Wäh­rend Lever­kusen-Fans wie jene im Pil­len­dreher-Blog nach dem 2:0‑Sieg gegen Wolfs­burg noch davon träumen, in einem »gigan­ti­schen Auto­korso« durch Köln zu fahren, herrscht bei den Fans von Karls­ruhe Ent­täu­schung. Die 1:4‑Niederlage gegen Hof­fen­heim war die fünfte Nie­der­lage in Folge, Karls­ruhe steckt inzwi­schen mitten im Abstiegs­kampf.



Ange­sichts dieser Ent­wick­lung stellt BlogC3 die Frage nach Aus­wegen aus der Misere und zieht ein pes­si­mis­ti­sches Fazit: »Was aber ändern? Soll Ede Becker, wie von den Fans gefor­dert, auf das in der Auf­stiegs­saison prak­ti­zierte 4 – 4‑2-System umstellen? Nach der fünften Nie­der­lage in Folge bzw. der sech­zehnten in diesem Jahr ist nur eines Gewiss: so kann es nicht wei­ter­gehen, so steigen wir ab. Wenn ich davon aus­gehe, in dieser Saison mit 38 Punkten sicher die Klasse halten zu können, benö­tigen wir in den kom­menden 23 Spiel­tagen (bei 12 Heim­spielen) noch 29 Punkte – rät­sel­haft, wie die Mann­schaft in der der­zei­tigen Ver­fas­sung das schaffen will.«

Beim Gegner Hof­fen­heim beschäf­tigt man sich statt­dessen vor allem mit den Spruch­bän­dern, die von KSC-Fans beim Spiel gezeigt wurden. »›Hof­fen­heim hat keine Fans, nur gedul­dete Kon­su­menten.‹ – stand da plötz­lich gegen­über zu lesen. Hoppla! Eine These. In Anbe­tracht des Spiel­stands und über­haupt des Spiels war Jovi­lität vor­handen. Sauber for­mu­liert, die Ansicht kann man ja mal äußern, man muss sie ja nicht teilen. Und im Ver­hältnis zu dem, was man sonst so auf Laken zu lesen bekommt, gera­dezu aka­de­misch.« Wenig über­ra­schend, dass das beim Aka­de­mi­schen Fan­club Hof­fen­heim gut ankommt.

Wenig gut kommt der­zeit Lukas Podolski bei den Bay­ern­fans an. Das zeigt sich allein daran, dass trotz des über­le­genen 3:1‑Sieges gegen Arminia Bie­le­feld viele Blogger sich mit dieser Per­so­nalie beschäf­tigen. Das här­teste Urteil spricht dabei Elma­rinho aus: »Völlig unmo­ti­viert, ohne Zug zum Tor oder sonstwo hin, geis­tige wie kör­per­liche Abwe­sen­heit. Ein Spieler, der meint, er könne mehr und sei bisher zu Unrecht auf der Bank gesessen, nutzt diese Chancen. Von ›sollen‹, ›müssen‹ oder sons­tigen Moda­li­täten will ich nichts mehr hören.«

Etwas opti­mis­ti­scher sieht das Fern­glas FCB in der Rück­schau auf ein Spiel ohne Lukas Podolski in der Startelf. »Keine Frage, diese Aktion waren den letzten zwei Par­tien des Ex- und Wunsch-Köl­ners geschuldet. 45 Minuten zum Nach­denken, die Lukas Podolski dann aber auch genutzt haben muss, denn in Halb­zeit Zwei kam er dann tat­säch­lich deut­lich bemühter ins Spiel, als in vielen Spielen zuvor.« Wäh­rend die Mei­nungen über den Stürmer aus­ein­ander gehen, ist der Grund­tenor aller Blogger gleich. Stell­ver­tre­tend zitieren wir Breit­nigge: »Alles ist noch drin. Herbst­meister oder erneuter Abschwung. Jetzt erstmal Flo­renz und dann Schalke. Schwer genug.«

Wo wir gerade beim lus­tigen Fazi­ti­sieren sind, erfreut uns ein Blick in die Blogs der Bremen-Fans. Trotz des deut­li­chen 5:1‑Sieges über Hertha BSC Berlin, warnt zum Bei­spiel Wer­derblog fazitös vor über­trie­bener Euphorie: »Was nehmen wir aus dem heu­tigen Spiel mit? Nichts außer 3 Punkte. Die Hertha war heute schwach im Spiel­aufbau und wirkte etwas lustlos gegen bisher schwache Bremer. Bei der ganzen Mann­schaft merkte man zwar den Willen zum Siegen an, aber die Leicht­sin­nig­keiten wie beim Gegentor hätte eine stär­kere Mann­schaft locker aus­ge­nutzt.«

