Thomas Allofs: »Wir waren die Under­dogs gegen die Welt­mann­schaft aus Bar­ce­lona. 30.000 Fans waren aus Spa­nien ange­reist. Dass überall gelb-rote Fahnen wehten, war etwas erdrü­ckend. Doch als das Spiel ange­pfiffen war, haben wir uns davon nicht mehr beein­dru­cken lassen.



Zur Halb­zeit stand es 2:2, groß­artig das Tor von Wolf­gang Seel, der einen 60-Meter-Pass von Gerd Zim­mer­mann annimmt und zum erneuten Aus­gleich ein­schob. Doch ganz ehr­lich: Es stand zur Halb­zeit vor allem Unent­schieden, weil unser Tor­hüter Jörg Daniel einen Elf­meter gehalten hatte und auch sonst in der einen oder anderen brenz­ligen Situa­tion zur Stelle war.

Doch in der zweiten Halb­zeit waren wir, der Außen­seiter, plötz­lich spiel­be­stim­mend. Es war nicht so, dass wir das 2:2 über die Zeit gerettet hätten. Der große Favorit hat tat­säch­lich gewa­ckelt! Wir kas­sierten aber in der Ver­län­ge­rung zwei Treffer, von Asensi und Krankl.

Das Spiel ging gleich­zeitig auch als ein Tief­punkt in die Klub­ge­schichte ein: Unsere Leis­tungs­träger Dieter Brei und Zim­mer­mann ver­letzten sich so schwer, dass sie nie mehr ein rich­tiges Come­back schafften. Mit Zim­mer­mann und Zewe hatten wir vorher die beste Defen­sive der Bun­des­liga; außerdem junge Spieler wie Rudi Bommer oder meinen Bruder, der mit 22 Jahren bereits Natio­nal­spieler war. Zim­mer­mann hat hin­terher nur noch ein biss­chen in den USA gekickt. Man nannte ihn dort ›Thun­derleg‹ wegen seiner gewal­tigen Schüsse. Wir haben ihn schmerz­lich ver­misst, seit dieser Nacht von Basel!«

» Seite 2: So berich­tete der Sport-Infor­ma­tions-Dienst am 16. Mai 1979 über das Finale

Der Sport-Infor­ma­tions-Dienst (sid) schrieb am 16. Mai 1979:

In einer hoch­dra­ma­ti­schen Begeg­nung musste sich der Bun­des­liga-Sechste mit 3:4 (2:2, 2:2) in der Ver­län­ge­rung den FC Bar­ce­lona beugen. Vor 53.000 Zuschauern im über­fü­lIten Baseler St. Jakob Sta­dion fiel die Ent­schei­dung in der 104. Minute, als der 32 Jahre alte Carlos Rexach im Düs­sel­dorfer Straf­raum den Ball erhielt, sofort schoss und dabei das Glück hatte, dass Zewe das Leder uner­reichbar für den aus­ge­zeich­neten Tor­hüter Daniel ins eigene Netz abfälschte. Krankls 2:4 in der Minute war schließ­lich das Ergebnis des letzten Anst­umrs der For­tuna, die mit allen Spie­lern noch eine Wende her­bei­führen wollte. Noch einmal griff die For­tuna an und tat­säch­lich schaffte Seel in der 114. Minute noch einmal das Anschlusstor zum 3:4, doch dann brachten die Kata­lanen den knappen Sieg über die Zeit, und Kapitän Juan Asensi erhielt von Uefa-Prä­si­dent Artemio Franchi im Jubel von 25.000 Lands­leuten den begehrten Pokal.

In einem der besten End­spiele der jüngsten Euro­pacup-Geschichte wuchsen die Düs­sel­dorfer vor allem in kämp­fe­ri­scher Hin­sicht über sich hinaus. Bewun­derns­wert ihre Moral, mit der sie in der ersten Halb­zeit einen zwei­ma­ligen Rück­stand ega­li­sierten. San­chez brachte Bar­ce­lona in der 5. Minute in Füh­rung, Thomas Allofs gelang schon in der 8. Minute das 1:1. Kapitän Asensi war in der 35. Minute zum 2:1 erfolg­reich, ehe sieben Minuten später Seel den Tor­reigen vor der Pause abschloss. Dazwi­schen lag noch in der 12. Minute ein von Rexach schwach geschos­sener Foul­elf­meter, den Daniel bei­nahe mühelos parieren konnte. Nach dem Wechsel schien die For­tuna die Begeg­nung immer besser in den Griff zu bekommen. Bar­ce­lona fand kaum noch zu geord­neten Aktionen. In dieser Phase machte sich jedoch nach­teilig bemerkbar, dass zwei der wich­tigsten Düs­sel­dorfer Akteure mit Bän­der­deh­nungen den Platz hatten ver­lassen müssen. Brei ereilte das Schicksal bereits in der 25. Minute, der gegen Krankl her­vor­ra­gend spie­lende Zim­mer­mann musste sechs Minuten vor Schluss der regu­lären Spiel­zeit die Waffen stre­cken.

