Das ist neu
Das System. 3−4−3, eine lau­sige Zah­len­kom­bi­na­tion. Da haben wir uns schon gefreut, dass Michael Preetz nach dem guten Abschneiden in der abge­lau­fenen Saison, sowie dem Ein­stieg des Finanz­in­ves­tors KKR, end­lich auf dem Trans­fer­markt richtig auf die Kacke haut. Statt­dessen ist die bedeu­tendste Ände­rung eine Sys­tem­um­stel­lung, um varia­bler zu spielen. Zwar floss durch den Abgang von Ramos zusätz­lich Geld in die Ver­eins­kasse, doch die Alte Dame übt sich in Beschei­den­heit. Neu­zu­gänge gab es zuhauf, auf eine große Insze­nie­rung war­tete man aber ver­geb­lich. Ziel ist es, den Kader in der Breite zu ver­stärken. Gesagt, getan! Die Show über­lässt man lieber den anderen und der Lang­zeit­ver­letzte Fabian Lus­ten­berger kann durchaus als halbe Neu­ver­pflich­tung gezählt werden. An seiner Seite ist nun der Schweizer Lands­mann Valentin Sto­cker. Mit fünf Meister- und drei Pokal­ti­teln besitzt der 25jährige eine stolze Tro­phä­en­samm­lung. Grund, selbst­be­wusst zu sein, hat er also. Zum Abschied aus Basel trat er verbal in der Bild-Zei­tung nach („In der Schweiz war ich unter­for­dert“). By the way, herz­lich will­kommen in der Ber­liner Medi­en­land­schaft. Wir werden ver­mut­lich nicht mehr viel von ihm hören, denn Valentin Sto­cker ver­mit­telt den Ein­druck, als würde er zukünftig lieber durch Leis­tung auf dem Platz auf­fallen wollen. Diese Redensart ist nicht mehr neu rund um das Olym­pia­sta­dion. Das ist Hertha 2.0.

Das fehlt
Träume. Wer wünscht der Hertha nicht end­lich den Gewinn des DFB-Pokals? Seit Jos Luhukay Trainer der Hertha ist, herrscht Ruhe und Ord­nung. Der Ver­bleib in der Bun­des­liga scheint nicht gefährdet, des­wegen wäre es end­lich an der Zeit, dem Pokal mehr Auf­merk­sam­keit zu schenken. Keine Rota­tion mehr, egal, wie der Gegner heißt. Rotiert wird ab sofort in der Liga, damit im Pokal die Post abgehen kann. Alles in allem wird es ruhig bleiben in der Haupt­stadt. Michael Preetz lies kürz­lich im 11FREUNDE Inter­view ver­lauten, dass Mainz 05 das Vor­bild von Hertha BSC sei. Klingt ver­nünftig. Die Zeit der Träu­merei scheint in Berlin damit aber end­gültig vorbei zu sein. 

Das fehlt nicht
Per­sonal. Mit 29 Spie­lern ist der Hertha-Kader so groß wie nie. Manager Preetz hat sich auf dem Trans­fer­markt bedient, und das nicht zu knapp. Die Kabine droht aus allen Nähten zu platzen. Man setzt auf Pär­chen-Bil­dung: Zwei Hol­länder, zwei Japaner und zwei Schweizer. Ramos-Nach­folger soll Julian Schieber werden. Der hat zwar Cham­pions-League Erfah­rung, aber die Lücke, die Ramos hin­ter­lässt, wird er alleine nicht füllen können. Es fehlt noch eine Sturm­spitze, die zusammen mit Schieber die 20-Tore Marke kna­cken kann. Schieber ist ein Lei­se­treter und dabei findet er sich in guter Gesell­schaft. Kein Mar­cel­inho, kein Alex Alves, kein Andre Woronin weit und breit. Die Ber­liner sind eine Ansamm­lung von talen­tierten Spie­lern, die sich dem System unter­ordnen und die Fahrt zum Trai­ning lieber mögen als eine Spritz­tour auf dem Ku´damm. Erstaun­lich, in welch kurzer Zeit der Wandel von der Skan­dal­nudel zur grauen Maus der Liga gelungen ist. Unsere Hoff­nungen ruhen einzig auf John Hei­tinga. Seine Auto­samm­lung hat es in sich. 

Wäre diese Mann­schaft ein Lied, dann dieses
Iggy Pop – I´m bored“

Was waren das für Zeiten, in denen die Hertha-Jungs die Klatsch­spalten füllten und anschlie­ßend auf dem Platz Wie­der­gut­ma­chung betreiben wollten? Es ist Ruhe ein­ge­kehrt, genauer gesagt: Lan­ge­weile. Pas­send dazu gibt´s ein paar Zeilen von Iggy Popp

I’m bored
I’m the chairman of the bored
I’m a lengthy mono­logue
I’m livin‘ like a dog
I’m bored

I’m sick when I go to sleep at night
I’m still sick in the broad day­light coz
I’m bored
I’m bored
I’m the chairman of the…

BORED!

Das 11FREUNDE Orakel
Jos Luhukay wird wei­terhin die Mann­schaft solide durch die Bun­des­liga coa­chen. Der Abstieg scheint genauso unwahr­schein­lich wie die Qua­li­fi­ka­tion zur Cham­pions League. Man ist mitt­ler­weile zufrieden, eine ordent­liche Bun­des­liga-Mann­schaft zu sein, die nicht in Abstiegsnot gerät. Wir hätten es gerne ein biß­chen spek­ta­ku­lärer, aber uns fragt ja keiner. Spek­ta­kulär oder nicht, Hertha wird in der Tabel­len­mitte landen, Platz 9.