Wäh­rend man in Bremen dem Braten also noch nicht traut, war Ber­li­nern wie dem Blogger Mar­xel­inho von her­thabsc schon vorher klar, dass es nichts mit einem Sieg gegen die Grün­weißen wird. Anstatt seine Leser des­halb mit einer sezie­renden Ana­lyse der Schwä­chen Her­thas zu quälen, erfreut er lieber mit einer sehr netten Beschrei­bung seines per­sön­li­chen Sams­tag­nach­mit­tags. »Ich nahm einen ICE via Han­nover, in dem Wagen, in dem ich zu sitzen kam, waren noch sechs wei­tere Her­thaner, die gleich nach dem Ein­steigen ein def­tiges Lied anstimmten (›Alle Bremer stinken, weil sie aus der Weser trinken‹), dies aber unter dem zivi­li­sie­renden Ein­fluss des lesenden ICE-Publi­kums bald bleiben ließen. Über die ganze Strecke wurde dann Fuß­ball quer durch Deutsch­land kom­mu­ni­ziert, in Han­nover trafen wir H96-Fans (3:0 gegen den HSV!), und noch spät­abends in der S‑Bahn am Hacke­schen Markt wurden Hertha-Fans ange­spro­chen und mussten mit dem Ergebnis raus­rü­cken: 1:5 bei Werder Bremen. ›An uns hat’s nicht jelegen.‹ Wohl wahr.«

An den Fans hat es wohl auch nicht gelegen, dass der Ham­burger SV aus­wärts bei Han­nover mit 3:0 ver­loren hat. Nein, dank Plei­te­geiger wissen wir: Es liegt an gera­dezu mys­ti­schen Zusam­men­hängen: »Wie sonst soll ich es mir erklären, daß man wenn, dann immer mit 3:0 aus­wärts ver­liert? […] Aber daß es langsam eine Regel wird, daß der HSV aus­wärts 3:0 gegen Gegner mit H ver­liert – nun, das macht die Sache doch schon sehr vor­her­sehbar. Erst Holfs­burg, dann Hop­pen­heim, jetzt Han­nover. […] Aber damit nicht genug der Vor­her­seh­bar­keit. Die Tore für Han­nover schossen – drei Spieler mit S: Schulz, Schlaud­raff und Sta­jner. Eigent­lich hätte es dem­nach sogar 4:0 für Han­nover stehen müssen, es standen näm­lich gleich zwei Schul­zen­sens auf dem Platz. Aber viel­leicht ist das beim Fuß­ball auch wie bei Dalli-Dalli: ›Schulz war dop­pelt, das ziehen wir ab‹. Wir sind der Mei­nung das waaaaar… leider nicht spitze. Und schon gar nicht Tabel­len­spitze.«

Wäh­rend Blog­gerin Plei­te­geiger mit ihrer ganz eigenen Theorie die Nie­der­lage erklärt, bleibt man im Rau­ten­blog sach­li­cher. »Es darf ein­fach nicht sein dass wir immer wieder so frühe Gegen­tore kriegen. Was denken sich die Spieler dabei? Denken sie dass das Spiel erst nach 30 Minuten los­geht, vorher ist ja nur warm­laufen? Denken die ach das drehen wir sowieso noch wie zu Beginn der Saison?« Fragen, die wohl nur die Ham­burger selbst beant­worten können. Oder viel­leicht Frau Plei­te­geiger mit einer Buch­sta­ben­theorie? Wir sind gespannt.
Was für tief grei­fende Aus­wir­kungen die Nie­der­lage der eigenen Mann­schaft haben kann, zeigt mit Hirn­gabel ein Fan des VfB Stutt­gart nach der Nie­der­lage gegen Köln. »Ich bin ratlos und ich kann der­zeit keinen Anlass für Opti­mismus finden, außer der mehr als vagen Hoff­nung auf ein gene­relles Auf­bäumen, eine kol­lek­tive Leis­tungs­stei­ge­rung und einen kleinen Lauf, der dem Team Selbst­ver­trauen und Lust am Spiel ver­leiht. Woher das aber kommen soll, das weiß ich leider nicht. Daher habe ich diese Bun­des­li­ga­saison für mich erst einmal abge­hakt.«

Wäh­rend die einen schon am elften Spieltag die Saison beschließen, geraten die anderen schon ins Träumen vom inter­na­tio­nalen Geschäft. Bei Samba-Köln kann man lesen: »Ein Sieg, der nach dem doch recht schwa­chen Auf­tritt gegen den BVB am letzten Mitt­woch Kölsch in einer durs­tigen Kehle bedeutet und uns weit weg von den Abstiegs­rängen ent­fernt ein selt­sames Lächeln auf unser FC-Fan-Gesicht zau­bert. Seltsam, weil… nun ja, irgendwie sind wir ja punk­te­mäßig schon ver­dammt nah an den Tabel­len­plätzen, wo man auch am Ende der Saison sich inter­na­tional qua­li­fi­ziert und wenn man gegen Han­nover gewinnt und wenn man dann schon mal da oben ist…. «

