Alan Smith (37) wusste schon vorher, was er hören würde. Als der Mann­schafts­arzt ihm im Mai drin­gend von einer wei­teren Saison abriet, ver­goss er trotzdem bit­tere Tränen. Der ehe­ma­lige eng­li­sche Natio­nal­spieler weinte um die Liebe seines Lebens – den Fuß­ball, den er erst als Fei­er­abend-Profi bei Notts County wieder richtig lieben gelernt hatte. Nach drei wun­der­baren Jahren in der viert­klas­sigen League Two“ mit 500 Pfund Wochen­ge­halt packte Smith seine Schuhe zusammen, sagte den Jungs Lebe­wohl und fuhr nach Hause.

Lange Zeit han­delte die Geschichte des Alan Smith nur von Gla­mour, Geld und großer weiter Welt: Junger eng­li­scher Stürmer erobert die Pre­mier League, stürmt mit Leeds United bis ins Cham­pions-League-Halb­fi­nale (2001), landet bei ManU, ver­dient Mil­lionen, fährt dicke Autos. Doch da ist auch die Kehr­seite dieser Gold-glit­zernden Medaille: All der Druck und der Dreck in einem immer bru­ta­leren Geschäft. Die eisige Ableh­nung durch die Fans in Old Traf­ford, die Smith einen Spruch aus jungen Jahren übel nehmen („Ich würde nie für Man­chester United spielen“).

Der Tritt von John Arne Riise ändert alles

Doch dieser eine Moment im Februar 2006 ver­än­dert alles: Ein hef­tiger Tritt von John Arne Riise im Pokal­spiel gegen den FC Liver­pool lässt Alan Smiths Schien- und Waden­bein bersten. Dass etwas gebro­chen ist, hört der damals 25-Jäh­rige sofort. Im selben Augen­blick war mir klar, dass ich als Spieler nie mehr der­selbe sein würde“, verrät Smith im Rück­blick. Die Schmerzen sind schreck­lich, die Dia­gnose nie­der­schmet­ternd: Schien‑, Waden­bein und Sprung­ge­lenk sind kom­plett durch – der Fuß wird nie mehr so beweg­lich und geschmeidig werden, wie er einst war.

Den­noch han­delt die Geschichte des Alan Smith von Glück. Nach über ein­jäh­riger Ver­let­zungs­pause kehrt er zurück, darf 2006/07 noch zweimal volle 90 Minuten für ManU spielen und sich am Sai­son­ende eng­li­scher Meister nennen. Aber das ist nicht das Happy End – noch lange nicht.

Im Sommer 2007 trans­fe­riert ManU Smith zu New­castle United, wo er zwangs­läufig zum Voll­flop wird. Nach vier­ein­halb ver­korksten Jahren in New­castle kommt er gerade noch bei den Milton Keynes Dons in der League One“ (3. Liga) unter. Doch der ver­meint­liche Total-Abstieg ent­puppt sich als erste Etappe auf dem Weg zurück zum Fuß­ball-Glück. Smith merkt schnell: Je weniger Geld im Spiel ist, desto mehr Raum gibt es für andere Dinge: Team­geist. Empa­thie. Spaß. 2015, mit 34, wech­selt er zu Notts County. Jetzt end­lich fühlt sich Fuß­ball wieder so an wie früher, als Alan Smith im Schü­ler­team oder im Park kickte und anschlie­ßend mit dem BMX-Rad nach Hause fuhr.