Steffen Baum­gart ist ein grad­li­niger Mann voller Energie, der am Sei­ten­rand jah­re­lang kraft­voll Kaf­fee­stäb­chen zer­kaute und nun Kau­gummis. Als Trainer hat er den SC Pader­born in zwei wun­der­baren Jahren vom Rand der vierten Liga in die Bun­des­liga geführt und erklärt daher ver­ständ­li­cher Weise, dass er, trotz nur einem gewon­nenen Punkt aus den ersten sieben Spielen der Saison, seinen Weg nicht ver­lassen möchte. Wir werden gucken, dass wir mit unserem Fuß­ball unsere Punkte holen“, hat er in dieser Woche in einem Fern­seh­in­ter­view gesagt und ver­mut­lich bei etli­chen Gele­gen­heiten mehr. Pader­borns Fuß­ball gefällt den meisten Zuschauern zu Recht auch bes­tens, weil auf dem Platz immer etwas los ist. Nur: Ist das wirk­lich der rich­tige Kurs zum Klas­sen­er­halt?

Lieber 6:2 als 1:0

Schon in der letzten Zweit­liga-Saison gewann Pader­born eher 3:2 als 1:0 und auch mal 6:0 oder 6:2. Gemessen an der Zahl der geschos­senen Tore hatte Baum­garts Mann­schaft die zweit­beste Offen­sive hinter jener mit Star­stür­mern besetzten des 1.FC Köln – aller­dings hatte Pader­born nur die siebt­beste Abwehr. Ähn­li­ches war es in der 3. Liga beim Auf­steiger SV Wehen. Das Team aus Wies­baden hatte den besten Sturm, aber nur die neunt­beste Abwehr. Und in Eng­land gab es ein wei­teren Auf­steiger, der diesem Muster folgte: Nor­wich City zeigte unter dem deut­schen Trainer Daniel Farke mit­rei­ßenden Fuß­ball auf dem Weg in die Pre­mier League und schoss fast 100 Tore – aller­dings hatte die Mann­schaft nur die acht­beste Defen­sive in Eng­lands zweiter Liga.

Nun ist es nicht ver­wun­der­lich, dass Mann­schaften, die viele Tore schießen, den Auf­stieg schaffen. Aber es gibt auch andere Wege, wie Nor­wichs Mit­auf­steiger Shef­field United zeigt, der es mit der besten Defen­sive, aber nur den viert­besten Offen­sive in die Pre­mier League schaffte. Der VfL Osna­brück stieg mit der besten Defen­sive und dem dritt­besten Angriff in die Zweite Liga auf. Und der 1.FC Union Berlin erreichte die Bun­des­liga erst­mals in seiner Ver­eins­ge­schichte, in dem er die weitaus besten Defen­sive der Zweiten Liga stellte (neun Gegen­tore weniger als das zweit­beste Team), aber nur die sechst­beste Offen­sive.

Was ist besser?

Nun haben alle Auf­steiger ver­sucht, sich für die neue Liga dort zu ver­bes­sern, wo sie zuvor nicht so stark waren. Aber im Prinzip gingen die einen, wie Pader­born oder Nor­wich, auch die neue Spiel­klasse eher offensiv an, wäh­rend Union oder Shef­field eher defensiv ori­en­tiert sind. Aber was ist denn nun besser?