Neu­lich, im Trai­nings­lager in Ste­gers­bach, hat ein Fan von Hertha BSC per Telefon von seinen Ein­drü­cken in die Heimat berichtet. Das sehe alles wirk­lich gut aus, erzählte er, und sogar der Ess­wein läuft“. Das war natür­lich ein biss­chen gemein gegen­über Alex­ander Ess­wein, dem Offen­siv­spieler des Ber­liner Fuß­ball-Bun­des­li­gisten. Aber der Scherz auf seine Kosten sagt einiges über die Erwar­tungen, die in der Vor­be­rei­tung mit ihm ver­bunden waren. Es gab keine. Die nicht vor­han­denen Erwar­tungen aber hat Ess­wein schon jetzt deut­lich über­troffen.

Erster Ein­wech­sel­spieler

Zwei Pflicht­spiele hat Hertha in dieser Saison bestritten. In beiden stand Ess­wein auf dem Platz, nachdem er als erster Spieler von Trainer Ante Covic ein­ge­wech­selt worden war. Im Pokal gegen Eich­stätt kam er zur zweiten Halb­zeit, berei­tete ein Tor vor und traf selbst zum 5:1‑Endstand. Und beim Liga­auf­takt gegen Bayern Mün­chen war es Ess­wein, der für Kapitän Vedad Ibi­sevic kam – und nicht Davie Selke. Natür­lich habe ich nicht damit gerechnet, gleich als erster Spieler ein­ge­wech­selt zu werden“, sagte er. Umso mehr habe ich mich gefreut. So wie es bis jetzt läuft, bin ich sehr zufrieden.“

Dass Ess­wein bei Hertha über­haupt noch mal eine Rolle spielen würde, war vor ein paar Wochen eher nicht zu erwarten. Im ver­gan­genen halben Jahr war er an den VfB Stutt­gart aus­ge­liehen, wo er in einer düs­teren Rück­runde noch zu den posi­tiven Erschei­nungen gehört hatte. Lange sah es sogar so aus, als würde aus dem Leih­ge­schäft eine feste Anstel­lung bei den Schwaben werden und Hertha zwei Mil­lionen Euro Ablöse für Ess­wein kas­sieren.

Streich­kan­didat

Doch mit dem Abstieg des VfB aus der Bun­des­liga wurde dieser Plan hin­fällig. Ess­wein kehrte nach Berlin zurück, schien bei Hertha aber eher erduldet als wirk­lich erwünscht zu sein. Als nach den ersten Wochen der Vor­be­rei­tung spe­ku­liert wurde, wer wohl noch aus dem Kader gestri­chen werden würde, wurde auch sein Name immer wieder genannt.

Im Sommer 2016 ist Ess­wein vom FC Augs­burg nach Berlin gekommen. 45 Bun­des­li­ga­spiele hat er in zwei­ein­halb Jahren bis zu seinem Wechsel nach Stutt­gart für Hertha bestritten, dabei vier Tore geschossen. Eine feste Größe, Stamm­spieler ohne Wenn und Aber, ist er nie gewesen. Ess­weins Glück war, dass Pal Dardai in diesem Sommer von Ante Covic als Trainer abge­löst wurde. Unter Dardai hatte er in der Hin­runde der Vor­saison kein ein­ziges Mal spielen dürfen, nur einmal stand er im Kader. Für Covic hat all das keine Rolle gespielt. Das ist das Schöne an einem Trai­ner­wechsel. Auch Spieler, die lange außen vor waren, wit­tern plötz­lich wieder ihre Chance. Er hat viele Ein­zel­ge­spräche geführt und jedem ein gutes Gefühl gegeben“, sagt Ess­wein über Her­thas neuen Chef­trainer.

Start bei Null

Covic hat nicht das bewertet, was war; er hat das bewertet, was er im Trai­ning gesehen hat: Und das war bei Ess­wein vor allem, dass er willig und fleißig ist und um seine Chance kämpft. Bei ihm haben alle bei null ange­fangen, jeder hat seine Chance bekommen“, sagt Ess­wein über Covic.

Natür­lich ist es unwahr­schein­lich, dass Ess­wein mit inzwi­schen 29 und knapp zwölf Jahre nach seinem Debüt als Profi noch einmal richtig durch­startet. Die Kon­kur­renz für die Außen­po­si­tionen ist nicht ohne, zumal es bei Hertha noch eine wei­tere Ver­pflich­tung für die Offen­sive geben könnte. Aber die beiden Ein­wechs­lungen haben auch gezeigt, dass Ess­wein bei Covic kei­nes­wegs abge­schrieben ist.

Was lief mit Dresden?

Dank seiner Schnel­lig­keit ist er prä­de­sti­niert für Kon­ter­si­tua­tionen und damit ein Mann für bestimmte Momente. Ich hätte aber auch nicht den Kopf hängen lassen, wenn ich in den ersten beiden Spielen nicht im Kader gewesen wäre“, sagt Ess­wein. Andert­halb Wochen sind es noch, bis in Deutsch­land die Trans­fer­pe­riode endet. Bis dahin wird es womög­lich auch noch Spe­ku­la­tionen rund um Ess­wein geben. Zuletzt hieß es, Dynamo Dresden sei an seiner Ver­pflich­tung inter­es­siert. Alex­ander Ess­wein schmun­zelt, als er auf das Gerücht ange­spro­chen wird. Von dem Inter­esse weiß ich nichts“, sagt er. Für mich ist ganz klar, dass ich hier bleibe.“