Chaos ist beim Ham­burger SV eigent­lich nichts Neues. Seit Jahren lie­fert der Ham­burger SV neben dem Platz Schlag­zeile um Schlag­zeile. Chaos in der Kabine, Chaos in der Trans­fer­pla­nung, Chaos im Vor­stand. Trotz sport­li­chem Auf­wärts­trend muss jetzt aller Vor­aus­sicht nach Dietmar Bei­ers­dorfer gehen, mit Heri­bert Bruch­hagen über­nimmt ein alter Bekannter die Geschicke des Ver­eins. Was auch bedeutet: Das Chaos geht in die nächste Runde.

Doch Trainer Markus Gisdol hat es end­lich geschafft, dieses Chaos in eine posi­tive Form umzu­wan­deln. Aktuell gibt es beim Ham­burger SV nicht nur neben, son­dern auch auf dem Platz Chaos – und das ist von Gisdol genau so geplant. Mit seiner Taktik hat er nicht nur den Wesens­kern des Ham­burger SV der ver­gan­genen Jahre ein­ge­fangen. Er hat vor allem dem Ham­burger SV eine tak­ti­sche Stärke geschenkt, die ihn vom Bun­des­liga-Allerlei abhebt.

Pres­sing, Ver­ti­kal­spiel und wieder Pres­sing

Schon zu Hof­fen­heimer Zeiten war Markus Gisdol für seinen Vollgas-Fuß­ball bekannt. Gis­dols Spiel­phi­lo­so­phie sieht keine Pausen vor. Wenn der Gegner den Ball hat, sollen seine Spieler sofort atta­ckieren. Und wenn sie den Ball erobern, soll sofort nach vorne gespielt werden.

Im Detail sieht Gis­dols Spiel­weise ein aggres­sives Pres­sing und Gegen­pres­sing vor. Aus dem nomi­nellen 4 – 2‑3 – 1‑System rücken per­ma­nent fünf Spieler nach vorne, um den Gegner aktiv am Spiel­aufbau zu hin­dern. Die Drei­er­reihe hinter dem ein­zigen Stürmer steht dabei beson­ders eng, um eine hohe Kom­pakt­heit zu gewähr­leisten. Gis­dols Ham­burger sollen immer eine Über­zahl um den Ball haben, selbst wenn sich der Ball weit in der geg­ne­ri­schen Hälfte befindet.

Auch bei Ball­be­sitz kennt Ham­burg nur eine Rich­tung: nach vorne. Auch hier pos­tiert sich die offen­sive Drei­er­reihe eng anein­ander, die Außen­stürmer rücken häufig ins Zen­trum ein. Die Außen­ver­tei­diger rücken nach und besetzen die Breite. Bereits der erste Pass wird meis­tens nach vorne gespielt, Ball­ge­schiebe und Quer­pässe kennt Ham­burg nicht. Somit setzen die Ham­burger auch häufig auf lange Bälle, wenn sich keine Anspiel­op­tion für den Flach­pass findet. Der aggres­sive Kampf um zweite Bälle gehört zum Wesens­kern einer jeden Gisdol-Mann­schaft.