Ges­tern war ein großer Tag in der Geschichte des Fuß­balls. Es werden Bücher dar­über geschrieben, auf­wän­dige Doku­men­ta­tionen pro­du­ziert werden und viel­leicht auch Komö­dien. Ver­mut­lich wäre das sogar die ange­mes­senste Form, um das Schei­tern auf­ge­bla­sener Super-Manager zu erzählen, die sich mal eben so den Fuß­ball unter den Nagel reißen wollten. 

Hybris und Lächer­lich­keit

Jah­re­lang hatten sie die so genannte Super League vor­be­reitet. Sie waren in Pri­vat­flug­zeugen zu klan­des­tinen Treffen unter­wegs gewesen, hatten sich in den exklu­siven Restau­rants mit mil­li­ar­den­schweren Invest­ment­ban­kern getroffen, super­teure Rechts­an­wälte her­an­ge­zogen und kno­chen­harte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­firmen. Sie hatten sich gegen­seitig bestä­tigt, die dicksten Eier zu haben, um es mit der ganzen Fuß­ball­welt auf­zu­nehmen. Sie hatten Kol­legen und ver­meint­li­chen poli­ti­schen Freunden ins Gesicht logen. Und dann waren sie inner­halb von 48 Stunden ein­fach weg­ge­spült worden. Was für ein Stoff voller Hybris und Lächer­lich­keit.

Man könnte jetzt also zufrieden sein, dass die Pro­teste der Fans und der Spieler erfolg­reich waren. Man könnte dem FC Bayern und Borussia Dort­mund applau­dieren, dass sie sich den Schurken ver­wei­gert hatten. Man könnte sich in das woh­lige Gefühl hüllen, dass die da oben mit ihren Rän­ke­spielen nicht durch­ge­kommen sind. Man könnte Genug­tuung spüren, dass Strip­pen­zieher wie Ed Wood­ward von Man­chester United sich nun wie erfolg­lose Put­schisten in ihr Schwert stürzen. (Nur dass das in diesem Fall mit üppigen Abfin­dungen und Akti­en­pa­keten ver­süßt wird.)

Die großen Klubs sind ent­waffnet

Das wäre aber die fal­sche Gefühls­lage, denn letzt­lich ist mit dem Zusam­men­bruch der so genannten Super League nur eine unge­heu­er­liche Eska­la­tion ver­hin­dert worden. Am Montag ist im Wind­schatten des ganzen Tumults eine wei­tere Reform“ der Cham­pions League durch­ge­setzt worden, die nur eine bereits drei Jahr­zehnte andau­ernde Fehl­ent­wick­lung fort­schreibt. Nichts ändert sich daran, dass die angeb­liche Königs­klasse dafür sorgt, dass etwa in der Bun­des­liga der sport­liche Wett­be­werb im Eimer ist. Was sich auch in der neunten Meis­ter­schaft des FC Bayern hin­ter­ein­ander zeigt, die seit Diens­tag­abend quasi fest­steht. Natio­nale Ligen in vielen klei­neren Län­dern sind abge­hängt, auch ohne die Super League ist die Situa­tion zutiefst frus­trie­rend.

Eine rea­lis­ti­sche Chance für wirk­liche Reformen

Aller­dings ist ges­tern wirk­lich ein guter Tag gewesen, weil sich eine ver­meint­liche Atom­bombe als Platz­pa­trone erwiesen hat. Die Ver­tei­lung der Reich­tümer des inter­na­tio­nalen Fuß­balls nach oben ist von den ver­meint­li­chen Super­klubs stets mit der Dro­hung durch­ge­setzt worden, dass sie sonst eine Super­liga gründen würden. Jetzt haben sie es getan und sind spek­ta­kulär damit geschei­tert. Sie sind also ent­waffnet und in ihrer Macht dra­ma­tisch beschnitten.

Das aller­dings stellt eine his­to­ri­sche Chance dar. Zum ersten Mal besteht näm­lich eine rea­lis­ti­sche Mög­lich­keit, den inter­na­tio­nalen Ver­eins­fuß­ball wirk­lich zu refor­mieren. Mal sehen, ob es jemanden gibt, der sie auch angehen wird.