Seite 2: Döner ist nicht gleich Döner

Ohne Pro­jekte wie dieses wäre dem Ex-Natio­nal­spieler schnell lang­weilig: Andere packen nach dem Trai­ning ihre Golf­ta­sche und hängen den ganzen Tag am Golf­platz herum. Ich ver­kaufe dafür Eis, Döner, Kla­motten, habe Spaß dabei und jeder hat etwas davon.

Und wo Podolski drauf steht, da ist auch Podolski drin. Ich stehe zu 100 Pro­zent hinter dem Pro­jekt und bringe mich ein, wo ich kann. Ich will infor­miert sein und das Pro­jekt wei­ter­ent­wi­ckeln. Ich gebe immer Vollgas, betont er. Er betei­ligte sich an dem Kon­zept, der Marke, dem Pro­dukt und dem Design. Und er hat Ansprüche.

Podolski legt beson­ders viel Wert auf ein qua­li­tativ hoch­wer­tiges Pro­dukt. Wenn man nicht gerade um 7:00 Uhr mor­gens aus dem Late-Night-Club gestol­pert kommt, ist Döner schließ­lich nicht gleich Döner. So wird der Döner­spieß hier selbst gemacht, das Brot in eigener Back­stube frisch geba­cken. Indus­tri­elle Pro­dukte, tief­ge­kühlt vom Groß­handel gelie­fert, kommen hier nicht ins Sand­wich. Ein Merkmal, das bereits in Podol­skis Eis­diele, seit Sommer 2017 im Betrieb, deut­lich wurde. Kein Main­stream, statt­dessen Krea­ti­vität, Eigen­krea­tion und Enga­ge­ment. Gerade beim schnell­le­bigen Kebap-Geschäft ist das von Nöten, die Kon­kur­renz ist schließ­lich nur einen Zebra­streifen ent­fernt.

Genuss für fairen Preis 

Und, was soll man sagen: Podolski hat es geschafft. Der Döner schmeckt fan­tas­tisch. Das Brot, außen kross, innen fluffig. Das Fleisch, wun­derbar gewürzt, schön scharf. Der Salat kna­ckig. Erstaun­lich, was ein biss­chen Minze im Tomaten-Gurken-Salat und ein Spritzer Zitro­nen­saft bewirken können. Jeg­liche kri­ti­sche Distanz geht da schnell mal ver­loren. Und ein eigent­lich objektiv gedachter Artikel wird urplötz­lich zum Mar­ke­ting­text. 

Gebra­tenes Gemüse wie Auber­ginen, Zuc­chini und Paprika stehen eben­falls zur Ver­fü­gung, ver­fei­nern das Angebot und unter­strei­chen das Allein­stel­lungs­merkmal. Denn wer dachte, das Poten­tial des Döners sei mit Zwiebel, (Kraut)Salat und Sauce aus­ge­schöpft, der irrt sich gewaltig. 

4,50 Euro kostet die groß­zü­gige Por­tion. Jedem Stu­denten, dem nun vor Schreck der Koch­löffel in den Nudel­topf gefallen ist, dem sei gesagt: Es ist ein voll­kommen ange­mes­sener und fairer Preis, berück­sich­tigt man die Qua­lität und die Kon­kur­renz in Köln, die auf der Preis­leiter mitt­ler­weile zum Teil auf fünf Euro geklet­tert ist.

Vom Stra­ßen­ki­cker für Stra­ßen­ki­cker

Die war­tende Meute vor der Tür inter­es­siert der Preis sowieso am wenigsten. Um 16.10 Uhr ist es end­lich soweit: Podolski setzt sein schönstes Poldi-Lächeln auf und reißt das Papier von der Fens­ter­scheibe. Knapp 1.000 Men­schen, die sehn­süchtig auf ihren Prinzen gewartet haben, lächeln zurück, jubeln, krei­schen.

Die ersten Gäste bekommen ihren Döner von ihrem Helden per­sön­lich über­reicht. Mäd­chen mit Schnapp­at­mung weinen und machen diese fächernde Hand­be­we­gung vor ihrem Gesicht, Jungs in Jog­ging­hosen strahlen über beide Ohren. Stra­ßen­ki­cker trifft Stra­ßen­ki­cker.

Wäh­rend der Essens­aus­gabe nimmt sich Podolski über eine Stunde Zeit für seine Fans, schreibt fleißig Auto­gramme und macht Fotos, wie immer gut gelaunt und volksnah, so groß das Gedränge auch ist. Er ist und bleibt ein Star zum Anfassen. Und was er wie­derum anfasst, das wird in Köln zu Gold. Ganz ohne bunte Luft­bal­lons und knall­gelbe Buch­staben.