FC Augs­burg
Augs­burg gegen Hof­fen­heim. In Sachen Emo­tio­na­lität klingt das in etwa so, als würde Karl Lau­ter­bach in Slow Motion die Gebrauchs­an­wei­sung einer Sup­pen­kelle vor­lesen. Als Video­schalte, ohne Ton und ohne Zuschauer. Aber nichts da. Als hätten sie das kol­lek­tive Seufzen in deut­schen Wohn­zim­mern beim Blick auf die Spiel­tags­paa­rung gehört, begannen die Augs­burger am Samstag wilder als eine Horde aus der Tech­no­szene, die sich nach ewigen Monaten zum ersten Mal wieder in einem abge­ranzten Bunker bei bal­lerndem Stro­bo­licht zu elft in die Toi­let­ten­ka­bine zwängt. Harte Zeiten erfor­dern harten Techno. Und Augs­burg darf nun end­gültig auf eine wei­tere (harte) Saison in Liga eins setzen.

Ruben Vargas
Rannte, ackerte, schoss, traf erst zum 1:0, zau­berte Hahn dann einen 50-Meter-Flug­ball in den Lauf zum 2:0. Und kam nach 45 Minuten nicht zurück aufs Feld. Effi­zi­en­tere Arbeits­mo­delle sieht man ansonsten nur bei hippen Start-ups, wo die Work-Life-Balance key ist. Hier wird sich geduzt, bis 12 Uhr werden noch zwei Deals gec­losed und nach der Poké Bowl zum Mittag wird die Bench­mark höher ange­setzt. Pace, Pace, Pace heißt das. Und gegen 14 Uhr machen wir Schluss für heute, dann gibts ein kleines Get-tog­e­ther mit über­teu­ertem Stark­bier.

Hannes Wolf
Ein ähn­lich inter­es­santes, weil span­nendes Arbeits­mo­dell ist in Lever­kusen ver­gan­gene Woche ange­laufen. Neu-Trainer Hannes Wolf ist näm­lich vom DFB aus­ge­liehen und soll die Saison zu Ende bringen. Sind aus­ge­lie­hene Trainer jetzt der neue Scheiß? Und findet ein aus­ge­lie­hener Trainer nach einer halben Saison zwi­schen Bank- und Tri­bü­nen­platz auch nur noch auf den aus­geb­li­chenen Plas­tik­be­chern im Sta­dion statt? Fragen wir mal bei Mas­simo Oddo, Flávio Con­ceicao und Michel Bastos nach.

Filip Kostic
Kostic assis­tiert mit einer Zuver­läs­sig­keit, wie es sonst nur Harvey Spec­ters Sekre­tärin Donna in der Anwalts­serie Suits kann. Nahm in Dort­mund Anrufe an, schred­derte Akten und führte Feed­back­ge­spräche mit den Praktis. Legte erst Schulz den Eigentor-Bericht auf den Schreib­tisch, ser­vierte später Andre Silva den 0,2er-Granini-Apfelsaft auf dem Sil­va­tablett. Ganz klarer Mit­ar­beiter des Monats. Und das seit Jahren.

Stefan Ils­anker
Neben Kostic war Stefan Ils­anker bester Mann auf Frank­furter Seite. Der manchmal etwas höl­zern her­um­bol­zende Ils­anker nahm den manchmal etwas geis­tes­krank her­um­bol­zenden Erling Haa­land am Wochen­ende aus dem Spiel, als wäre der Nor­weger nichts weiter als eine auf­dring­liche Stech­mücke, die sich ins Wei­zen­glas ver­irrt hat und die Ils­anker ent­nervt aus dem Schaum pulen muss, um sie anschlie­ßend unter die Bier­zelt­gar­nitur zu schmieren.

Die emo­tio­nale Abge­stumpft­heit von Michael Born
Der Sky-Kom­men­tator meckerte mit einer Mono­tonie in der Stimme gegen Union und Hertha wie ein resi­gnierter Ber­liner Taxi­fahrer, vor dessen Augen seine Stadt zugrunde geht. Es fing an mit der Pyro­technik der Unioner Fans vor dem Spiel, später jam­merte Born über das Spiel, über die Corona-Situa­tion und resü­mierte am Ende des Tages, der Schieds­richter sei der beste Mann auf dem Platz gewesen. Wie schön wäre das, mal so wenig Bock auf Fuß­ball zu haben, so abge­stumpft zu sein wie Michael Born? Das würde uns vieles ersparen. Leipzig im Titel­rennen? Na ja, dann ist das span­nende Pro­jekt­chen eben doch für etwas gut. Bayern wieder Meister? Na jut, machste nix. Con­fe­rence League? Ob Uefa Cup, Europa League, Ui Cup, Cham­pions League, Con­fe­rence League, Was-Auch-Immer-League. Ist doch einerlei.

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