Seite 2: „Bayrisches Buffet“

Können Sie uns einen kurzen Über­blick über die Ver­let­zungen geben, die Sie im Laufe Ihrer Pro­fi­kar­riere erlitten haben? 

Meinen Sie kör­per­liche oder see­li­sche? 

Fangen wir zunächst mit den kör­per­li­chen an.

Ich hatte im Laufe meiner Kar­riere ins­ge­samt neun Ope­ra­tionen. Zwei Bän­de­risse, zwei Leis­ten­brüche, vier Knie­ope­ra­tionen und ein soge­nanntes Kom­part­ment-Syn­drom in der Wade.

Ein was?

Das ist eine Art Blut­erguss, der sich im Muskel bildet und nicht, wie gewöhn­liche Häma­tome, unter der Haut. In einer OP musste der Muskel auf­ge­schnitten werden, damit das Blut hinaus läuft. Wird das nicht gemacht, stirbt der Muskel von innen ab, was dazu führen kann, dass man seinen Fuß nicht mehr nach oben und unten bewegen kann. 

Was überwog bei Ihnen: der Ehr­geiz oder die wirt­schaft­li­chen Zwänge?

Wenn man einen leis­tungs­be­zo­genen Ver­trag hat, bei dem man eine gewisse Anzahl an Spielen machen muss, ist man auf Sieg- und Auf­lauf­prä­mien ange­wiesen. Aber ich wollte immer dabei sein, um der Mann­schaft zu helfen. Wenn ein Trainer kam und sagte, dass er mich brauchte, biss ich eben auf die Zähne. 

Wer ent­schied zu Ihrer aktiven Zeit, ob Sie auf­liefen – Arzt oder 
Trainer?

Letzt­lich ent­scheidet man selbst, ob er mit einer Ver­let­zung spielen will. Beim FC Bayern hatten wir mit Doc Müller-Wohlf­arth einen her­vor­ra­genden Arzt. Wenn der sagte, dass man nicht spielen kann, rüt­telte da keiner dran. Aber natür­lich war es das Ziel jedes Ver­eins, einen Spieler so schnell wie mög­lich wieder fit zu kriegen. Jeder Tag, den man aus­fällt, ist ein Ver­lust für den Verein.

Wenn Sie spielen wollten, hat der Verein es Ihnen also auch nicht ver­boten? 

Der Verein ist nicht daher gekommen und hat mir geraten noch zwei, drei Wochen zu pau­sieren. Ich war ja ein wich­tiger Spieler, ein Leis­tungs­träger. Aber er ist auch nie­mand gekommen und hat gesagt, dass man spielen muss. Was mir damals fehlte, war eine kon­krete Anlei­tung durch den Trainer, wie man bei Ver­let­zungen an sich arbeitet. Sei es mit indi­vi­du­ellem Trai­ning, im Kraft­raum, ein Reha-Zen­trum. All die Dinge, die heute all­täg­lich sind, hat es damals nicht gegeben.

Man­gelte es Ihnen in dieser Zeit an der rich­tigen Betreuung?

Wenn ich von Anfang an eine Betreuung gehabt hätte, wie sie ein Profi heute gewohnt ist, dann wäre ich auch nicht so lange ver­letzt gewesen. Wir hätten uns ganz anders auf Spiele vor­be­reitet. Essen, Trinken, Schlafen, Trai­nieren – das war früher alles ganz anders. 

Ernäh­rung war damals sowieso kein Thema.

Wir haben mit­tags vorm Spiel Steaks gegessen. Sogar beim FC Bayern gab es am Abend vor den Bun­des­liga-Matches immer ein bay­ri­sches Buffet: das volle Pro­gramm mit Brat­würsten, Fri­ka­dellen, Wurst­platten. Und trotzdem bin ich drei Mal Deut­scher Meister geworden. Aber mit den heu­tigen Ernäh­rungs­stan­dards hätte ich wahr­schein­lich ein paar Jahre länger gespielt.