Es war ein bizarrer Moment am Mon­tag­abend in den Kata­komben von St. Denis, als Ema­nuele Giac­cherini im Kreise seiner Mit­spieler stand. 1,67 Meter inmitten von gestan­denen Spie­lern wie Leo­nardo Bonucci oder Giorgio Chiel­lieni und dem ewigen Gigi Buffon. Da hielt Giac­cherini auf Anwei­sung seines Trai­ners Antonio Conte die letzte Ansprache vor dem Spiel.

Ich habe ihnen gesagt, dass man mit Taktik nur bis zu einem bestimmten Punkt kommt. Wir aber brau­chen Herz“, erzählte der Ita­liener. Eine halbe Stunde später fand sein Frei­stoß von halb­links Chiel­lini und machte damit den Weg frei zum 2:0‑Sieg gegen Spa­nien. Herz siegte über Taktik.

Viel Herz, keine Milz

Dass Giac­cherini der­zeit in Frank­reich auf dem Platz steht, gleicht einem Wunder. Dass er über­haupt noch kickt auch. Mit 15 Jahren stieß er, damals ver­mut­lich schon so groß wie heute, in Bibbiena unglück­lich mit einem geg­ne­ri­schen Tor­wart zusammen. Unter Lebens­ge­fahr musste ihm anschlie­ßend die Milz ent­fernt werden. Giac­cherini spielte weiter – und musste fest­stellen, dass sich dafür eigent­lich nie­mand inter­es­sierte.

Im Trikot von AS Cesena spielte der 19-Jäh­rige in der dritten Liga. Und nicht einmal das: Auf Leih­basis tin­gelte er über die ita­lie­ni­sche Pro­vinz. Spielte mal beim Forlí FC, dann beim AC Bel­laria Igea Marina. Aus­ge­stattet mit einem Zweit­ver­trag in der ört­li­chen Fabrik, um über die Runden zu kommen. Herz­li­chen Glück­wunsch, will­kommen ganz unten.

Wie Danny de Vito in Woody-Allen-Filmen

Erst in der Saison 2008 sollte es etwas auf­wärts­gehen, wäh­rend sich Giac­cherini am Steuer eines Ford Fiesta (Stand: 300.000 km) zurück auf den Weg nach Cesena machte. Immerhin: Sein Berater, Furio Val­car­eggi, Sohn des ita­lie­ni­schen Euro­pa­meis­ter­schafts-Trai­ners von 1968, glaubte noch an ihn und auch der neue Trainer Pier­paolo Bisoli.

Ich war ein wenig wie Danny de Vito in diesem alten Woody-Allen-Filmen, war der Agent für nur einen ein­zigen Mann“, erin­nerte sich Val­car­eggi.

Und es ging vor­wärts: Cesena und Giac­cherini stiegen auf in die Serie B. Kurz danach in die Serie A. Das Urteil lau­tete in jedem Jahr für Verein und Spieler gleich: Nach meinem ersten Jahr sagten sie: Ja, gut gemacht, aber in der Serie B setzt du dich nicht durch. Nach dem zweiten Jahr: Ja, aber nicht in der Serie A.“

Nach der Anpas­sung seines Ver­trags kaufte ihm Val­car­eggi erst einmal einen neuen Audi.