Was ist neu: Zum Bei­spiel Innen­ver­tei­diger Maxim Leitsch. Oder Spiel­ma­cher Angelo Ful­gini. Aber hält ein Stefan Bell für Mainz 05 noch immer seine Gräten rein, dann ist eigent­lich alles wie gehabt, die Neue Welt­ord­nung noch nicht Rea­lität und dann fällt auch erst bei näherer Betrach­tung auf, dass die Stamm-Innen­ver­tei­di­gung aus Moussa Niak­haté und Jere­miah St. Juste gar nicht mehr da ist. Stefan Bell, ein Spieler wie Salz in der Küche. Fällt erst auf, wenn er fehlt. Die Mainzer Ant­wort auf Philipp Barg­f­rede. Immer da, nie wahr­ge­nommen. Doch er steht auch exem­pla­risch für den Verein: Denn Mainz 05 ist längst kein kul­tiger Kar­ne­vals­klub mehr, son­dern eine Graumaus dieser Liga, etwas farblos, etwas unge­achtet. Aber wie geht ein altes Meenzer Sprich­wort? Lieber eine graue Maus als ein bunter Hund.

Was ist gleich geblieben (ver­dammt nochmal): Dass der Klub keinen Spieler über lang halten kann, der offen­sicht­lich über dem Niveau aller anderen zockt. Das Pro­blem haben die Mainzer kei­nes­falls exklusiv, in diesem Trans­fer­fenster musste sie es aller­dings mal wieder schmerz­lich erfahren. Zuvor­derst die Abgänge von Niak­haté und St. Juste taten weh, aber auch Jean-Paul Boë­tius ist weg. Womög­lich werden auch Jona­than Burk­hardt und Anton Stach dem­nächst die Schuhe für Ver­eine wie den VfL Wolfs­burg oder die TSG Hof­fen­heim schnüren. That’s the Circle of Life! Zwar fangen die Mainzer die Abgänge meist dank guter Arbeit im Scou­ting auf, eine wahr­hafte Iden­ti­fi­ka­tion aber bleibt aus. Dabei hat den Verein genau das jah­re­lang aus­ge­macht. Nun gehen ihm ein wenig die Geschichten aus. Die Bruch­weg­boys spielen schon längst nicht mal mehr die kleinen, ver­rauchten Stu­den­ten­keller in mit­tel­große Uni­ver­si­täts­städten, Nikolče Noveski hat Eigen­tore gegen Eigen­heime getauscht und Klopp, Tuchel, Schwarz und Rose tin­geln in der Welt­ge­schichte rum. Immerhin können sich die Mainzer noch auf andere Dinge besinnen: Weck, Wurscht und Woi.

Was fehlt: Ein Kapitän. Nachdem in Niak­haté der Spiel­führer der letzten Saison gegangen ist, sucht Trainer Bo Svensson nun einen neuen. Gefunden hat er ihn noch nicht. Muss aber nichts schlechtes sein, weiß Jürgen Klins­mann: Die kennen unseren Capi­tano noch gar ned!“ Ver­mut­lich wird es aber der Tor­wart. Dem damit Zentner an Ver­ant­wor­tung auf den Schul­tern liegen.

Wenn dieser Klub ein Getränk wäre: Lei­tungs­wasser. Wohl­ge­merkt in einer Sodas­tream-Pulle. Bei Bedarf kann man dieses Getränk näm­lich mit Koh­len­säure ver­setzen, ihm ein biss­chen Action zufügen, es aus der Graum­au­sig­keit seines Daseins her­vor­lo­cken. Denn in diesem Getränk schlum­mert noch immer eine ganze Menge, es gab Zeiten, da konnte Mainz die Quelle der Glück­se­lig­keit sein. Vor zwei Jahren erin­nerte der Verein daran, wie sehr er noch zu krib­beln vermag. Als näm­lich mit Bob Svensson, Chris­tian Heidel und Martin Schmidt kur­zer­hand die alte Band zusam­men­ge­trom­melt wurde, Mainz die beste Rück­runde seit immer spielte und trotz einer Hin­serie auf Schalke-Niveau mit gran­diosem Fuß­ball die Klasse hielt.

Das 11FREUNDE-Orakel: In Mainz sind sie mit ver­hält­nis­mäßig wenig ver­hält­nis­mäßig gehörig zufrieden. Eine über­gangs­weise Plat­zie­rung, die für die Con­fe­rence League qua­li­fi­zieren würde hier, ein Der­by­sieg über Frank­furt da – schon ist die Mainzer Fan­seele beglückt. In den dunklen Win­ter­mo­naten wird die Mann­schaft von Bo Svensson auch mal aus der unteren Hälfte der Tabelle grüßen. Am Ende lassen die Mainzer aber 05 gerade sein – und beenden die Saison dort, wo sie sich am wohlsten fühlen: in der Mitte. Auf dem 9. Tabel­len­platz.