Manchmal, weiß man aus dem wahren Leben, ist irgend­wann die Kopie besser als das Ori­ginal. Weil die Pla­gia­toren Nuancen noch­mals ver­fei­nert haben und ihre ganz spe­zi­ellen Fähig­keiten ein­bringen. Das tut den­je­nigen weh, die das Ori­ginal für sich bean­spru­chen. Umso mehr, wenn man erkennen muss, dass es an der neuen Rezeptur wohl kaum noch etwas zu ver­bes­sern gibt.

So in etwa müssen sich die Spieler von Borussia Dort­mund am späten Mitt­woch­abend nach dem deut­schen Pres­sing-Gipfel in den Kata­komben der Allianz-Arena gefühlt haben. Zwei Jahre lang hatten die Schwarz-Gelben mit ihrem scheinbar per­fekten Spiel gegen den Ball Spieler und Ver­ant­wort­liche des FC Bayern Mün­chen zur Ver­zweif­lung getrieben. Ja, die erfolgs­ver­wöhnte Bayern-Seele wirkte tat­säch­lich trau­ma­ti­siert. Aber man zog seine Schlüsse und arbeitet akri­bisch am eigenen Spiel, ins­be­son­dere an dem ohne Ball. Im Herbst konnte der BVB beim 1:1 im Meis­ter­schafts­spiel die Wach­ab­lö­sung in der Pres­sing-Hoheit des deut­schen Fuß­balls gerade noch so ver­hin­dern. Jetzt im Pokal war sie offen­kundig.

Wir haben den Mut in der Kabine gelassen“

Dabei spielen die Bayern in dieser Saison nicht nur gegen, son­dern auch mit dem Ball ein­deutig besser. Besser als der FC Bayern Mün­chen der Vor­jahre, besser aber auch als der BVB von heute. Mögen die Räume noch so eng sein – und am Mitt­woch schien bis­weilen das Spiel­feld der Allianz-Arena auf die Größe eines Ten­nis­courts zusam­men­zu­schrumpfen – irgend­etwas geht immer. Und dass die Bayern-Maschi­nerie in den ersten 45 Minuten gegen die BVB-Offen­siv­ab­tei­lung um Mario Götze, Marco Reus und Robert Lewan­dowski – die der­zeit immerhin zum Besten gehört, was es in Europa gibt – keine ein­zige Mög­lich­keit zuließ, war das Beein­dru­ckendsten an diesem Abend, wohl auch für Jürgen Klopp, wie einem seiner Sätze zu ent­nehmen war.
Wir haben den Mut in der Kabine gelassen“, fand Ilkay Gün­dogan als Erklä­rung für die Chan­cen­lo­sig­keit seines Teams im ersten Durch­gang. Wir waren so abwar­tend, so passiv. Wir haben mies gespielt.“

Dabei hatte sein Trainer vor der Partie noch fest­ge­stellt, dass der BVB einer der wenigen Ver­einen auf diesem Pla­neten ist, die den FC Bayern schlagen können“. Aber, musste Jürgen Klopp nach der Partie ein­ge­stehen, nur einmal 45 Minuten gut Fuß­ball zu spielen, reicht der­zeit gegen den FC Bayern nicht aus. Immerhin, machte Klopp sich und seinen Schütz­lingen Mut, hat die zweite Halb­zeit gezeigt, dass wir sie schnappen können.“ Viel­leicht schon in der Cham­pions-League, werden die Opti­misten unter den BVB-Fans hoffen.

Thomas Müller gab der­weil zu, dass im Bayern-Lager vor dem Pokal-Duell – trotz der Über­le­gen­heit in der Liga – schon ein gewisser Druck geherrscht habe. Immer die glei­chen Fragen“ hätten er und seine Mit­spieler sich stellen lassen müssen. Wann näm­lich end­lich der BVB geschlagen wird. Dass es jetzt soweit war, schien Müller nicht über die Maße auf­zu­wühlen. Am schönsten ist“, dik­tierte der Bayern-Spieler in die Blöcke der Jour­na­listen, dass wir defensiv wieder sehr gut gear­beitet haben.“

Genug­tuung auf allen Ebenen

Ähn­liche Worte waren zuvor schon Arjen Robben über die Lippen gegangen – obwohl der sich gerade mit einem Traumtor vom BVB-Trauma selbst the­ra­piert hatte. Ein nach dem Schluss­pfiff auf dem Rasen kni­ender Robben, der zum Zei­chen seiner Genug­tuung mit den Händen auf den Rasen getrom­melt hatte, war einem still genie­ßenden und das Kol­lektiv beschwö­renden Robben wieder gewi­chen. Ganz so wie sich das der Trainer Jupp Heynckes wünscht.

Genug­tuung ver­spürte ganz sicher auch Rob­bens oberster Chef, obgleich er das im Inter­view eben­falls nicht explizit zugeben wollte. Was wie­derum der Sze­nerie ange­sichts der weit geöff­neten Ton-Bild-Schere eine gewisse Komik ver­lieh. Ja, hatte Uli Hoeneß zuvor auf die rhe­to­ri­sche Frage seiner Gesprächs­part­nerin geant­wortet, mit diesem Spiel sei die Vor­macht­stel­lung wieder zurück. Die deut­schen Ver­hält­nisse sind geklärt“, setzte der Bayern-Prä­si­dent hinzu. Als gehe es jetzt nur noch darum, den euro­päi­schen Fuß­ball­raum zu erobern. Das rich­tige Pres­sing dafür haben die Bayern schon ver­in­ner­licht.