»Da oben« sind tra­di­tio­nell auch die Schalker. Nach dem 2:0‑Auswärtserfolg gegen Energie Cottbus sind die Blogger zufrieden mit ihrer Mann­schaft. Einzig Orlando Enge­laar, der in der zweiten Halb­zeit wegen Meckerns die Rote Karte sah, muss sich Kritik gefallen lassen. »Nach einem knappen Drittel der Saison muss man objektiv fest­stellen, dass Enge­laar bisher wenig über­zeugen konnte. Erst waren seine Leis­tungen schwach und nun, da sich diese deut­lich ver­bes­serten, stellt er sich selbst ein Bein. Schade! Hof­fent­lich berap­pelt er sich bal­digst«, schreibt etwa Corius. Den aus­führ­li­chen Erleb­nis­be­richt einer auch abge­sehen von Enge­laar auf­re­genden Fahrt in die Lau­sitz gibt es außerdem bei Schalker.

Nicht uner­wähnt lassen wollen wir auch die Reak­tion der Cott­busser auf die Nie­der­lage. Seinen kurzen Kom­mentar über­schreibt Steh­tri­büne mit »Erbärm­lich«. Wer aber meint, damit sei die Mann­schaft gemeint, liegt falsch: »Nicht etwa die Spiel­weise, der Tabel­len­platz oder so etwas. Son­dern das Auf­treten einer angeb­li­cher Fans. Wüstes Gezeter, weil nun auch noch gegen eine Mann­schaft ver­loren wurde, die nur im UEFA-Cup spielt, weil sie die Qua­li­fi­ka­tion für die Cham­pions League nicht geschafft hat. Dabei spielen wir immerhin gegen Schalke.«

Am Sonntag kam es in Dort­mund zum Revier­derby zwi­schen der Borussia und dem VfL aus Bochum. Den schwarz­gelben Haus­herren gelang es nicht, über ein 1:1 hinaus zu kommen. Ins­be­son­dere der Gegen­treffer schmerzt die Blogger aber sehr. Bei Any­given­wee­kend führt er sogar zu kryp­ti­schen For­mu­lie­rungen: »Feh­lende Spit­zen­klasse bei unserer momen­tanen Nummer 1 oder ein­fach nur dumm gelaufen – urteilen Sie selbst! Manchmal schien jeden­falls schon ein Unsicht­barer (wenn auch nicht unbe­kannter) Dritter Tor­wart auf der Bank zu sitzen – so schnell, wie Wei­den­feller manchmal das Spiel mit seinen Abwürfen zu machen ver­suchte.« Wer die Iden­tität des bekannten Unbe­kannten kennt: Post­karte an das ZDF, 55 100 Mainz, Ein­sen­de­schluss ist der kom­mende Samstag. Und das, meine Damen und Herren, können Sie dabei gewinnen… Tschul­di­gung, kurzer Kerner-Flash.

Im zweiten Spiel ver­gan­genen Sonntag trafen Borussia Mön­chen­glad­bach und Ein­tracht Frank­furt auf­ein­ander. Mit einem lus­tigen Ver­wand­lungs­spiel setzten sich dabei die Frank­furter in Glad­bach mit 2:1 durch: »Ümit gab den Marin, Fink den Tech­niker und Stein­höfer den Albert Streit, die Ähn­lich­keit wird von Spiel zu Spiel frap­pie­render, es fehlt nur noch das rich­tige Gel, um die Haare in die Höhe zu stylen«, hält Blog‑G nach dem Spiel zufrieden fest, bevor man her­aus­ar­beitet, warum Hum­mer­zangen und Fried­helm Funkel nicht zusam­men­passen. Über­schrieben ist der Blog­ein­trag übri­gens mit » oru´‚önchen´ – intr´‚ran´ 1:2«. Wer weiß, wie es zu diesem Titel kam: Post­karte an das ZDF, 55 100 Mainz… oh Gott, dieses Ker­nern ist wie eine Droge. Viel­leicht hören wir lieber auf.
Ich bedanke mich bei Oliver für die tref­fenden Ana­lysen und bei Ihnen fürs Zuschauen. Die nächste Blog­schau gibt es am nächsten Spieltag, wie gewohnt live und in Farbe auf 11Freunde​.de. Schalten Sie auch das nächste Mal wieder ein. Es würde mich freuen. Ihr Johannes B.