Wolf­gang Weber, Hannes Löhr, Karl-Heinz Thielen, wir treffen uns im Geiß­bock­heim, dem ersten Trai­nings­zen­trum in der deut­schen Fuß­ball­ge­schichte. Ihre schönste Erin­ne­rung in Ver­bin­dung mit diesem Ort?
Wolf­gang Weber: Die erste Bun­des­liga-Meis­ter­schaft 1964. Nach dem Spiel sind wir mit einem Umzug durch Köln gezogen, anschlie­ßend fanden hier die Fei­er­lich­keiten statt. Auf dem Park­platz standen 30 000 Men­schen.

Hannes Löhr: Das Geiß­bock­heim war das Zen­trum meines sport­li­chen Wir­kens. Zwi­schen 1964 und 1986 war ich hier als Spieler, Co-Trainer, Trainer und Manager hei­misch. Wenn ich hierhin komme, fühle ich mich zu Hause.

Karl-Heinz Thielen: Als Stu­dent habe ich hier sogar gewohnt. Das war prak­tisch, weil wir zweimal am Tag trai­niert haben und ich mor­gens um sechs zum Repe­titor musste. Unser Prä­si­dent Franz Kremer hat für mich sein Büro geräumt. Statt­dessen wurde mir eine kleine Woh­nung ein­ge­richtet, was mir half, mein Stu­dium zu Ende zu bringen.

Was haben Sie stu­diert?
Thielen: BWL. Es war damals nicht ein­fach, als Profi gleich­zeitig zu stu­dieren. Ich habe vor dem Examen andert­halb Monate nicht gespielt. Franz Kremer hat gesagt: ›Es ist wich­tiger, dass Sie das Diplom schaffen.‹

Gibt es einen spe­zi­ellen Platz hier, der für Sie beson­dere Bedeu­tung hat?
Weber: Das Ent­mü­dungs­be­cken hatten wir damals als erster Verein in Deutsch­land. Aller­dings konnten wir nicht nach jedem Trai­ning damit rechnen, dass auch Wasser im Becken war.

FC-Prä­si­dent Kremer gilt als Urvater der Kom­mer­zia­li­sie­rung im deut­schen Fuß­ball und Erfinder der Bun­des­liga.
Thielen: Er hat als einer der Ersten erkannt, in welche öko­no­mi­schen Bereiche sich der Fuß­ball ent­wi­ckelt. Zur Meis­ter­feier traf er mit einer Brauerei ein Abkommen, damit sie dem FC das Bier umsonst zur Ver­fü­gung stellt. Die Mit­glieder konnten umsonst Bier trinken, aber sie mussten ein Glas mit unseren Namen kaufen. An diesem Tag wurden 15 000, 20 000 Gläser für zwei Mark das Stück ver­kauft. Da wurde mir bewusst, wie­viel Geld im Fuß­ball zu ver­dienen ist.

Hannes Löhr, Sie wech­selten als umwor­benes Talent aus Saar­brü­cken zum FC. Warum?
Löhr: Weil es der am besten geführte Klub war und weil man ordent­lich Geld ver­dienen konnte. Damals hatte ich die Aus­wahl zwi­schen 16 Ver­einen, weil ich im Süd­westen zweimal Tor­schüt­zen­könig geworden war. Sicher hätte ich irgendwo noch mehr ver­dienen können, aber der FC war das, was heute Bayern Mün­chen dar­stellt. Man musste ein­fach dahin. 

Und Sie, Wolf­gang Weber?
Weber: Ich war Jugend­na­tio­nal­spieler in Porz und bekam Ange­bote vom FC, von Vik­toria Köln und aus Lever­kusen. Die Grün­dung der Bun­des­liga stand bevor, und mir war klar, dass von diesen drei Ver­einen nur der FC die Chance haben würde, auf­ge­nommen zu werden. Und ich wollte natür­lich ganz oben mit dabei sein.

Welche Strahl­kraft ging damals von der Bun­des­liga aus? Wenn etwas neu ein­ge­führt wird, gibt es auch immer reich­lich Beden­ken­träger.
Thielen: Die Bun­des­liga wurde uni­sono positiv auf­ge­nommen. Dagegen waren nur die Ver­eine, die nicht auf­ge­nommen wurden, etwa Ale­mannia Aachen. Und es gab auch böse Stimmen, die behaup­teten, Kremer habe die Grün­dung absicht­lich vor­an­ge­trieben, um die unmit­tel­baren Kon­kur­renten aus­zu­schalten. Völ­liger Unsinn.

Löhr: Die Liga wurde auch von Sepp Her­berger gewünscht. Er wollte Kräfte bün­deln, um dadurch eine leis­tungs­stär­kere Natio­nal­mann­schaft zu bekommen.

Weber: Ein Grund war sicher auch, dass Deutsch­land bei der Welt­meis­ter­schaft 1958 nur Vierter geworden und 1962 sehr früh aus­ge­schieden war. Die anderen Ver­bände in Eng­land, Spa­nien und Ita­lien hatten das Pro­fitum bereits 1900 ein­ge­führt. Nur in Deutsch­land glaubte man noch, mit Halba­ma­teuren zurecht­zu­kommen. 1954 hatte das noch geklappt, aber auf Dauer war das kein Zustand.