Tod­lang­weilig sei es, das zu sehen, sagt man­cher Zuschauer. Zer­mür­bend ist es, sagen die Gegner. Die Spa­nier zeigen bei dieser EM nicht so spek­ta­ku­lären Offen­siv­fuß­ball wie in den Jahren zuvor, in defen­sive Pro­bleme sind sie aber nur selten gekommen. Da war schon viel­ver­spre­chend, wie Teams wie Kroa­tien und Ita­lien das Pass­spiel der Über­mann­schaft im Mit­tel­feld zer­störten – eigene Tore sind dann der nächste Ent­wick­lungs­schritt bei der Dechif­frie­rung des Welt- und Euro­pa­meis­ters. Oder man lässt das mit dem Zer­stören gleich aus, setzt auf die eigene Stärke und schenkt das Zen­trum her.

Por­tugal hat nicht die Spieler und nicht die Mann­schaft, sich hier gesam­melt den Spa­niern ent­ge­gen­zu­stellen, eine solche Abwehr­taktik würde auch der eigenen Auf­fas­sung von Fuß­ball über­haupt wider­spre­chen. Die Grenzen der Spiel­sys­teme ver­schwimmen inzwi­schen auch wäh­rend der 90 Minuten (Spa­nien spielt ein 4−2−4, 4−5−1 oder ein 4−6−0), das System Por­tu­gals ist aber wäh­rend des gesamten Spiels deut­lich ein 4−3−3 mit drei Offen­siv­spie­lern, die – heut­zu­tage unüb­lich – nur spo­ra­disch am Defen­siv­spiel teil­nehmen. Seit dem Abschied Rui Costas und Decos hat Por­tugal keinen krea­tiven Spiel­ma­cher, der ein­zige mög­liche Nach­folger Danny hat einen Kreuz­band­riss. So ist die Mann­schaft kom­plett auf die beiden über­ra­genden Außen­spieler Nani und Cris­tiano Ronaldo aus­ge­richtet, die oft in die Mitte ziehen und den Abschluss suchen. Ihre Posi­tion wird dann von den auf­rü­ckenden Außen­ver­tei­di­gern besetzt. Die beiden Außen bekommen den Ball aber nicht immer leicht, in der defen­siven Drei­er­reihe im Mit­tel­feld gibt es keinen her­aus­ra­genden Pass­geber. Der gut anti­zi­pie­rende Miguel Veloso ist zudem damit beschäf­tigt, die extrem zwei­kampf­starken, aber im Posi­tions- und Auf­bau­spiel nicht feh­ler­losen Innen­ver­tei­diger zu unter­stützen. Er wird oft ein­greifen müssen, wenn Spa­nien wie üblich durch die Mitte kommt.