Seite 4: „Klub der Nation“

Der Ort liegt nur wenige Kilo­meter von der Demar­ka­ti­ons­linie mit Arme­nien und den Ruinen Agdams ent­fernt, und im Sommer 2009 begann der FK Qarabag dort seine Heim­spiele aus­zu­tragen, die sich nun etwas mehr auch so anfühlten. Wobei Kerimow bei Kol­legen, die nicht aus der Region stammen, immer um Ver­ständnis für den neuen Standort werben musste. Denn vielen war das Leben in der abge­le­genen Region ohne Inter­net­zu­gang oder andere Mög­lich­keiten des Zeit­ver­treibs zu müh­selig.

Im Sommer 2009 gewann der FK Qarabag den Lan­des­pokal und qua­li­fi­zierte sich für den Euro­pacup, wo er die größte Sen­sa­tion der Ver­eins­ge­schichte schaffte. In der ersten Runde der Europa League schal­teten sie Rosen­borg Trond­heim aus Nor­wegen aus, am Tag genau 16 Jahre nach der Ver­trei­bung aus Agdam. Weil dabei nur ein Aus­länder im Team stand, wurde der FK Qarabag von Staats­prä­si­dent Aliyev als Klub der Nation“ gefeiert, obwohl er doch auch ein Opfer des Natio­na­lismus war.

Die Fans warten immer noch auf ein Heim­spiel

Kerimow selber jagte indes vor allem weiter seiner ver­passten Meis­ter­feier hin­terher, und 2010 sollte es eigent­lich so weit sein. Das letzte Spiel der Saison sollte auch das letzte seiner Kar­riere sein, er wollte als Cham­pion abtreten. Seine Mann­schaft brauchte gegen ein fast nur aus Reser­visten bestehendes Team von Neftchi Baku nur zu gewinnen. Doch so leicht die Auf­gabe war, der FK Qarabag traf ein­fach nicht, das Spiel endete 0:0. Es gab keine Meis­ter­feier, und am nächsten Morgen ging Kerimow allein zum Trai­ning, er machte ein­fach weiter.

Doch es reichte nicht. Aslan Kerimow hat in seiner Kar­riere mehr erreicht als alle Spieler seines Landes, aber er hörte Anfang 2012 mit dem Fuß­ball­spielen auf, ohne mit dem FK Qarabag die Meis­ter­feier von 1993 nach­holen zu können. Sein alter Klub spielt nun in Baku. Wäh­rend die meisten seiner Fans immer noch darauf warten, dass sie eines Tages viel­leicht doch einmal wieder ein Heim­spiel zu Hause sehen können.