So fand der FC Bar­ce­lona wieder zu seiner Linie zurück, hatte aber kaum Vor­teile, als es in die Ver­län­ge­rung ging. Die zusätz­liche Spiel­zeit brachte zunächst ein Plus für die Düs­sel­dorfer, denn der ein­ge­wech­selte Lund und Klaus Allofs schei­terten nur denkbar knapp vor dem spa­ni­schen Gehäuse. In dieser Phase wurde deut­lich, dass letzt­lich nur noch die glück­li­chere und nicht die bes­sere Mann­schaft gewinnen würde. Bar­ce­lona hatte schließ­lich dieses Glück, das dem Club bei seinen 2:3‑Finalniederlagen von 1962 (gegen Ben­fica Lis­sabon) und 1960 (gegen Slovan Press­burg) gefehlt hatte. Die For­tuna wie­derum lag um jene wieder einmal ent­schei­dende Nuance zurück, die schon im April ver­gan­genen Jahres beim 2:0‑Pokalsieg des 1.FC Köln in Gel­sen­kir­chen gefehlt hatte.

Die Mann­schaft des jungen Trai­ners Dieter Tip­pen­hauer, die eine Sieg­prämie von 15.000 Mark pro Spieler ver­passte, immerhin aber ein »Trost­pflaster« von 6500 Mark erhält, ver­diente sich ein Son­derlob für die kaum zu über­bie­tende kämp­fe­ri­sche Leis­tung. Leider fanden jedoch die Natio­nal­spieler Gerd Zewe und Klaus Allofs nicht zu ihrem wahren Leis­tungs­ver­mögen, sonst wäre das berühmte Tüp­fel­chen auf dem »i« wohl mög­lich gewesen. Über­ra­schend in der Düs­sel­dorfer Mann­schaft war Zim­mer­mann als Kon­tra­hent des prak­tisch bedeu­tungs­losen Hans Krankl, Außen­ver­tei­diger Baltes und auch Bommer im Zwei­kampf gegen Johan Nees­kens.

For­tuna war keinen Deut schlechter

Alle Spieler zeigten eine Stei­ge­rung gegen­über ihren letzten Vor­stel­lungen in der Meis­ter­schaft. Alle Mühen waren jedoch ver­ge­bens und die Nie­der­ge­schla­gen­heit der auf dem Rasen zusam­men­sin­kenden For­tuna-Akteure war nur allzu ver­ständ­lich. Bar­ce­lona hatte vor­nehm­lich in den ersten 45 Minuten ein spie­le­ri­sches Plus, offen­barte jedoch Mängel in der Abwehr. Ins­ge­samt waren die fre­ne­tisch ange­feu­erten Kata­lanen noch eine Spur cle­verer, was in den vielen, meist mit Haken und Ösen aus­ge­tra­genen Zwei­kämpfen zum Aus­druck kam. Sehr stark beim neun­ma­ligen spa­ni­schen Meister, der am Abend des ersten Euro­pa­cup­ge­winnes eine absage von Kölns Trainer Hennes Weis­weiler erhielt, waren Kapitän Asensi und auch Rexach, der schon 1969 im Finale an glei­cher Stätte dabei­ge­wesen war.

Das Fazit der von Hektik und Dra­matik gekenn­zeich­neten 120 Minuten zog Düs­sel­dorfs Alt-Natio­nal­spieler Paul Jaes: »Wenn man drei Tore schießt, darf man nor­ma­ler­weise nicht mehr ver­lieren. Leider hat die For­tuna unglück­liche Gegen­tore hin­nehmen müssen und leider hat auch Klaus Allofs im Angriff nicht zu seiner sons­tigen Stärke gefunden. Die For­tuna war keinen Deut schlechter als der neue Euro­pacup-Gewinner.«

Düs­sel­dorf: Daniel – Zewe – Baltes, Zim­mer­mann (84. Lund), Köhnen – Schmidt, Bommer, Brei (25. Weikl) – Thomas Allofs, Klaus Allofs, Seel.

