Man habe doch immer Maß gehalten, betonte Ralf Rang­nick schon zu Zweit­liga-Zeiten gern. RB Leip­zigs Sport­di­rektor strickte an der Legende vom fri­schen Klub, dessen sport­liche Über­le­gen­heit modernen Trai­nings­me­thoden und tak­ti­schen Inno­va­tionen ent­springt – und nicht der Geld­druck­ma­schine eines öster­rei­chi­schen Brause-Barons.

Und jetzt das: Aus dem Geschäfts­be­richt der RB Leipzig GmbH für das Jahr 2015 geht hervor, dass der 2007 aus dem Reagenz­glas geschlüpfte Retorten-Verein schon zu Zweit­li­ga­zeiten einen Jah­res­um­satz von 81,71 Mil­lionen Euro gene­rierte. Das berich­tete die Mit­tel­deut­sche Zei­tung und nahm Bezug auf den im Bun­des­an­zeiger frei ein­seh­baren Jah­res­ab­schluss­be­richt. Allein an Gehalts­kosten brachte der Empor­kömm­ling in diesem Zeit­raum sagen­hafte 32,72 Mil­lionen Euro auf – weit mehr als die Kon­kur­renz, wie über­ra­schend.

Wie ein Klub aus der ersten Liga gewirt­schaftet.“

Pro­fessor Hen­ning Zülch von der Han­dels­hoch­schule Leipzig (HHL) sagte gegen­über dem Blatt zu den Zahlen: Was die Umsätze und Aus­gaben angeht, hat RB Leipzig bereits in der zweiten Liga wie ein Klub aus dem unteren Mit­tel­feld der ersten Liga gewirt­schaftet.“

Das Inter­es­sante daran: RB Leipzig finan­zierte die gigan­ti­schen Auf­wen­dungen, mit denen letzt­lich der Bun­des­liga-Auf­stieg gekauft wurde, nicht – wie andere Ver­eine – groß­teils über die lau­fenden Ein­nahmen aus den Erlösen aus Ticke­ting, TV‑, Marketing‑, Mer­chan­di­sing und Spon­so­ring-Rechten, son­dern bekam gigan­ti­sche Geld­spritzen vom Haupt­sponsor Red Bull, der mit 99 Pro­zent Allein­ge­sell­schafter der RB Leipzig GmbH ist.

Das noch Inter­es­san­tere liegt, wie so oft bei dem juris­tisch aus­ge­klü­gelten Kon­strukt Rasen­ball­sport, im Detail: Die Zuwen­dungen des Geträn­ke­kon­zerns an den, ähem … Verein, sind im Jah­res­ab­schluss 2015 nicht etwa als Spon­so­ring, son­dern als Dar­lehen dekla­riert.

Auf Pump in die Bun­des­liga

Laut des Geschäfts­be­richts hatte RB Leipzig (Stand: 31. Dezember 2015) beim öster­rei­chi­schen Geträn­ke­riesen Ver­bind­lich­keiten in Höhe von 52,38 Mil­lionen Euro ange­häuft. Ein Jahr zuvor hatten diese Ver­bind­lich­keiten ledig­lich 20,11 Mio. betragen. Red Bull schoss also binnen eines Kalen­der­jahres weit über 30 Mil­lionen Euro leih­weise in einen hoch defi­zi­tären Klub, der – flapsig for­mu­liert – auf Pump in die Bun­des­liga reiste. Denn laut Mit­tel­deut­scher Zei­tung“ ist das Geld groß­teils nicht in Infra­struktur, son­dern in Spieler und Gehälter inves­tiert worden. Aller­dings sind die Kre­dite laut des Berichts binnen zwei bis fünf Jahren an den Kre­dit­geber zurück­zu­zahlen. Man wun­dert sich: Wird RBL dazu über­haupt in der Lage sein – ange­sichts der immens hohen lau­fenden Kosten und der nach wie vor über­schau­baren externen Ein­nahmen?

Fragen wie diese ver­schaffen den Machern um Red Bulls Global Head of Soccer, Oliver Mint­zlaff, einmal mehr große Pro­bleme. Denn zum einen wird relativ offen­sicht­lich, dass der deutsch­land­weit extrem pola­ri­sie­rende Klub weiter Schwie­rig­keiten hat, für externe Spon­soren attraktiv zu werden. Als grobe Richt­linie für die Erfül­lung des Finan­cial Fair­play auf UEFA-Ebene gilt, dass Geld­geber nur bis zu einem Drittel der Ver­eins­ein­nahmen lie­fern dürfen, ansonsten könnte die Uefa den Klub für den inter­na­tio­nalen Wett­be­werb sperren. Indem Red Bull die Zah­lungen zu Kre­diten erklärt, ver­rin­gert man zumin­dest den eigenen Anteil am Spon­so­ring­ku­chen – ein cle­verer Schachzug, einer­seits.

Ande­rer­seits ruft ein sol­cher Schul­den­berg, wie ihn Leipzig nun vor sich her­schiebt, natür­lich mehr denn je den Arg­wohn der UEFA-Regel­hüter auf den Plan, die RBL auch wegen deren Ver­flech­tungen mit dem eben­falls von Red Bull beatmeten Schwes­ter­klub RB Salz­burg ein­ge­hend durch­leuchten. Laut Salz­burger Nach­richten“ hat der Kon­ti­nen­tal­ver­band bereits signa­li­siert, dass RBL und RBS in der kom­menden Saison kei­nes­falls gemeinsam in den euro­päi­schen Wett­be­werben starten dürften.

Die Zahlen für 2016 dürften hoch inter­es­sant sein

Wirt­schafts­pro­fessor Zülch erklärte in der Mit­tel­deut­schen Zei­tung“, dass RB Leipzig seine Ein­nahmen künftig stärker aus dem Umsatz­pro­zess heraus gene­rieren müsse. Dieser Pro­zess habe bis­lang noch nicht statt­ge­funden“, sagt Zülch. Die Erlöse durch externe Wer­bung, TV-Ver­mark­tung, Handel und Ticke­ting müssen massiv steigen, wenn RB Leipzig keine Pro­bleme mit Finan­cial Fair Play (FFP) bekommen will.“

Dabei werde RB Leipzig seine Finanzen künftig noch detail­lierter offen­legen müssen, so Zülch, denn mit Jah­res­um­sätzen von über 40 Mil­lionen Euro in zwei hin­ter­ein­ander fol­genden Geschäfts­jahren werde RB laut Han­dels­ge­setz­buch künftig als große Kapi­tal­ge­sell­schaft ein­ge­stuft und müsse Geld­flüsse, wie die Auf­tei­lung der Umsatz­er­löse für 2016, dif­fe­ren­zierter auf­schlüs­seln. Schon die Zahlen für das Geschäfts­jahr 2016 dürften hoch inter­es­sant sein – auf­schluss­reich auch für die Herren von der UEFA.