Seite 2: „Fast wäre ich daran zerbrochen“

Munas Dabbur kommt aus einer wohl­ha­benden Familie in Naza­reth, der größten ara­bi­schen Stadt in Israel. Er begann mit dem Fuß­ball beim Klub Mac­cabi Ahi Naza­reth, dessen Vor­sit­zender sein Vater war, und erregte bereits in jungen Jahren das Inter­esse großer Ver­eine aus Israel und sogar dem Aus­land. Doch als Munas 17 war, schlug das Schicksal zu. Sein Vater Kasam kam mit nur 49 Jahren bei einem Auto­un­fall ums Leben, und Dabbur fiel in ein tiefes Loch. Am Tag vorher hatte er noch gesehen, wie ich mit Ahi Naza­reth die Jugend­meis­ter­schaft gewann, in einer Saison, in der ich 69 Tore schoss“, sagte er einem israe­li­schen Reporter. Samstag haben wir zusammen gefeiert, Sonntag war er tot. Fast wäre ich daran zer­bro­chen. Ich wollte nicht mehr spielen, ich hatte das Gefühl, dass mir ohne meinen Vater der Antrieb fehlt. Einen Monat bin ich nicht zum Trai­ning gegangen, dann hat mich meine Mutter über­zeugt, den Fuß­ball nicht auf­zu­geben.“

In seiner letzten Saison als Jugend­spieler schoss Dabbur so viele Tore, dass er vor den Par­tien die Schieds­richter fragte, ob er jedes Mal aus­giebig jubeln dürfte oder ob man ihn dann irgend­wann ver­warnen würde. Danach nahm er ein Angebot von Mac­cabi Tel Aviv an. Seitdem hat Dabbur in der Schweiz und Öster­reich gespielt, in Spa­nien und nun in Deutsch­land. Doch den Gang von Naza­reth nach Tel Aviv bezeichnet er bis heute als den här­testen und radi­kalsten Ein­schnitt. Ich kannte nie­manden, ich sprach mit nie­mandem. Ich spielte immer nur bis tief in die Nacht auf meiner Play­station.“ Der Kul­tur­schock kam auch daher, dass Dabbur nun nicht mehr ein Araber unter vielen war. In meinem ersten Jahr bei Mac­cabi gab es ein paar unschöne Erleb­nisse mit Fans, die Araber und Mus­lime hassen“, sagt er. Die meisten Anhänger haben mich von Anfang an akzep­tiert und unter­stützt, aber es gab ein paar, die mich wegen meiner Her­kunft ablehnten.“ Dabbur bat Mac­cabi um die Frei­gabe und sagte dem Klub, er würde lieber für ein ara­bi­sches Team in den unteren Ligen spielen. Ein­fach nur Tore schießen und ab und zu mal auf­steigen. Ich sagte meiner Mutter, dass ich wieder aus Tel Aviv weg­gehen würde“, erin­nert sich Dabbur. Am nächsten Tag sprach mein Groß­vater mit mir. Er sagte: Wenn du den Ver­trag nicht erfüllst, bist du nicht mehr mein Enkel.‘ Also blieb ich zunächst.“

Samstag haben wir zusammen gefeiert, Sonntag war er tot“

Munas Dabbur über seinen Vater Kasam

Einem anderen ara­bi­schen Spieler, dem ele­ganten Maharan Radi, erging es noch schlimmer. Ent­setzt sah Dabbur, wie eine gewalt­be­reite und ras­sis­ti­sche Ultra-Gruppe von Mac­cabi den Profi zum Feind­bild erkor. Es ist ein schreck­li­ches Gefühl, wenn dich deine eigenen Fans angreifen“, sagte er später der Web­site One. Man gibt alles für sie und das Team, man will, dass sie glück­lich sind, und am Ende beschimpfen sie dich. Es wird Zeit, dass das auf­hört. Es ist eine Schande und ein Unglück für den Fuß­ball. Es gab Tage, an denen ich ein Tor schoss und die Leute mir trotzdem Schimpf­wörter zuriefen. Aber Maharan und ich ver­suchten immer, das Posi­tive zu sehen. Die Mehr­heit des Publi­kums stand hinter uns, so haben wir alle Hin­der­nisse über­wunden.“

Anfang 2014 wech­selte Dabbur für 400 000 Euro nach Europa, zu Grass­hoppers Zürich. Zwei Jahre später war er Salz­burg schon rund fünf Mil­lionen Euro wert. Es war gut ange­legtes Geld für Red Bull, denn Dabbur wurde zweimal Tor­schüt­zen­könig der öster­rei­chi­schen Bun­des­liga. Für 17 Mil­lionen sicherte sich der FC Sevilla 2019 die Dienste des Angrei­fers, doch in Spa­nien geriet seine bis dahin so rasante Kar­riere ins Sto­cken. Dabbur bekam kaum Ein­sätze und ergriff daher im Januar die Chance, nach Hof­fen­heim zu gehen.

Dabbur ddp images Editorial 34 00690671 High Res sw WEB
ddp Images

-