Früher war Man­chester City ein­fach nur eine graue Maus. Die Him­mel­blauen“ agierten noto­risch erfolglos, standen per­ma­nent im Schatten des über­großen Lokal­ri­valen Man­chester United und hatten außer den Oasis“-Brüdern Liam und Noel Gal­lagher kaum Fans. Doch dann kam Man­sour bin Zayed Al Nayhan aus Abu Dhabi und machte City zu einem schil­lernden Riesen im euro­päi­schen Fuß­ball. Seither wirft der Noisy Neigh­bour“ (Ex-Man­United-Trainer Alex Fer­guson über City) alles bisher gewe­sene über den Haufen. Nicht einmal vor Wett­be­werbs­ver­zer­rung in anderen Ligen macht der neu­reiche Klub Halt.

Gegen alle – außer Girona

Tat­säch­lich hat City, bekannt für schlanke Scheich-Mil­lionen, gran­dioses Guar­diola-Pass­spiel und per­fide Para­gra­phen-Trick­se­reien, dem modernen Fuß­ball wieder mal eine Schau­er­ge­schichte mehr gelie­fert: Die Eng­länder hatten im Dezember den aus­ge­lie­henen Yangel Her­rera vom New York City FC zurück­ge­holt. Im Januar ver­lieh City den 21-jäh­rigen Vene­zo­laner weiter an den spa­ni­schen Erst­li­gisten SD Huesca. So weit, so unauf­fällig – bis zur ver­gan­genen Woche: Da mel­dete die spa­ni­sche Marca“, gut ver­steckt in einer Mini-Mel­dung auf Seite 12, dass Her­rera im fol­genden Match beim FC Girona nicht würde spielen können. Der Grund: eine Aus­schluss-Klausel in seinem Leih­ver­trag, gültig für sämt­liche Par­tien gegen Girona – und zwar auf aus­drück­li­ches Ver­langen von Man­chester City.

Grund­sätz­lich sind Aus­schluss- oder Angst-Klau­seln“ nichts Unge­wöhn­li­ches: Der ver­lei­hende Klub unter­sagt dem lei­henden Klub, den Spieler in einem direkten Auf­ein­an­der­treffen ein­zu­setzen. Wer will schon gerne vom eigenen Per­sonal abge­schossen werden? In der Bun­des­liga traf es zuletzt den Frei­burger Leih­spieler Vin­cenzo Grifo, der nicht gegen seinen Stamm­klub TSG Hof­fen­heim ran durfte. Der­ar­tige Ver­ein­ba­rungen mögen nicht nach jeder­manns Geschmack sein. Doch zumin­dest ersparen sie den betrof­fenen Profis einen Gewis­sens­kon­flikt: Was, wenn aus­ge­rechnet Grifo die Frei­burger zum Sieg und damit Hof­fen­heim in der End­ab­rech­nung aus den Euro­pacup-Plätzen geschossen hätte? Schließ­lich will er im Falle einer Rück­kehr zur TSG in der kom­menden Saison selbst gern inter­na­tional spielen.

City Foot­ball Group“

Dass Man­chester City seinem Leih­spieler Yangel Her­rera jedoch Ein­sätze gegen einen bestimmten Dritt­klub unter­sagt, bedeutet selbst im heu­tigen Pro­fi­ge­schäft mit seinen viel­fach undurch­sich­tigen Trans­fer­ver­ein­ba­rungen eine ganz neue Qua­lität. Und hat einen äußerst bit­teren Bei­geschmack, denn: Der FC Girona gehört zu 44,3 Pro­zent der City Foot­ball Group“, einem inter­na­tio­nalen Fuß­ball-Kon­zern a´la Red Bull, der u.a. auch Man­chester City, den New York City FC und den Mel­bourne City FC besitzt. Und der offenbar keine Sekunde davor zurück­schreckt, den Wett­be­werb in der Pri­mera Divi­sión zu ver­zerren: SD Huesca und der FC Girona sind immerhin Kon­kur­renten im Kampf gegen den Abstieg.