Seite 2: „Lebendige Tradition“

Nikolce Noveski (1.FSV Mainz 05): Oh Cap­tain, mein Cap­tain!
Das Ver­spre­chen Dir stehen bei uns alle Türen offen“ ist ein Klas­siker am Kar­rie­re­ende. Meis­tens aber leider nur so viel wert wie Lass uns Freunde bleiben“ nach der Tren­nung von der Freundin. Auch Nikolce Noveski wurde von Mainz-Manager Chris­tian Heidel ange­boten, künftig im Klub mit­ar­beiten zu dürfen. Weil sein Ende in Mainz ihm aber erst vor Kurzem mit­ge­teilt wurde, beant­wor­tete er die Frage schön iro­nisch: Viel­leicht in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung!“ Noveski gehörte nie zu den­je­nigen, die den Mund weit auf­rissen. Viele Taten, wenige Worte“ schrieben die Mainzer Fans auf ein Banner zum Abschied und bedankten sich bei einem, der ihrem Verein elf Jahre lang treu blieb.

2004 kam der Maze­do­nier aus Aue. Im Sommer 2007 erreichte er Mainzer Hel­den­status, als er trotz Abstieg und Ange­bote anderer Ver­eine seinen Ver­trag ver­län­gerte. Jürgen Klopp machte ihn zum Kapitän. Noveski ver­kör­pert den Wandel vom immer wieder geschei­terten Fast-Auf­steiger der zweiten Liga unter Klopp zum soliden Erst­li­gisten heute. Leben­dige Tra­di­tion“ nannte Chris­tian Heidel das. In der Bun­des­liga blieb ihm aber zuletzt meis­tens nur der Platz auf der Tri­büne, nur zehn Mal stand er auf dem Feld. Es wurde Zeit zu gehen.

Der Verein ließ seine Kar­riere auf der Video­wand vor­bei­ziehen, die Fans zeigten eine Cho­reo­gra­phie mit Oh Cap­tain, mein Cap­tain“ und skan­dierten minu­ten­lang seinen Namen. Noveski weinte. Er ist Mainzer Rekord­spieler, wird nun Ehren­spiel­führer und auch das wird ihm bleiben: Nie­mand schoss in der Bun­des­liga mehr Eigen­tore: sechs Stück.

Simon Rolfes (Bayer Lever­kusen): Der Planer
Es geht ein Fuß­baller, den Spieler wie Bernd Schneider und Carsten Ramelow im Bun­des­liga-Alltag erzogen. Namen, die aus einer Zeit stammen, in der wir stolz auf unser graues Nokia 3210 waren und in denen es um Snake-High­scores ging.

Seitdem vollzog sich der Wandel vom Nokia zur Smart­watch für Rolfes zu schnell: Das finde ich seltsam“, sagte er vor kurzem über die Art, sich vor allem digital zu unter­halten. Er beschritt eigene Wege, inter­es­sierte sich für Aktien von Toi­let­ten­firmen und grün­dete eine Bera­ter­firma, in der er ab August arbeiten wird.

Rolfes plante sein Kar­riere ver­sessen sorg­fältig. Nachdem er sich im Bremer Dou­ble­si­e­ger­team von 2004 nicht durch­setzte, wech­selte er nach Aachen und trai­nierte gemeinsam mit 400-Meter-Sprin­tern, um Wett­kampf­härte zu erlangen. In Lever­kusen ver­passte er in seinen ersten Jahren kein ein­ziges Bun­des­li­ga­spiel, wurde 2008 Kapitän und spielte im glei­chen Jahr bei der EM. Dort ver­drängten ihn irgend­wann Gün­dogan und Khe­dira, in Lever­kusen aber blieb er bis zum Schluss Stamm­spieler einer Cham­pions-League-Mann­schaft: Eine Kar­riere als Fuß­baller ist wun­derbar und sollte wun­derbar enden“, sagte er. Ein typi­scher Rolfes-Satz, der seine Worte in Inter­views darauf prüfte, ob sie seiner Rolle als lang­fris­tigen Planer gerecht wurden. Es gab das Angebot von Rudi Völler, im Verein zu arbeiten, doch Rolfes möchte selbst­ständig sein, Profis am liebsten 30 Jahre lang durch die Kar­riere begleiten, wie er der Bild“ erklärte. 30 Jahre, das wird span­nend.

Das sind natür­lich nur ein paar Spieler, die wir in Zukunft ver­missen werden. Auch Rafael van der Vaart (Ham­burger SV), Chris­tian Pander, Jan Schlaud­raff (beide Han­nover 96), Filip Daems, Thorben Marx (beide Borussia Mön­chen­glad­bach), Pavel Krmas (SC Frei­burg) und viele andere werden die Bun­des­liga am Ende dieser Saison ver­lassen.