Seite 4: Bausparvertrag bei den Vertragsverhandlungen

Der ›Spiegel‹ schrieb damals, beim 1. FC Köln gebe es als zusätz­liche Bezah­lung Bau­spar­ver­träge und Grund­stücke. Hans Schäfer soll sogar eine Tank­stelle bekommen haben.
Thielen: Hans Schäfer war damals der wich­tigste Spieler des FC. Er lebte vor, was den Klub fuß­bal­le­risch aus­machte. Der Prä­si­dent zeigte den Spie­lern Wege auf, Kapital für später anzu­sam­meln. Franz Kremer hat sechs Fami­li­en­häuser für junge Spieler gebaut, die wir dann über unser Gehalt bezahlen mussten.

Weber: Kremer wollte die besten Spieler län­ger­fristig binden. Das war ein Mittel, um uns hier in Köln zu halten.

Sie drei haben also alle ein Haus gekauft?
Weber: Hannes war da noch gar nicht dabei, der hat später zwei Häuser bekommen, nicht nur eins. (lacht)

So ein Bau­spar­ver­trag war fester Bestand­teil der Ver­trags­ver­hand­lungen?
Thielen: Nein, er hat gesagt: ›Das Geld, das ihr jetzt ver­dient, ist leicht ver­dient, aber auch schnell wieder aus­ge­geben.‹ Davor wollte er uns bewahren.

Weber: Kremer hat die Häuser nicht selbst gebaut, er hat nur dafür gesorgt, dass Grund­stücke besorgt wurden.

Löhr: Zuerst wurde Richt­fest gefeiert, dann war das Haus fertig, und wir haben im Monat 500 Mark bezahlt. Den ganzen Stress, den so ein Hausbau mit sich bringt, hat er von uns fern­ge­halten. Schauen Sie sich nur Mann­schafts­fotos aus dieser Zeit an. Da finden Sie kaum einen, der heute von Hartz IV lebt.

Wer waren die wich­tigsten FC-Trainer der Sech­ziger?
Thielen: Der erste Trainer, der diesen Klub auf eine inter­na­tio­nale Ebene gebracht hat, war Tschik Caj­kovski. Er hatte vorher als Trainer den FC Utrecht über­nommen, die Letzter in der hol­län­di­schen Liga waren. Mit denen hat er kein Spiel ver­loren. Tschiks beson­dere Qua­lität war die Moti­va­tion. Er hat uns ange­steckt mit seinem Fuß­ball­wahn.

Er war also kein Schleifer? 
Thielen: Mit Schleifen hatte der rein gar nichts zu tun, im Gegen­teil. Er hat dich ein­fach begeis­tert.

Weber: Er war der rich­tige Trainer zum rich­tigen Zeit­punkt.

Jugo­sla­wi­sche Übungs­leiter waren gemeinhin für ihr hartes, kör­per­li­ches Trai­ning bekannt.
Thielen: Beim Tschik haben wir immer nur gespielt, wir haben alles mit dem Ball gemacht. In den Fünf­zi­gern hatten zwei Natio­nal­mann­schaften die Welt beherrscht: die Ungarn und die Jugo­slawen. Tschik kam aus dieser Genera­tion, er hatte ein uner­schöpf­li­ches Wissen von Geschichten und Spielen.

Löhr: Das Pro­blem war, dass er nicht dis­zi­pli­niert war. Einmal hat er gesagt: ›Nikita (Caj­kovskis Spitz­name für Overath, d. Red.) ich schmeißen raus.‹ Zwei Tage später gegen Bayern Mün­chen hat Overath aber gespielt. Da wuss­test du als Spieler, der erzählt viel, wenn der Tag lang ist. So etwas nutzen Spieler ganz schnell aus. Und irgend­wann war er nicht mehr tragbar.

Auf Caj­kovski folgte Schorsch Knöpfle.
Thielen: Er war genau das Gegen­teil. Ein auf­rechter Mann, der wie ver­rückt auf Dis­zi­plin ach­tete. Mit ihm sind wir sofort wieder Deut­scher Meister geworden, weil er dieses Vakuum aus Dis­zi­plin­lo­sig­keiten aus­ge­füllt hat.

Knöpfle war der erfolg­reichste Bun­des­li­ga­trainer in den Sech­zi­gern. Was konnte er besser als jeder andere?
Löhr: Er war viel­leicht nicht der große Fuß­ball­stra­tege, aber er hat diese Mann­schaft, die ja von sehr guten Spie­lern geprägt war, wun­derbar geführt.

Weber: Er war der ideale Trainer, weil er auf junge Leute wie Wolf­gang Overath und mich gesetzt hat. Uns hat er an eine Mann­schaft her­an­ge­führt, die mit erfah­renen Leuten wie Hans Schäfer, Hansi Sturm und Fritz Ewert durch­setzt war und auch über junge Wilde wie Karl-Heinz Thielen oder Helmut Bent­haus ver­fügte. Wir sind mit sechs, acht Punkten Vor­sprung Meister geworden.

Thielen: Wolf­gang Overath hat als Neu­ling in den ersten sieben oder acht Spielen immer das 1:0 gemacht. Unglaub­lich. Hans Schäfer hat ihn ein­fach nach vorne geschickt, und die anderen haben hinten dicht­ge­macht.

Weber: Dabei sind in der gesamten Saison nur 14 Spieler für uns auf­ge­laufen. Wir haben fast immer in der­selben For­ma­tion gespielt. Das war das Erfolgs­ge­heimnis.