Eigent­lich passte Mats Hum­mels das alles nicht. Gerade eben hatte seine Mann­schaft im Ber­liner Olym­pia­sta­dion mit einem 3:0 Erfolg über Hertha BSC das Pokal­fi­nale erreicht, da wollte die Sky-Repor­terin ihn bereits zu seiner Zukunft befragen. Miss­mutig ver­schwand der Dort­munder Kapitän im TV-Trakt der Mixed Zone, ver­folgt von seinem Team­kol­legen Sven Bender, der von einer gemein­samen Zukunft im BVB-Trikot träumte. Hum­mels sprach ein paar Worte, die nicht nur Bender ent­täuschten.

Die Bayern-Rück­kehr als größt­mög­li­cher Verrat

Gut eine Woche später erklärte sich die Borussia Dort­mund GmbH & Co. KGaA in einer Ad-Hoc-Mitt­tei­lung: Der Spieler Mats Julian Hum­mels („Spieler“) hat der Borussia Dort­mund GmbH & Co. KGaA („Borussia Dort­mund“) mit­ge­teilt, mit Wir­kung zur kom­menden Saison 2016/2017 zur FC Bayern Mün­chen AG („Bayern Mün­chen“) wech­seln zu wollen.“

Zwar hatten die Bayern da noch über­haupt kein Angebot abgeben“, aber das sollte noch pas­sieren und so ver­ließen inner­halb eines Som­mers Mats Hum­mels, Ilkay Gün­dogan und Hen­rikh Mkhi­ta­ryan den von Thomas Tuchel trai­nierten BVB. Waren die Wechsel von Gün­dogan und Mkhi­ta­ryan für die Dort­munder Fans zwar ärger­lich, betrach­teten sie Hum­mels‘ Bayern-Rück­kehr als größt­mög­li­chen Verrat. Das Sta­dion ver­ab­schie­dete ihn mit Pfiffen. Hum­mels sah drüber hinweg. Für ihn waren es viel­leicht 300 Ultras, die Stim­mung gegen ihn machten. Der Rest würde ihn wei­terhin ver­ehren, seine Beweg­gründe ver­stehen. Damit lag er daneben. Der Verrat wog schwerer als jeder Beweg­grund.

Mit Hum­mels als Kapitän in die Krise

Über­haupt: Sein Abgang passte in das Bild der zwei Hum­mels-Jahre seit dem WM-Titel. Kaum war Hum­mels Kapitän, stürzte der Verein in eine tiefe Krise, die letzt­end­lich zum Ende der Klopp-Ära führte. Nach schlechten Spielen stellten sich Sebas­tian Kehl und Roman Wei­den­feller den Fans und Hum­mels ver­ab­schie­dete sich in die Kabine. Den Verein nahm er nicht mit. Das war die eigent­liche Ent­täu­schung. Es folgte die schlei­chende Ent­frem­dung und der Abgang als Bestä­ti­gung dieser. Diesen Mix haben die Fans ihm bis heute nicht ver­ziehen. 

In seinen Mün­chener Jahren ver­schwand Hum­mels zwar aus dem Sicht­feld der meisten Fans, auf dem Radar der Ver­eins­füh­rung blieb er. An der B1 hielt man ihm alle Türen offen. Ich gehe davon aus, dass wir uns wie­der­sehen und ich kann Dir eins sagen… Du bist beim BVB immer extrem will­kommen“, gab ihm BVB-Geschäfts­führer Hans-Joa­chim Watzke mit auf den Weg nach Mün­chen.