Hansi Dorfner, von Profis aus den Acht­zi­gern wissen wir, dass sie oft wochen­lang nicht trai­nieren konnten und am Spieltag trotzdem auf­liefen. War das bei Ihnen auch der Fall?

In Nürn­berg habe ich in der Saison 1990/91 prak­tisch gar nicht mehr trai­niert und trotzdem an den Wochen­enden gespielt. Der Trainer wusste, wenn ich die ganze Woche trai­niere, falle ich am Wochen­ende aus.

Fehlte es Ihnen nicht an Fit­ness?

Ich habe höchs­tens am Don­nerstag und Freitag ein biss­chen was gemacht. Ich hatte schon so große Pro­bleme, dass es gar nicht anders ging. Nach einem Spiel brauchte ich wieder vier, fünf Tage, um mich zu erholen. Solange die Leis­tung stimmte, war alles andere egal.

Wie prä­sent waren Schmerzen in Ihrem Profi-Leben?

In meiner Hoch­zeit war ich regel­mäßig ver­letzt. Gegen Ende meiner Kar­riere war es dann auch so, dass ich mich für Spiele mit Medi­ka­menten fit machen musste.

Toni Schu­ma­cher hatte bei jedem Spiel Vol­taren dabei. Wie sah die Medi­ka­tion bei Ihnen aus?

Ich habe mir vor jedem Spiel zwei, drei Aspirin rein­ge­hauen und dann lief es. Zum Schluss hat mein Körper gegen jedes Medi­ka­ment rebel­liert. Ich hatte rich­tige All­er­gie­schocks, habe auf alle Lebens­mittel und Medi­ka­mente all­er­gisch reagiert. Mein Immun­system war ein­fach fertig. Ich hatte meinem Körper zu viel zuge­mutet.

Aspirin gilt als ver­hält­nis­mäßig schwa­ches Schmerz­mittel.

Für die Ein­nahme von Aspirin gab es bei mir zwei Gründe: Einer­seits war es Kopf­sache, denn es war fast ein Ritual, dass ich mir vor jedem Spiel eine nahm. Ande­rer­seits fühlte ich mich nach der Ein­nahme fri­scher. Aspirin wirkte bei mir so, dass ich im Spiel nicht ganz so schmerz­emp­find­lich war. In Nürn­berg nach 1990 waren die Schmerzen dann aber so schlimm, dass Vol­taren auch zum täg­li­chen Ritual wurde. Des­wegen habe ich heute eine All­ergie gegen den Wirk­stoff Diclo­fenac. Schließ­lich musste ich mich fit spritzen lassen.

Wie machte sich diese All­ergie bemerkbar?


Ich hatte geschwol­lene Augen und war eigent­lich immer krank: Schnupfen, Neben­höhlen, da war alles zu. Dazu kam irgend­wann auch das psy­chi­sche Pro­blem: Man will auf dem Platz etwas bewegen, aber der Körper macht ein­fach nicht mehr mit.

Was für Spritzen haben Sie bekommen?

Das hatte nichts mit Doping zu tun. Das waren schmerz­lin­dernde Spritzen bei einem Mus­kel­fa­ser­riss oder Mus­kel­ver­här­tung. Ich wurde pha­sen­weise so oft gespritzt, dass mein Körper sich auch dagegen irgend­wann wehrte.

Sie mussten mit 29 Jahren Ihre Kar­riere ver­let­zungs­be­dingt beenden. Was war der Grund dafür?


Das Knie. Doch im End­ef­fekt lag es auch daran, dass ich meine Ver­let­zungen nie voll­ständig aus­heilen ließ. Ich hatte einen Bän­de­riss, den ich nicht richtig ver­heilen ließ, daraus resul­tierte eine Mus­kel­ver­här­tung in der Wade, die zu einem Mus­kel­bün­del­riss wurde. Je mehr ich an Ver­let­zungen labo­rierte, desto schlimmer wurde es mit Fol­ge­ver­let­zungen.

Warum ließen Sie die Ver­let­zungen nicht aus­heilen?


Ich hatte leis­tungs­be­zo­ge­nene Ver­träge. Eine län­gere Ver­let­zung wirkte sich also stets auch finan­ziell aus. Außerdem war ich ein Ver­rückter. Ich wollte spielen, Fuß­ball war mein ein und alles. Wenn es sein musste auch auf Kosten meiner Gesund­heit.