Seite 2: Beim Krippenspiel in der Kirche

Beim Krip­pen­spiel in der Kirche

Freund 1 (abwin­kend): Die spielen schon wieder genau die gleiche Scheiße wie letztes Jahr.
Freund 2: Wahn­sinn. Was trai­nieren die eigent­lich in den Proben?
Freund 1: Tja, Schau­spiel bestimmt nicht. *Gelächter*
Freund 2: Da passt nix. Gar nix. Guck dir das an, das Jesus­kind liegt nur auf dem Boden. In einer Tour. (Ruft rein) Steh auf, Mann!
Umsit­zende: Psssssscht!!!
Freund 2: Ja is doch wahr.
Freund 1: Ver­stehe nicht, warum der Pastor den über­haupt auf so einer zen­tralen Posi­tion ein­setzt? Der ist da doch völlig über­for­dert.
Freund 2: Der war letztes Jahr noch ein Schaf. Und soll jetzt hier die Kohlen aus dem Feuer holen, oder was? In 2000 Jahren Kir­chen­ge­schichte habe ich noch nicht so eine ver­fehlte Kader­pla­nung gesehen. Da müssen sich alle hin­ter­fragen, in der ganzen Diö­zese. Meine Mei­nung.
Freund 1: Kommt aus der Kir­chen­ju­gend ja auch nichts nach. Da brauchste dich nicht wun­dern. Guck dir den Josef doch an, wie er da rum­steht. Haupt­sache keine Ver­ant­wor­tung über­nehmen.
Freund 2: Du sagst es. Keiner traut sich was zu, keiner hat mal ne Idee. Immer alles nach Schema F‑Dur.
Freund 1: Tss. Aber Haupt­sache, die hei­ligen Könige wieder in ner Drei­er­kette auf­laufen lassen. Sieht doch n Blinder, dass da die Abstände nicht stimmen. (Ruft rein): Ey, Bal­thasar, dat soll n anstän­diger Psalm sein? Dat kann meine Omma ja besser.
Umsit­zende: Pssssscht!
Bal­thasar auf der Bühne: *heult*
Freund 1: Ja is doch wahr.
Pastor (kommt wütend zum Platz): Ruhe jetzt hier. Lassen Sie die Kinder in Frieden.
Freund 2: Hömma, ich komm‘ seit 30 Jahren zum Krip­pen­spiel, bei Wind und Wetter. Du hast mir gar nix zu sagen, du Hafensänger.
Pastor: Ist das Dosen­bier?! RAUS!
* Hand­ge­menge *

Abends beim Sekt

Mann: Prost, Schatz, auf uns. Und auf das ver­gan­gene Jahr. Ich hoffe, dass wir in der Rück­runde an die größ­ten­teils guten Leis­tungen anknüpfen können.
Frau: Ja gut, wie gesagt, das war eine sehr inten­sive Saison. Ich denke, wir werden uns im Winter zusam­men­setzen und dann in Ruhe über die zukünf­tige Aus­rich­tung spre­chen.
Mann (irri­tiert): Was soll das denn heißen?
Frau: Klar, ich habe hier bei dir einen gül­tigen Ehe­ver­trag, und den respek­tiere ich. Aber es kann immer was pas­sieren. In meiner der­zei­tigen Form bin ich sicher­lich auch für andere inter­es­sant. Und wenn ein junger, dyna­mi­scher Zahn­arzt kommt und ernst­haftes Inter­esse signa­li­siert, werde ich mir das natür­lich anhören. Das ist ja auch ein Stück weit eine Wert­schät­zung. Natür­lich macht mich das auch stolz.
Mann: Was denn für ein Zahn­arzt? Etwa Dr. Müller von nebenan?
Frau: Das möchte ich weder bestä­tigen noch demen­tieren. Aber klar ist: Es gab bereits in der Ver­gan­gen­heit immer mal wieder Inter­es­senten. Das hat sich zwar nicht rea­li­sieren lassen, aber der Kon­takt ist nie ganz abge­rissen. Sollte das Inter­esse jetzt noch einmal kon­kret werden, müssen wir uns zusam­men­setzen. Viel­leicht will ich auch den nächsten Schritt machen. Ich muss schauen, was für meine Ent­wick­lung das beste ist.
Mann: Ohgott, du willst mich ver­lassen?
Frau: Das habe ich nicht gesagt. Ich fühle mich hier sehr wohl und spüre das Ver­trauen. Aber ich kann auch nichts aus­schließen, es ist alles offen. Am Ende des Tages müssen wir eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind und nach der wir uns noch in die Augen schauen können. Aber es ist noch zu früh, Was­ser­stands­mel­dungen abzu­geben. Wenn es eine Ent­schei­dung gibt, erfährst du es als erstes, ver­spro­chen. Noch Sekt?
Mann: *weint*