Klaus Augen­thaler, was ist der gra­vie­rende Unter­schied zwi­schen den Vize­welt­meis­tern 1986 und den Welt­meis­tern 1990?
Diese Kader kann man nicht ver­glei­chen.

Warum nicht?
Die Mann­schaft in Mexiko bestand aus zer­strit­tenen Lagern, aus Köl­nern, Münch­nern und Stutt­gar­tern. Da gab es viele Schar­mützel. Becken­bauer legte sich bei der WM zudem mit den Jour­na­listen an, die damals noch bei uns in der Haci­enda lebten. Wir haben in Mexiko viele Fehler gemacht, die wir 1990 in Ita­lien ver­mieden haben.

Zum Bei­spiel?
In Ita­lien kamen die Jour­na­listen nur noch zwei, drei Mal in der Woche zu abge­steckten Ter­minen zu uns ins Quar­tier. Ansonsten hatten wir unsere Ruhe. Und die Har­monie in der Mann­schaft war sehr aus­ge­prägt.

Woran lag das?
Ein Vor­teil war sicher, dass etliche Spieler damals in Ita­lien spielten. Die Ita­liener mochten uns, wir wurden mit offenen Armen emp­fangen. Lothar hatte ein Boot auf dem Comer See, auf dem wir Aus­flüge machen konnten. In Mexiko hatten sie uns in die Savanne ver­frachtet, in Ita­lien erlebten wir Lebens­freude. Und Franz ließ uns fast alle Frei­heiten.

Wie müssen wir uns Aus­flüge auf dem Boot von Mat­thäus vor­stellen?
Wir schip­perten ent­lang der Ufer­pro­me­nade und sahen die Häu­ser­fas­saden vorm Son­nen­un­ter­gang. Das war roman­tisch. Weniger roman­tisch waren die Fahrten zur Anle­ge­stelle. Lothar hatte einen Peu­geot 205. Da bin ich nur ein ein­ziges Mal mit­ge­fahren, weil er so ris­kant die Küs­ten­straßen ent­lang­bret­terte.

Wurde im WM-Quar­tier in Erba viel gefeiert?
Nach den Spielen – die ja aus­nahmslos erfolg­reich für uns liefen – gab es immer ein Ban­kett. Die Räum­lich­keiten waren herr­lich. Ger­hard Mayer-Vor­felder kam nach dem Essen immer zu mir und sagte: Auge, jetzt rau­chen wir mal eine rich­tige Ziga­rette!“

Eine rich­tige Ziga­rette?
MV rauchte damals ohne Filter, also bot er eine von seinen Reval oder Roth-Händle an.

Wie stand Team­chef Franz Becken­bauer zu rau­chenden Profis?
Das war ihm im Prinzip wurscht, wie gesagt, er ließ uns sehr viel Frei­heiten. Bis zu diesem Tur­nier hatte ich es nie erlebt, dass Spieler sich nach dem Essen im Restau­rant eine anzün­deten. Aber zur ita­lie­ni­schen Lebensart passte es, und so wurde eben auch schon am Tisch gequalmt.