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DFB Pokal

Seite 2: „Lasst mich los, ich hau ihm auf die Schnauze“

Als die Hertha-Hools zum Wie­der­an­pfiff ihre Pyro­technik ent­zün­deten, dachten sich einige Ros­to­cker noch alibi­mäßig: Lasst mich los, ich hau ihm auf die Schnauze“. Offenbar tarierten sie noch aus, wann der rechte Zeit­punkt gekommen sei, um ihrer­seits in das Werben bei dieser medi­en­kom­pa­ti­blen Gewalt-Per­for­mance ein­zu­wil­ligen. Schließ­lich hatten sie – trotz der Bitten des Vor­stands­chefs – ein geklautes Hertha-Banner mit ins Sta­dion geschmug­gelt, das sie nun – was für ein dra­ma­ti­sches For­tis­sismo“ im Mit­tel­teil – im Ange­sicht der schäu­menden Ber­liner Pyro-Frak­tion anzün­deten, die Teams von Schieds­richter Robert Hart­mann in die Kata­komben ent­lassen wurden, der­weil die red­liche Mehr­heit des Hansa-Anhangs machtlos und ver­zwei­felt skan­dierte Und ihr wollt Hansa-Ros­tock sein?“

Tristes Bau­ern­theater

Die Kameras der TV-Sender funkten den Eklat in hoch­auf­lö­sendem HD-Signal in die Wohn­stuben und als unbe­tei­ligter Betrachter mit einem soliden Grund­wissen von Melodie und Rhythmus dachte ich: Was für eine eigen­wil­lige Aus­drucks­tanz-Per­for­mance? Ein grelles Wim­mel­bild aus der Peri­pherie des modernen Fuß­balls irgendwo zwi­schen Circus Krone, Colt Sea­vers und Hie­ro­nymus Bosch. Letzt­lich aber doch nur ein tristes Bau­ern­theater, zudem schluss­end­lich auch die hilf­losen Kom­men­tare von Mami und Papi kamen: Michael Preetz und Pavel Dot­chev, die zwei­fellos zurecht erkannten, dass es sich hierbei um Hand­lungen han­dele, die nie­mand in einem Fuß­ball­sta­dion haben will“ und dass solche Sachen nicht zum Sport gehören“.

Und damit es nicht gleich ver­hallt und wir nach dieser sport­li­chen Fuß­note, dass ein Euro­League-Teil­nehmer einen Dritt­li­gisten in der ersten Runde des DFB-Pokals besiegt, sogleich zur Tages­ord­nung über­gehen, ent­rüsten wir Jour­na­listen uns am heu­tigen Tag mal ordent­lich. Spe­ku­lieren munter über die Ergeb­nisse der poli­zei­li­chen Ermitt­lungen (Hansa-Offi­zi­ellen soll Gerüchten zufolge schon wäh­rend des Spieles bekannt gewesen sein, dass das Hertha-Banner von Kogge-Hoo­li­gans mit ins Sta­dion gebracht worden war), damit der Schein­werfer auf einem ver­meint­li­chen Skandal bleibt, der in Wahr­heit dem bloßen Vor­satz ent­springt – und so absehbar war wie das End­ergebnis.

Disco schließen!

Denn uns allen ist doch klar, dass diese Hand­voll Chaoten nur des­halb so beherzt Cowboy & Indianer spielen, weil wir alle uns hin­terher so herr­lich dar­über echauf­fieren. So wie Hartmut der­einst die Fäuste schwang, weil wir Tee­nies ihn für seine Kalt­blü­tig­keit fürch­teten und in unserem Schauder irgendwie auch bewun­derten.

Dass keine Mann­schafts­wagen voller Ein­satz­kräfte das Pro­blem lösen, haben die Vor­fälle bewiesen. Viel­leicht also ließe sich das Pro­blem güns­tiger lösen: Wie eine geschlos­sene Disco kein Forum für eine zünf­tige Knei­pen­schlä­gerei bietet, taugt auch kein Fuß­ball­match, das nir­gends über­tragen wird und über das auch sonst keiner berichtet, als Platt­form für den Ran­dale-Tango einiger Halb­starker auf Crystal Meth.

Und Mutti muss hin­terher auch nicht fragen, ob wir da nächste Woche wirk­lich wieder hin­gehen wollen.