Das Stich­wort ist Eska­la­tion. Geht es in diesen Tagen um Hertha und Hertha-Fans und die Aus­schrei­tungen wäh­rend des Aus­wärts­spiels in Dort­mund, umschwirrt einen das Wort wie hung­rige Wespen ein offenes Glas Mar­me­lade. Denn am ver­gan­genen Samstag in Dort­mund, da seien die Hertha-Fans, die von vielen nur noch soge­nannte Fans“ genannt werden, eska­liert. Hätten sich wie Wilde auf­ge­führt, mehr oder minder grundlos die Sani­tär­an­lagen des Gäs­te­blocks aus­ein­an­der­ge­nommen, seien mit Schaum vorm Mund auf die Polizei los­ge­gangen und, unterm Strich, eine Schande für Verein und Mensch­heit. Sagen die einen.

Die, über die das gesagt wird, sagen etwas anderes: Die nord­rhein-west­fä­li­sche Poli­zisten hätten nicht, wie es bei einem guten Ein­satz der Fall sein sollte, dees­ka­lie­rend gewirkt. Son­dern die Eska­la­tion der Fans gar pro­vo­ziert. Hätten sich, obwohl sie doch genau wissen müssten, dass es sich dabei um das hei­ligste Utensil eines jeden Ultras han­delt, an einer Choreo-Fahne ver­griffen. Mit Pfef­fer­spray auf eine Ord­nungs­wid­rig­keit (das Abbrennen von Pyro im Block) reagiert. Und trügen unter dem Strich also die Ver­ant­wor­tung für die schlimmen Bilder aus dem Gäs­te­block.

Keine Banner, Spruch­bänder, Block­fahnen und Dop­pel­halter

Ges­tern erreichte der seit Jahren offen aus­ge­tra­gene Kon­flikt zwi­schen Verein und Teilen der aktiven Fan­szene dann einen Punkt, der sich getrost als neue Eska­la­ti­ons­stufe bezeichnen lässt. In einer Mit­tei­lung des Klubs, die als Folge einer Sicher­heits­be­spre­chung“ ver­öf­fent­licht wurde, unter­sagt der Verein den Fans für das kom­mende Heim­spiel und bis auf wei­teres“ das Ein­bringen von Ban­nern, Spruch­bän­dern, Block­fahnen und Dop­pel­hal­tern“. Aus­ge­rechnet vor einem Spiel gegen RB Leipzig. Zaun­fahnen und Fan­club-Banner sind von dem Verbot nicht betroffen. Schals, darauf wies der Verein nicht extra hin, dürfen eben­falls getragen werden.

Natür­lich kann man sich fragen, wann und wie das alles, also die Eska­la­tion und die Gegen-Eska­la­tion, die nächste und die über­nächste Eska­la­ti­ons­stufe, eigent­lich ange­fangen hat. Und vor allem: Wann die Kluft zwi­schen Geschäfts­füh­rung und Ultra-Szene so groß wurde, dass man sich auf der gegen­über lie­genden Seite nur noch – und wenn über­haupt – durch laute Schreie Gehör ver­schaffen kann? War es, als der Verein von den eigenen Farben abwich und die Mann­schaft plötz­lich in pinken Tri­kots auf­laufen ließ? War es, als einer der beiden Ultra-Vor­sänger nach einer Nie­der­lage gegen Köln wut­ent­brannt in den Innen­raum stürmte? 

Wir warten sehn­lichst auf deinen nächsten Bur­nout“

War es, als der Verein voll­kommen ohne Not und auf maximal unsen­sible Weise ver­suchte, die Frank-Zander-Ein­lauf­hymne durch einen unmit­gröl­baren Seeed-Song zu ersetzen? Oder war es schon beim ersten Auf­ein­an­der­treffen mit Leipzig 2016, als mit­ge­reiste Hertha-Fans Ralf Rang­nick per Spruch­band mit­teilten, dass sie sehn­lichst“ auf dessen nächsten Bur­nout“ warten würden? Und damit den vom Verein per Wer­be­maß­nahmen und Digi­tal­stra­tegie so schrill ver­ord­neten Welt­of­fen­heits-Kurs mit voller Wucht kon­ter­ka­rierten?