Der 9. Juli 2006 sollte zu einem ganz beson­deren Tag für sie werden. Lange hatte sie auf ihren Ein­satz gewartet, die auf­kei­mende Stim­mung im Land eher im Ver­bor­genen beob­achtet und an sich selbst, an den Details gear­beitet. Dass der Auf­tritt hin­aus­ge­zö­gert werden sollte? Geschenkt. Dass nicht die deut­sche, son­dern die ita­lie­ni­sche Mann­schaft den WM-Pokal erhalten sollte? Nun gut. Ihr war das nicht wichtig. Sie war bereit.

Kurz bevor Fabio Grosso den letzten Elf­meter ver­wan­delt hatte, kämmte ihr noch jemand über das neue Haar. Ein grün­li­cher Kunst­ra­sen­tep­pich, per­fekt abge­stimmt zum perl­mutt­weißen Dekol­letee. Billig wirkten allein die Auf­kleber seit­längs. Doch es gab kein Zurück mehr. Sie, die Ehren­tri­büne zur Sie­ger­eh­rung, wurde schon her­ein­ge­tragen.

Ein­fach zurück­ge­lassen

Elf Jahre danach steht sie noch immer in Berlin. Nur wenige hun­dert Meter vom eins­tigen Ort des Jubels, der Tränen und der Kon­fet­ti­ka­nonen ent­fernt. Die Tri­büne, sie wurde zurück­ge­lassen, als Freude und Feier wei­ter­zogen.

Der Besu­cher muss nicht lange suchen, um sie zu finden. Vorbei an freund­li­chen Gesich­tern am Ein­gang des Olym­pia­parks, die einem gern den Weg zeigen. Oft haben sie das schon getan, ein zweites Mal kam keiner. Ent­lang des Trai­nings­ge­ländes von Hertha BSC, links­herum am Gerä­te­schuppen der Platz­warte, gegen­über vom ehr­wür­digen Olym­pia­be­cken, das gerade auf­wändig reno­viert wird, steht die Tri­büne auf unab­ge­schlos­senem Gelände. Es ist ein Trau­er­spiel.

Wie ein aus­ran­giertes Raum­schiff

Das Moos hat sich längst seinen Weg gebahnt, ist mit dem Kunst­rasen zu einem pati­na­grünen Tep­pich geworden. Einsam steht die Tri­büne dort, in ihren Ein­zel­teilen ver­sprengt und mit der Schnauze voraus als hätte die USS Enter­prise über Berlin-Ruh­leben einen tech­ni­schen Defekt notiert und wäre neben dem Sta­dion abge­stürzt.