Die Handy-Videos vom Flug­hafen in Phil­adel­phia machten in Mexiko schon die Runde, da saßen die Prot­ago­nisten noch im Flug­zeug Rich­tung Heimat. Auf den ver­schwom­menen Film­chen sieht man einen kleinen unter­setzten Mann in Sport­klei­dung, der in der Schlange vor der Sicher­heits­kon­trolle auf einen deut­lich grö­ßeren Mann im dunklen Sakko zugeht und ver­sucht, diesem eine zu langen. Nur, um ihn anschlie­ßend im bestem Stra­ßen­jargon auf­zu­for­dern, vor die Tür zu gehen und die Pro­bleme wie Männer zu klären. Durch den Grö­ßen­un­ter­schied schafft es der Aggressor aber nur, seinen Gegner in den Nacken zu knuffen.
 
Die Laus als Haupt­dar­steller der Fuß­ball-Tele­no­vela

Was wie die Szene aus einer mexi­ka­ni­schen Sei­fen­oper wirkt, trug sich am Mon­tag­morgen zu, kaum zwölf Stunden nachdem Mexiko den Gold-Cup im Finale gegen Jamaika von Trainer Win­fried Schäfer gewonnen hatte. Haupt­dar­steller dieser Fuß­ball-Tele­no­vela waren Miguel Her­rera, zu der Zeit noch Trainer der mexi­ka­ni­schen Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft und Chris­tian Mar­ti­noli, TV-Kom­men­tator von TV Azteca, Mexikos zweitem Fern­seh­sender und seines Zei­chens ein harter Kri­tiker von Her­rera. In Deut­sche über­setzt: als wenn Jogi Löw auf dem Frank­furter Flug­hafen ver­sucht hätte, Béla Rethy eine zu zim­mern.
 
Am Dienstag dann tat der mexi­ka­ni­sche Fuß­ball­ver­band FMF das Unaus­weich­liche: Er setzte den 47-jäh­rigen Her­rera vor die Tür, nur zwei Tage nach dem größten Tri­umph seiner Kar­riere als Natio­nal­mann­schafts­coach. Gewalt hat in der Familie des mexi­ka­ni­schen Fuß­ball­ver­bands nichts zu suchen“, sagte der künf­tige Ver­bands­prä­si­dent Decio de María. Unsere Werte und Prin­zi­pien stehen über den Ergeb­nissen, so gut sie auch sein mögen.“
 
Mit sehr viel Glück ins Finale

Her­reras Trai­ner­lauf­bahn an der Spitze der wich­tigsten Mann­schaft Mexikos dau­erte nur ein Jahr und neun Monate. Und der 3:1‑Sieg im Finale gegen Jamaika bei der Nord­ame­ri­ka­meis­ter­schaft des Fuß­ball-Ver­bands Con­cacaf war über­schattet von einer kata­stro­phalen Leis­tung der Mexi­kaner bei dem Tur­nier. Das End­spiel erreichte Her­reras Team über­haupt nur des­halb, weil die Schieds­richter im Viertel- und Halb­fi­nale höchst frag­wür­dige Elf­meter zugunsten der Mexi­kaner pfiffen.