Eigent­lich sollte dieses Jahr alles besser werden rund um das End­spiel der ruhm­rei­chen Copa Libertadores. Und vor allem: fried­li­cher. Nachdem in der ver­gan­genen Saison das Final-Rück­spiel zwi­schen den argen­ti­ni­schen Erz­ri­valen River Plate und Boca Juniors auf­grund von Fan-Angriffen auf den Boca-Bus nach Madrid ver­legt werden musste, droht auch die dies­jäh­rige End­spiel-Aus­gabe in rund drei Wochen (am 23. November) in einem gewal­tigen Chaos zu ver­sinken. Der große Show­down zwi­schen Titel­ver­tei­diger River und dem bra­si­lia­ni­schen Tra­di­ti­ons­klub Fla­mengo soll näm­lich in San­tiago de Chile statt­finden. Dort, wo schon seit Wochen schwerste poli­ti­sche Unruhen toben.

Am Dienstag dieser Woche, um 17.03 Uhr, ließ eine eher unschein­bare Mit­tei­lung der süd­ame­ri­ka­ni­schen Fuß­ball­fö­de­ra­tion Con­mebol auf­hor­chen. Darin ist, fast bei­läufig, die Rede von einem Kri­sen­gipfel füh­render süd­ame­ri­ka­ni­scher Fuß­ball­funk­tio­näre mit dem kon­ser­va­tiven chi­le­ni­schen Staats­chef Sebas­tian Piñera: Die Unter­re­dung mit dem Prä­si­denten der Repu­blik Chile und den Behörden ist Teil der Vor­be­rei­tungen für die Rea­li­sie­rung eines ein­zig­ar­tigen Finales der Copa Libertadores“, ließ die Con­mebol wissen.

San­tiago brennt

Nun, ein­zig­artig ist die dies­jäh­rige Auf­lage des End­spiels allemal, denn anders als in der Ver­gan­gen­heit wird der Gewinner der Copa Libertadores nicht mehr in Hin- und Rück­spiel ermit­telt, son­dern in einer ein­zigen Partie auf neu­tralem Boden. Im Estadio Nacional de Chile“ im seit Wochen bren­nenden San­tiago, der Haupt­stadt des kri­selnden Anden­staates, wo es tag­täg­lich zu Stra­ßen­schlachten zwi­schen Anti-Regie­rungs-Demons­tranten und der Polizei kommt – wo Nacht für Nacht Geschäfte, Autos und Müll­berge in Flammen auf­gehen.

Zünd­funke war eine Erhö­hung der Fahr­preise für die U‑Bahn in San­tiago. Zwar ruderten die Ver­kehrs­be­triebe als­bald zurück, doch da war es längst zu spät. Die Pro­teste hatten sich zu einem Flä­chen­brand ent­wi­ckelt, denn tat­säch­lich geht es um viel mehr als um Nah­ver­kehrs­ta­rife: Chile steckt in einer wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Krise – und die ent­lädt sich gerade in Gewalt. Zwar baute Prä­si­dent Piñera zuletzt eilends sein Kabi­nett um und räumte ein: Chile hat sich ver­än­dert, auch die Regie­rung muss sich ändern.“ Doch die Pro­test­welle rollt weiter.

Es ist sehr wichtig, dass das Spiel gespielt wird“

Der Prä­si­dent des chi­le­ni­schen Fuß­ball­ver­bandes, äußerte sich des­halb allen­falls ver­halten opti­mis­tisch, dass das Finale wie geplant in San­tiago über die Bühne gehen kann: Es ist sehr wichtig, dass das Spiel gespielt wird“, erklärte Sebas­tian Moreno, aber wir müssen die natio­nale Rea­lität berück­sich­tigen. Als Fuß­ball sind wir auch nur ein Teil der sozialen Wirk­lich­keit im Land. Wir alle hoffen, dass sich alles nor­ma­li­siert, aber ich bleibe dabei: Die natio­nale Rea­lität ist wich­tiger als der Fuß­ball.“