das Feld zu räumen und selbst als der Rasen­sprenger ange­stellt wurde, als der Verein also zum letzten, zum ver­zwei­felten Ver­such griff, die Mini-Demo auf­zu­lösen, ließ sie sich nicht beirren. Bis der Schieds­richter die Partie tat­säch­lich auf­geben musste.

Was genau sie für die Zukunft for­dert (grö­ßeres Fang­netz? Abb­riss der Sport­an­lage? Wei­chere Bälle?), war da noch immer unklar. Doch besteht die Ver­mu­tung, dass es ihr womög­lich um ein noch lukra­ti­veres Geschäft als bisher geht. In der Ver­gan­gen­heit hatte sie immerhin drei bis vier Euro pro Ball, der bei ihr gelandet war, ein­kas­siert, wie ein Ver­eins­mit­glied erzählt. Sie sagt, es sei für sie ja Arbeit, die Bälle zurück­zu­geben.“

Arbeit, die jetzt auch auf den Regio­nal­ver­band zukommt. Bisher weiß dort näm­lich nie­mand, wie dieser Spiel­ab­bruch zu werten ist.