Bar­ce­lona: Artola – Migueli – Zuviria, Costar (66. Mar­tinez), Alba­la­dejo (58. Del­a­cruz) – Nees­kens, San­chez, Asensi – Rexach, Krankl, Carr­asco.

Schieds­richter: Karoly Palotai (Ungarn) – Zuschauer: 58.000 (aus­ver­kauft) – Tore: 0:1 San­chez (5.), 1:1 Allofs (8.), 1:2 Asensi (35.), 2:2 Seel (42.), 2:3 Rexach (104.), 2:4 Krankl (111.), 3:4 Seel (114.).
» Seite 3: Stimmen zum Finale

Stimmen zum Finale (zusam­men­ge­stellt vom sid):

Manager Werner Fass­bender (For­tuna Düs­sel­dorf): »Die Mann­schaft hat alles gegeben und eine über­ra­gende Leis­tung gebracht. Die grö­ßere Härte und auch Unfair­ness der Spa­nier hat das Spiel ent­schieden. Außerdem waren die Aus­fälle von Dieter Brei und Gerd Zim­mer­mann nicht zu ver­kraften.«

Trainer Dieter Tip­pen­hauer (For­tuna Düs­sel­dorf): »Durch die frühe Ver­let­zung von Brei und das spä­tere Aus­scheiden von Zim­mer­mann wurden meine tak­ti­schen Pla­nungen natür­lich über den Haufen geworfen. Den­noch hat meine Mann­schaft einen groß­ar­tigen Kampf gelie­fert und her­vor­ra­genden Fuß­ball gespielt. Bar­ce­lona war nicht die bes­sere son­dern die glück­li­chere Mann­schaft. Die Spa­nier haben die Lücken in unserer Abwehr kon­se­quent genutzt, und das hat gereicht. Obwohl auch wir immerhin drei Tore erzielt haben. Vor der Saison hätten wir nie und nimmer daran gedacht, dass wir ins Euro­pacup-End­spiel kommen könnten, doch dann haben wir Blut geleckt und uns – so glaube ich – gut geschlagen.«

Johan Nees­kens: »Düs­sel­dorf hat viel­leicht spie­le­risch ein Über­ge­wicht gehabt, vor allem vor der Pause, doch wir haben eben ein Tor mehr geschossen, und das allein zählt. Ich glaube, es war ein groß­ar­tiges End­spiel und zwar von beiden Mann­schaften. Für mich war es ein groß­ar­tiger Abschluss meiner Zeit beim FC Bar­ce­lona.«

Gerd Zim­mer­mann (For­tuna Düs­sel­dorf): »Die Bänder an meinem rechten Knie sind kaputt. Und dazu haben wir noch ver­loren… Obwohl wir drei Tore gemacht haben, reichte es nicht. Wir hatten in der Abwehr einige Schwä­chen und haben es den Spa­niern mit dem Tore-Schiessen zu leicht gemacht.«

Der »Tages­an­zeiger« schrieb: »Es war eine Aus­ein­an­der­set­zung voller Ner­vo­sität, zer­hackt, mit zahl­rei­chen Unter­bre­chungen, die keinen der 58.000 Zuschauer unbe­rührt liess. Ein Kampf, der das Publikum auf­wühlte, aber kein schönes und hoch­klas­siges Spiel. So packend der Kampf auch war, eine Wer­bung für sau­beren, sport­li­chen Fuss­ball war er nicht. Der Sieg der Kata­lanen war gerecht­fer­tigt, doch die Düs­sel­dorfer waren ein kämp­fender und jeder­zeit gefähr­li­cher Ver­lierer.«

Die »Berner Zei­tung« meint: »Ein großes spiel, wie man es vor einigen Wochen in Meis­tercup-Halb­fi­nale zwi­schen Not­tingham und Köln vor­ge­setzt erhielt, war es nicht. Dazu gab es zu viele Flauten, und in beiden Teams fehlte zeit­weilig die Linie und letzt­lich auch die große Klasse.«

Die »Luzerner neu­este Nach­richten« glauben: »Die Partie war für die Deut­schen wohl in jenem Moment ver­loren, als der über­ra­gende Zim­mer­mann kurz vor dem Ende der nor­malen Spiel­zeit das Feld ver­letzt ver­lassen musste.«

Die »Neue Zür­cher Zei­tung« berichtet: »Der kämp­fe­ri­sche Vor­teil mag wohl ent­schei­dend für den Aus­gang gewesen sein, waren doch die Deut­schen ein spie­le­risch eben­bür­tiger Gegner, der ebenso gut als Sieger hätte her­vor­gehen können.«


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